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Volle Konzentration legen die Mitarbeiter der Firma Grassmayr an den Tag, als sie die vier Glocken der Pfarrei St. Michael in Seehausen erschaffen.

Pfarrei St. Michael in Seehausen

Der kleine Vinzenz sieht, wie seine Glocke gegossen wird

Seehausen - Rund 70 Seehauser sind Zeugen gewesen, als in der Innsbrucker Firma Grassmayr die vier neuen Kirchenglocken gegossen wurden. Für die Familie Adelwart hat dieser feierliche Akt eine ganz besondere Bedeutung. Sie stiftet einen dieser Bronze-Kolosse und löst damit ein Gelübde ein.

Der 3. Juli 2012 hat sich bei Konrad Adelwart junior und seiner Lebensgefährtin Alexandra Franke fest ins Gedächtnis eingebrannt. An diesem Tag gerät ihr damals dreijähriger Sohn Vinzenz unter die Reifen eines Baggers. Drei Tage kämpfen die Ärzte um sein Leben. „Das werd’ ich nie vergessen“, beschreibt der Landwirt aus Seehausen diese unerträglichen Stunden zwischen Hoffen und Bangen. Die Gebete der Adelwarts werden erhört. Heute hüpft er wieder herum, als wäre nichts geschehen.

„Seitdem denke ich ganz anders über alles“, meint sein Vater, der seine tiefe Dankbarkeit auf ganz besondere Weise ausdrücken will. Er stiftet eine der vier neuen Seehauser Kirchenglocken. Der 1,1 Tonnen schwere Bronze-Koloss ist dem Namenspatron des Adelwart-Buben geweiht und trägt die symbolträchtige Inschrift: „Liebe sei Tat – Der Heilige Vinzenz hat geholfen!“ Vor wenigen Tagen wurde die Glocke bei der beauftragten Innsbrucker Firma Grassmayr gegossen.

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Bilder: Vier Glocken aus einem Guss für St. Michael in Seehausen

Zu der Glocken-Genese haben sich rund 70 Seehauser in die Tiroler Landeshauptstadt aufgemacht. Sie alle merken sehr schnell, dass sie einer besonderen Zeremonie beiwohnen. Um 15.45 Uhr, eine Dreiviertelstunde später als geplant, erreicht der riesige Kessel die richtige Betriebstemperatur: knapp 1200 Grad Celsius. In Kürze kann mit dem Guss der Glocken für die Pfarreien Zell (Oberösterreich), Kapfenstein (Steiermark) und Seehausen begonnen werden.

Jetzt muss in die siedende Flüssigkeit nur noch ein Klumpen Zinn dem Kupfer beigemischt und traditionsgemäß mit einem frischgeschnittenen und wassergetränkten Erlenstamm verrührt werden. Nachdem der Kirchenchor Zell „Ich lobe meinen Gott“ intoniert hat, ist Franz Matschl vom Verein „Da Sea is inser“, der die Ulrich-Glocke stiftet, gefragt. Er wirft ein unscheinbares Stück Holz in den Kessel. Doch das entbehrt nicht einer gewissen Symbolkraft. Es stammt nämlich vom Jakobsinsel-Kreuz, das die Seehauser 2007 bei einer Rom-Pilgerfahrt von Papst Benedikt XVI. weihen ließen. Zwischen 16.22 und 16.44 Uhr sind die vier Glocken gegossen – erst Ulrich, dann Nepomuk, Michael und schließlich Vinzenz. „Sie werden uns bei feierlichen und bei traurigen Anlässen begleiten“, verdeutlicht Pfarrer Walter.

Die neuen Glocken sollen am 5. Oktober geweiht werden. Bis dahin lagern sie bei der Firma Grassmayr, wo sie demnächst, wenn sie abgekühlt sind, ausgepackt und poliert werden. Ende September werden dann heimische Handwerker den neuen – hölzernen Glockenstuhl – anfertigen. Was mit dem stählernen Vorgänger-Konstrukt und den vier Stahlglocken von 1948 passiert, bleibt die spannende Frage. „Sie sind Teil unserer Geschichte“, betont Hagl, der die Kolosse des Bochumer Vereins unbedingt erhalten möchte.

Christof Schnürer

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der Mittwochsausgabe des Garmisch-Partenkirchner Tagblatt / Murnauer Tagblatt.

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