„Ich hörte das Krachen meiner Knochen“

Garmisch-Partenkirchen - Am ersten Tag der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen ist eine Skifahrerin mit einem Schneemobil zusammengekracht und schwer verletzt worden. Der Skidoo-Fahrer wurde jetzt zu 1600 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Am ersten Tag der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen hat sich im Osterfeldergebiet nahe der Hochalmbahn ein schwerer Unfall ereignet. Eine 46-Jährige kollidierte auf dem Skiweg mit einem Schneemobil, das dort widerrechtlich bergauf fuhr. Die aus Bobingen stammende Frau wurde schwer verletzt und lag fünf Wochen im Unfallklinikum Murnau (UKM). Der 30-jährige Garmisch-Partenkirchner Motorschlittenfahrer saß jetzt vor dem Amtsrichter - angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Richter Stefan Lindig stellte jedoch im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Allerdings muss der Mann dem Unfallopfer ein Schmerzensgeld von 1600 Euro zahlen.

Der Unfall ereignete sich am 7. Februar gegen 10.20 Uhr, sagte Staatsanwältin Christina Breuler. Der Skidoo-Lenker war außerhalb seines Dienstes als Pistenraupenfahrer den Hochalm-Skiweg hinauf gefahren, obwohl diese Strecke gesperrt gewesen war. Als er dann kurz vor der Hochalmbahn-Talstation die herabkommende Skifahrerin bemerkte, habe er zwar sofort korrekt links gehalten, erklärte Breuler. Doch die Frau konnte nicht mehr ausweichen und prallte frontal auf das Fahrzeug. Beide Schienbeine waren mehrfach gebrochen, die Lunge gequetscht. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber ins UKM gebracht.

„Ich hatte das Gefühl, ich bin in einer Waschmaschine“, sagte sie im Gerichtssaal. „Ich hörte das Krachen meiner Knochen.“ Noch heute könne sie nicht joggen, nicht so gut laufen wie vorher und die Bewegung des Sprunggelenks sei eingeschränkt.

Der 30-jährige Schneemobillenker, der durch das gebrochene Fensterglas seines Fahrzeugs selbst Schürfwunden ab bekam, kümmerte sich sofort intensiv um die Verletzte. Er bedauere den Vorfall sehr, sagte er. Die Fahrt begründete er damit, dass er auf dem für Touren- und Fußgänger sowie für Fahrzeuge gesperrten Weg nur deshalb gefahren sei, um an der Hochalmbahn Absperrmaterial für eine Stelle der Piste zu holen, an der ihm eine große Eisplatte aufgefallen war. „Da kam die Frau mit Schuss auf mich zu, ich blieb sofort stehen, schaltete die Warnhupe ein, die Skifahrerin verkantete aber beim Ausweichmanöver ihre Ski und prallte direkt aufs Schneemobil.“

Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte er bereits im August einen Strafbefehl von 2000 Euro (40 Tagessätze à 50 Euro) bekommen, doch er erhob Einspruch. Nun beantragte sein Anwalt Peter Kempmann (München) in der Verhandlung vor Richter Lindig die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von Schmerzensgeld. Ansonsten werde er Gutachten darüber verlangen, inwieweit die Frau den Skidoo hätte erkennen können, um rechtzeitig auszuweichen, sagte Kempmann. Denn der Skiweg sei an der Unfallstelle rund sechs Meter breit, hingegen messe das Fahrzeug lediglich 1,20 Meter.

Nach kurzer Diskussion akzeptierten Richter und Staatsanwältin schließlich den Antrag des Verteidigers auf Einstellung des Verfahrens. Statt der ursprünglichen 2000 Euro muss der Garmisch-Partenkirchner jetzt 1600 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Mögliche weitere finanzielle Probleme im Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen müssten zivilrechtlich geregelt werden, sagte Richter Lindig.

Wolfgang Kaiser

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