Florian Felix Weyh veröffentlicht sein Buch „Toggle“ im Januar. Julia Baier

Inspirationsquelle Elmau

Elmau - Geheimoperationen eines Computerkonzerns, das Ringen um Macht und ein Mord: Aus diesem Stoff ist der neue Roman von Florian Felix Weyh. Einer der Hauptschauplätze ist „Mellau“ - alias Schloss Elmau.

„Schloss Mellau gehörte zu den begehrtesten Luxusressorts in den Alpen. Im Sommer wie im Winter war es stets ausgebucht, obwohl sich Normalsterbliche die Zimmerpreise kaum leisten konnten.“ Florian Felix Weyh weiß das. Mehrere Male war der Nordrhein-Westfale bereits in Schloss Elmau. „Ich hatte das Glück, mehrfach von meiner Familie eingeladen zu werden. Selbst leisten hätte ich mir das nicht können.“

Das Schloss hat es ihm angetan, die Kulisse wirkte inspirierend auf den Schriftsteller, Publizisten und Journalisten. „Als ich mit meiner Frau in der Umgebung gewandert bin, hab’ ich mich gewundert, dass dort noch kein Film gedreht wurde.“ Das Schloss mit seinen vielen Gängen, die weite, beeindruckende Alpenkulisse - für den 48-Jährigen ein perfekter Drehort. Er machte Elmau zum Hauptschauplatz in seinem ersten Roman „Toggle“.

Der Name, auf dem Cover in bunten Buchstaben gedruckt, lässt keinen Zweifel: „Toggle“ steht für den weltweit führenden Internet-Konzern Google. Bei „Toggle“ läuft längst nicht alles nach Plan: In abgeschotteten Lagerhallen draußen auf dem Land lässt das Unternehmen alle Bücher dieser Welt scannen. Gleichzeitig wird die Kritik an den Techniken der Firma immer lauter. Zeit für einen Kongress mit hochrangigen Wissenschaftlern, der der Welt die Transparenz von „Toggle“ vor Augen führt.

Schloss „Mellau“ scheint bestens geeignet. "Es war ein Wellness-Ressort höchster Qualität, mit dem sich weltweit nur drei Dutzend andere Hotels vergleichen ließen.“ Doch hier fühlen sich wichtige Persönlichkeiten wohl. Würde nicht ausgerechnet dort während der Tagung ein Mord passieren.

Der Leser merkt schnell, dass Weyh sich auskennt. Bei seinem letzten Besuch im Fünf-Sterne-Refugium „hab’ ich dort mit einer kleinen Videokamera gedreht“, erzählt er. Ihm ging es um eine exakte Beschreibung, um „Wiedererkennungswert und bizarre Details“, die er in den Wissenschaftsthriller einfließen lässt.

Die Liebe zu Details ist aber nicht das einzige Stilmittel. Am auffälligsten sind wohl die Wortkreationen: Aus Google wird Toggle, aus Elmau Schloss Mellau und der Ferchenbach ist der Forchbach. „Ich hab’ das Prinzip radikal durchgehalten“, erläutert Weyh, der mittlerweile in Berlin lebt. Den Tausch weniger Buchstaben nutzt er als „künstlerisches Werkzeug“.

Doch bis auf diese Begriffe bleibt Weyh nah bei der Wahrheit. „Ich hab’ wenig hinzuerfunden.“ So brachte ihn die Einladung von Google zu einem Journalistentag auf die Idee zum Roman. Damals wurde die Googlebook-Technik vorgestellt und der Autor fand es seltsam, dass Bücher aus der Bayerischen Staatsbibliothek tatsächlich zum Scannen in Hallen gefahren werden, von denen niemand weiß, wo sie sind. „,Wozu dann diese Geheimniskrämerei?‘, hatte Purgler gefragt und die Stirn gerunzelt. ,Abgelegene Lagerhalle mitten in der Pampa, keine Kollegen, Schweigepflicht.‘“ Eigentlich war es die Frage des Autors selbst - er hat in seinem Buch eine ganz eigene Antwort gefunden.

Der Roman „Toggle“ von Florian Felix Weyh erscheint am 5. Januar im Verlag Galiani Berlin.

Janine Tokarski

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