Gehören nicht vor ein E-Bike: Huskys. foto:tom

Huskys vor E-Bike gespannt

Garmisch-Partenkirchen - Rasante Bergabfahrt endet mit einem Unfall - und vor Gericht.

Auf diese Idee muss erstmal einer kommen: Ein 58-jähriger Mann aus der Nähe von Pfaffenhofen hat vier zugkräftige Hunde vor sein elektrisches Fahrrad gespannt, um mit ihnen den Wank hinunterzusausen. Prompt fuhr er dabei ein älteres Ehepaar über den Haufen. Die wilde Fahrt brachte ihn nun wegen fahrlässiger Körperverletzung vor das Amtsgericht.

Der ungewöhnliche Vorfall hatte sich am 22. Oktober des vergangenen Jahres gegen 9.45 Uhr ereignet, berichtete Staatsanwalt Philipp Maier. Ort des Geschehens war die steile asphaltierte Forststraße zwischen Esterberg und Partenkirchen. Der Senior habe dort seine Huskys per Zugleine mit dem Steuerrohr des Radlenkers verbunden. Und los ging es in Richtung Tal.

Tragischerweise war oberhalb der Daxkapelle aber auch ein älteres Urlauber-Ehepaar aus Bergisch-Gladbach mit seinem fünf Monate jungen Hundewelpen ebenfalls bergab unterwegs. Als die Huskys im Alter von eineinhalb bis siebeneinhalb Jahren den Welpen sahen, begann eine wilde Jagd.

Dabei erfasste der Tross die Touristen und riss sie zu Boden. Die Folge: Die 63-jährige Rentnerin erlitt mehrere Schürfwunden. Ihr 72-jähriger Mann zog sich zwei Rippenbrüche, zahlreiche Prellungen und ebenfalls Schürfwunden zu. Der Unfallverursacher nahm sich zwar sofort der beiden Verletzten an. Doch glücklicherweise war auch eine Physiotherapeutin am Wank unterwegs, die sich etwas professioneller um ihre Wunden kümmerte.

Wegen der Körperverletzung bekam der Schuldige nach einiger Zeit einen Strafbefehl über 2400 Euro. Doch weil ihm dies zu hoch erschien, erhob er Einspruch und saß deshalb nunmehr mit Anwältin Claudia Bartsch (Pfaffenhofen) vor Richter Paul Georg Pfluger.

Seine Hunde seien nämlich vom geraden Weg nur deshalb zu dem Welpen gelaufen, „weil sie mit ihm spielen wollten“, versuchte der Angeklagte die Schuld abzuwälzen. Der durchaus hundekundige Richter fragte zunächst fast ungläubig: „Ist jetzt dieser Hund schuld an dem Unfall?“ Die Sache sei doch wohl die, dass der Beschuldigte seine vier Huskys niemals hätte halten können, wenn sie zu einem anderen Hund hinwollten: „Die Hunde haben nur das getan, was ihrer Natur entspricht. Damit hätten Sie rechnen müsse, und dafür zu sorgen gehabt, dass sich andere Menschen weder mit der Zugleine noch mit den Hunden verfangen und zu Boden geworfen werden können“.

Der Richter bezeichnete es dann als „Tollkühnheit“, mit angespannten Zughunden auf der Steilstrecke am Berg nach unten zu fahren. „Und ich wundere mich sehr, dass da nicht schon früher etwas passiert ist“.

Für ihn stehe jedenfalls die fahrlässige Körperverletzung fest, meinte Pfluger. Er minderte in seinem Urteil zwar nicht die Zahl der 30 Tagessätze, die schon im Strafbefehl standen. Angesichts des Einkommens des schon in Rente befindlichen Mannes änderte der Richter aber die Höhe des Tagessatzes: Statt der 2400 Euro sind jetzt nur noch 1350 Euro fällig (30 mal 45 Euro).

Unabhängig davon sei bislang auch noch kein Schmerzensgeld bezahlt worden, berichteten die beiden Opfer der wilden Jagd. Doch das dürfte sich angesichts des jetzigen Urteils bald ändern.

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