In einer Diskothek kam es zu sexuellen und gewalttätigen Übergriffen. (Symbolbild)
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In einer Diskothek kam es zu sexuellen und gewalttätigen Übergriffen. (Symbolbild)

Disko-Betreiber mit Flasche bedroht

In Mittenwalder Lokal: Zwei Männer begrapschen Frauen und treten Türsteher ins Gesicht

Bewährungsstrafe und Sozialstunden für zwei Eritreer: Sie haben in einem Mittenwalder Lokal zwei Mädchen sexuell belästigt. Einer von ihnen hat danach dem Türsteher sogar ins Gesicht getreten.

Mittenwald – Am Ende zeigen beide Angeklagte einen Hauch von Reue. Bei ihrem letzten Wort vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen entschuldigen sie sich „bei allen“, lassen sie über den Dolmetscher erklären.

Den 25-jährigen Eritreer verurteilte Dr. Benjamin Lenhart wegen sexueller Belästigung in zwei Fällen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, dazu muss er 56 Stunden soziale Hilfsdienste erbringen. Den wesentlich aktiveren, 27-jährigen Landsmann traf’s härter: Ihm brummte man zwölf Monate auf Bewährung und 120 Sozialstunden auf.

Den Ostafrikanern wurde zur Last gelegt, am 4. Juni 2019 in einer Mittenwalder Diskothek zwei Frauen mehrmals am Gesäß und an der Taille begrapscht zu haben. Der ältere der beiden Eritreer, der wie der Mitangeklagte in Mittenwald wohnt, soll darüber hinaus den Türsteher mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben. Als er aus dem Tanzlokal verwiesen worden war, soll er zudem mit einer Bierflasche in der Hand auf den Lokalbetreiber losgegangen sein.

Der 27-Jährige will sich an nichts mehr erinnern können

„Ich kann mich an nichts erinnern“, versicherte der 27-Jährige. Er hat in seiner Wohnung eine Geburtstagsfeier ausgerichtet und seit Mittag Bier getrunken. Dann zog es ihn in die Disco. Um die zwölf Halbe will er an diesem Tag zu sich genommen haben.

Marginal mehr war aus dem jüngeren Angeklagten rauszukriegen. Er war ebenfalls auf dem Fest und ab 1.30 Uhr im Tanzlokal. Er gab an, auf den Tag verteilt etwa acht Bier konsumiert zu haben. „Haben Sie zwei Frauen unsittlich berührt?“, wollte Lenhart wissen. „Kann sein, aber ich kann mich nicht dran erinnern.“ Gegen 4 Uhr sollte der Eritreer auf Drängen des Sicherheitspersonals das Lokal verlassen. Dem sei er nachgekommen.

Videoaufnahmen liefern erdrückende Beweislast

Erdrückend wurde die Beweislast, als Videoaufnahmen der Überwachungskameras gezeigt wurden. „Da siehts man’s“, rief Staatsanwalt Felix Jungwirth, der ganz genau hinschaute. Der ermittelnde Beamte der hiesigen Polizei-Inspektion kommentierte das Geschehen. Wobei ein Flaschenwurf in der Disko und die Situation vor dem Lokal zu erkennen war, als der 27-Jährige drohend die Flasche schwang.

Die sexuellen Belästigungen bestätigten die zwei Frauen. „Die haben uns immer wieder angefasst, haben uns nicht in Ruhe gelassen“, sagte die 24-Jährige. Ihrer Freundin ging’s genauso: „Die haben mich beide angelangt“, schimpfte die Mittenwalderin (26). Die Frauen erkannten den Älteren der Eritreer als den penetranteren Grapscher, zudem habe dieser der 26-Jährigen von hinten an die Geschlechtsteile gefasst.

27-Jähriger tritt Türsteher ins Gesicht

Der Türsteher, ein 35-jähriger Garmisch-Partenkirchner, gab an, an diesem Abend der DJ in der Disco gewesen zu sein. Er wurde vom Besitzer darauf hingewiesen, dass sich die Frauen über die Flüchtlinge beschwert hätten. Als aus der Richtung der beiden eine Flasche ans DJ-Pult geflogen kam, reagierte er. „Ich wollte die Herren rauswerfen.“ Auf dem Weg zum Ausgang stolperte er. Knieend musste er einen Tritt des 27-Jährigen einstecken, wobei er jedoch nur einen Kratzer am Hals davonzog.

Disco-Betreiber: „Er ist immer ein anständiger Gast gewesen“

Der Disko-Betreiber wunderte sich über das Verhalten des älteren Angeklagten. „Er ist immer ein anständiger Gast gewesen. Er war immer unauffällig.“ Das änderte sich, als der Eritreer nach seinem Rauswurf ihn mit der Flasche bedrohte. Der 34-Jährige musste Schutz hinter einer Glastür suchen.

Gutachter Professor Wolfgang Eisenmenger bestätigte bei den Angeklagten zum Tatzeitpunkt eine erhebliche Enthemmung. „Ein Vollrausch ist jedoch ausgeschlossen“, sagte der Rechtsmediziner. „Es ist wenig ritterlich, den Überraschungsmoment auszunutzen für so einen feigen Tritt“, betonte der Staatsanwalt. Er forderte acht Monate Bewährungsstrafe für den älteren Beschuldigten und 3200 Euro Geldstrafe für den jüngeren. Richter Lenhart sah die Vergehen der bislang Unbescholtenen anders. „Es ist keine Einsicht für das Unrecht zu sehen. Es reicht nicht aus zu sagen, ich war betrunken.“ Er wies die Eritreer an, sich an Normen und Regeln in Deutschland zu halten. „Wenn noch mal was passiert, müssen Sie ins Gefängnis!“ akr

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