Kennen sich aus: Angela Hundsdorfer und Michael A. Grimm haben allerlei Texte aus und über Bayern ausfindig gemacht. Weil der erste Auftritt so schnell ausverkauft war, gab’s noch einen zweiten – auch da war der Raum voll. Foto: Schneider

„Hunds-Gemein-Grimm’scher Heimatabend“ kommt beim Publikum gut an

Garmisch-Partenkirchen - Bayerische Literatur, unterbrochen von Jodeln, Gesang und Musik, gaben Angela Hundsdorfer und Michael A. Grimm beim Heimatabend zum Besten. Das kam an.

Das Werdenfels-Museum war Schauplatz eines „Hunds-Gemein-Grimm’schen Heimatabends“. Das war die letzte Vorstellung einer sehr erfolgreichen Veranstaltungsreihe, die im Rahmen des Kultursommers an vier Dienstagen in jeweils unterschiedlichen Lokalitäten die Besucher begeisterte. Nur 60 Personen fasste der Raum, in dem sich Angela Hundsdorfer und Michael A. Grimm höchst amüsant durch die bayerische Literaturgeschichte hangelten, oft auch mit Jodeln, Gesang und Musik. Weil diese Vorstellung schon lange vorher ausverkauft war, gab es am nächsten Tag vor ebenfalls vollem Haus einen weiteren Auftritt.

„Welcher Platz könnte geeigneter sein für zwei Künstler, die dem Werdenfelser Land so verbunden sind?“, führte Georg Büttel, künstlerischer Leiter des Kultursommers die Besucher in den Abend ein. Hundsdorfer ist im Kreisort aufgewachsen und lebt jetzt in Berlin. Doch die 37-Jährige zieht es immer wieder zu ihren Wurzeln zurück, wo sie bei Kulturveranstaltungen in Murnau und Garmisch-Partenkirchen auftritt. Grimm ist seit der Hauptrolle in „Schwere Jungs“ ein gern gesehener Stammgast in der Werdenfelser Kulturszene. Beim vergangenen Kultursommer verkörperte er in der Freilichtaufführung „Flucht in die Heimat“ den Albrecht Haushofer.

Vor ihrem Auftritt im Werdenfels-Museum hatten sich die Protagonisten durch einen Berg von Büchern durchgelesen und sich eine umfassende Auswahl unterschiedlichster Geschichten verschiedener Autoren erarbeitet. Während der Münchner Grimm die Schönheit und Kunstgeschichte seiner Heimatstadt pries, begleitete Hundsdorfer seine Ausführungen mit abwertender Gestik und dem Hinweis, dass sich in München doch alles nur um das Oktoberfest und den Biergenuss drehe. „Wiesnbesucher beiderlei Geschlechts sind immer stark durchblutet. Ein Hochamt der Ausschweifung“, zitierte sie die Ausführungen des Dichters Thomas Wolf aus dem Jahr 1928. Nach Horvat’s „Kasimir und Karoline“, Lena Christ’s „Rumplhanni“, und einem Gedicht von Ringelnatz („Der wilde Mann von Feldafing“) fanden sich die Zuhörer bei Ludwig Thoma wieder, wo Grimm aus dem Aufsatz eines Schülers vorlas: „Wenn der Krieg angefangen hat, spielt die Musik. Wenn alles vorbei ist, reitet der König herum und schaut wie viele tot sind.“

Der fast zweistündige Streifzug durch die Literatur fesselte die Besucher auch wegen der schauspielerischen Bandbreite, die beide Künstler im Gegensatz zum Film, wo sie meist in eine bestimme Rolle gedrängt werden, hier so richtig ausleben konnten. Ein Abend zum Genießen, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. (ei)

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