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Zentimetergenau steuert Korbinian Schmieder sein Kart durch die Pylonen - auch im Training in Ohlstadt

Motosport

In Finale ganz cool

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Großweil hat einen Deutschen Meister: Der 13-jährige Korbinian Schmieder  holt den Titel im Jugend-Kartslalom

Großweil– Der Bursche ist ein Multitalent – keine Frage. Er spielt Hackbrett, plattelt gerne, ist Mitglied im Schützenverein, war schon in der Kindergarde aktiv. „Aber ich hab’ noch genug Freizeit“, sagt Korbinian Schmieder und lacht. Vor allem, um ein weiteres Hobby unterzubringen: Kartfahren. In dieser Disziplin hat der 13-jährige Großweiler vielen anderen etwas voraus: Er ist Deutscher Meister.

Auf den Schultern trugen sie ihn in Richtung Podium, er schwenkte die bayerische Fahne, dann erklang die Nationalhymne – ein großer Moment für den jungen Motorsportler, den er in Wülfrath bei Wuppertal erleben durfte. Vier Hundertstelsekunden gaben letztlich den Ausschlag zugunsten des Oberbayern, der beim MSC Ohlstadt fährt. „Ich wusste gar nicht, dass unter der Zugspitze auch Kart gefahren wird“, scherzte der Streckensprecher noch bei der Vorstellung Schmieders. Und wie – das zeigte der Großweiler der deutschlandweiten Konkurrenz bei der DM.

Als einer von fünf Bayern pro Altersklasse hatte sich Schmieder über die Saison hinweg qualifiziert. Das ist hart genug. Fünf Siege und ein zweiter Platz – „damit bin ich gerade so als Fünfter reingerutscht“, sagt er. Das zeigt, wie hoch das Niveau ist. Gerade die Nordbayern sind stark.

Um die Chancen auf eine Qualifikation zu erhöhen, ist die Familie viel unterwegs. Denn alleine mit der Zugspitz-Runde ist es nicht getan. In größeren Rennserien gibt es mehr Punkte. „Das ist ein komplizierter Umrechnungsschlüssel“, sagt Vater Herbert Schmieder. Größere Starterfelder wirken sich auf die Wertigkeit der Platzierungen aus. Also fährt die Familie – auch die ältere Schwester Kathi steuert ein Kart – schon mal bis zum Bodensee oder in die Oberpfalz. „Aber wir machen immer auch ein kleines Rahmenprogramm, das ist uns wichtig“, versichert der Papa.

Zu fünft im Bus der Familie ging es bei der DM hinauf nach Nordrhein-Westfalen. 680 Kilometer. Anreise erst am Abend vor dem Rennen. „Um 1 Uhr nachts waren wir oben, die Kinder haben aber im Bus schon geschlafen.“ Ist eben ein hartes Geschäft.

Früh morgens stand erst einmal die Sitzprobe im Kart an, danach Besichtigung und Training. Im Rennen funktionierte es gut bei Schmieder, der als Siebenjähriger mit dem Kartsport begonnen hat. Einmal mehr meisterte er den Parcours, ohne eine Pylone zu touchieren – was sofort zwei Strafsekunden zur Folge hätte. Auf Rang vier preschte er im ersten von insgesamt vier Läufen. Achter war er bei Halbzeit des Wettkampfes. „Ich wollte in die Top-Zehn fahren, das hatte ich mir vorgenommen“, sagt der Youngster. Er lag also auf Kurs. Allerdings auch in einer guten Position, um zu attackieren. „Es ist gar nicht so gut, am ersten Tag vorne zu sein, denn da macht man sich meistens zu viel Druck“, sagt er. „Man soll aber ruhig bleiben und sich konzentrieren.“

Schmieder gelingt dies in seinen jungen Jahren offenbar schon bestens. Denn auch bei der Bayerischen Meisterschaft wenige Wochen zuvor hatte er eine Aufholjagd gestartet, die mit dem Titel endete. Nun wiederholte er das Kunststück.

Als der Vater am nächsten Tag frühmorgens aus dem Fenster sah, hatte er schon ein Grinsen im Gesicht. „Es regnete, ich hatte ein gutes Gefühl. Die Verhältnisse liegen Korbinian.“ Rutschiger Boden erschwert das Slalom-Fahren nochmals. Im dritten Lauf bereits arbeitete sich Schmieder auf Position vier vor. „Normal sagen wir ihm nicht, wie er liegt“, verrät der Papa. „Diesmal ist er aber einfach selbst zum Monitor gegangen und hat geschaut, wie es aussieht.“

Alles oder nichts lautete nun sein Motto. Ganz cool legte Schmieder im finalen Lauf sogar seine persönlich beste Zeit hin. „War schön, da schon mal Erster zu sein.“ Dann war Warten angesagt. Die besten Drei folgten noch. „Wir standen im Zelt und schauten immer gebannt auf die Leinwand“, sagt der Vater. Den letzten Fahrer wollte sich Korbinian selbst am Parcours noch anschauen. „Auf einmal war das Geschrei dann groß.“ Es hatte gereicht. Schmieder war Deutscher Meister.

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