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Den Standort Oberammergau streicht die HypoVereinsbank von der Liste ihrer Filialen. 58 Jahre lang wurden dort Bankgeschäfte getätigt.

Geldautomat und Auszugsdrucker werden zum 1. März abgebaut

Hypo gibt Standort Oberammergau auf

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Bitter! Der Kunden-Service der Banken geht immer mehr zurück. Jetzt zieht die HypoVereinsbank in Oberammergau ihren Geldautomaten ab.

Oberammergau – Ein Ort, der durch die Passionsspiele weltbekannt ist. Der alle zehn Jahre eine halbe Million Menschen anzieht. Und außerdem jährlich weit über Hunderttausend Tagestouristen und Urlauber hierher lockt. Die brauchen Geld – möchte man meinen. Die HypoVereinsbank sieht dies etwas anders: „Ab 1. März 2017 steht Ihnen diese SB-Zone leider nicht mehr zur Verfügung“, heißt es lapidar auf dem blauen Plakat, das an der Eingangstür klebt. Nachdem in dem Bankinstitut in der Dorfstraße in Oberammergau nach 56 Jahren im Frühjahr 2015 die Lichter ausgingen und die Filiale geschlossen wurde, werden mit Beginn des neuen Monats nun auch der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker abgebaut. Das war’s dann.

Die Gemeinde im Ammertal war einer von rund 240 Hypo-Filial-Standorten in Deutschland, der dem Kahlschlag des Unternehmens, das der italienischen Unicredit gehört, zum Opfer fiel. Zwar reagierten die Hypo-Kunden in Oberammergau ziemlich verärgert auf diese Entscheidung, doch waren die meisten am Ende froh darüber, dass wenigstens Automat und Drucker erhalten blieben. Dass nun das Institut sämtliche Zelte im Ammertal abbricht, kommt absolut überraschend.

Lukas Stöger, Leiter der HVB-Filiale Garmisch-Partenkirchen, nimmt Stellung: „Das war eine geschäftspolitische Entscheidung unserer verantwortlichen Gremien.“ Zu den Gründen führt der Wirtschaftsfachwirt aus: „Wir hatten in der Vergangenheit in Oberammergau immer wieder Probleme mit Vandalismus und Störungen. Da wurde schon mal Cola über Tastatur und Geldfach geschüttet oder der Automat streikte, weil Büroklammern den Automatismus lahmlegten.“ Hinzu kam laut Stöger, dass die Nutzungsquote der SB-Zone durch Kunden überschaubar gewesen sei. Diese Argumente können Kunden nicht nachvollziehen. Ein Oberammergauer, der anonym bleiben möchte und sich immer Bares an diesem Automat geholt hat: „Nach meinen Erfahrungen war der Automat selten außer Betrieb und ist auch sehr häufig genutzt worden.“

Keine Angabe zur Zahl der Kunden

Nachdem jetzt der Mietvertrag mit dem Eigentümer der Immobilie, dem Kloster Ettal, ausgelaufen ist, sah die HypoVereinsbank einen günstigen Moment gekommen, die Filiale ganz dicht zu machen. Überlegungen, woanders im Dorf mit wenig Raumbedarf den „Geldspeicher“ zu stationieren, habe es laut Lukas Stöger zwar gegeben, letztlich sei diese Idee aber nicht weiterverfolgt worden. Wieviel Hypo-Kunden in Oberammergau von dem Totalrückzug betroffen sind, wollte der Filialleiter nicht offenlegen.

Stöger räumt zwar ein, dass manche Kunden die Schließung bedauern werden, „doch viele verstehen es auch“. Alternativen, die die Bank anböte, fielen auf fruchtbaren Boden: „Personen, die ihr Konto auflösen wollen, lassen sich bisher an einer Hand abzählen.“ Der Bank-Experte verweist auf das HVB-Exklusiv-Konto, „das dem Kunden einen Rundum-Service bietet“. Damit könne der Nutzer weltweit kostenfrei Bargeld abheben. Freilich: Dieses Konto kostet aber im Monat 14,90 Euro. Zudem gebe es laut Stöger ein „Kundenvorteilsprogramm“, mit dem man die Kontoführungspreise deutlich senken könne. Wer aber 100 Prozent Ermäßigung anstrebt, muss mindestens 75 000 Euro Vermögen bei der Bank haben oder einen Kredit über diese Summe.

Wie es mit dem Gebäude in der Dorfstraße ohne Hypo ab dem 1. März weitergeht, darüber ist bisher nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Räume im Parterre werden mit den Ammergauer Alpen in Verbindung gebracht. Dazu Geschäftsführer Florian Hoffrohne: „Für die Tourist-Info wäre der Platz vorhanden, nicht aber für die Büros der Mitarbeiter.“ Auch die Gemeinde Oberammergau ist noch auf der Suche nach einem Standort für die Passions-Geschäftsstelle.

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