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Dürftige Resonanz: Außer ein paar Gemeindevertretern erscheint nur eine Handvoll Interessierter zur Bürgerwerkstatt.

Mehr Fördergelder mit Programm möglich

Bürgerwerkstatt (fast) ohne Bürger

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Farchant - Großer Saal, viele leere Plätze: Das Interesse an der Bürgerwerkstatt im Rahmen des „Interkommunalen Entwicklungskonzepts“ (IKEK) für die Gemeinden Farchant und Oberau fiel bescheiden aus. Trotzdem halten die Kommunen dran fest – aus finanziellen Gründen.

Langsam trudelten ein paar Vertreter der Gemeinden Oberau und Farchant ein. Eine Handvoll Zuhörer mischten sich darunter. Mehr nicht. Die meisten Plätze im Gasthof Alter Wirt blieben leer. Die Bürgerwerkstatt im Rahmen des „Interkommunalen Entwicklungskonzeptes“ (IKEK) für beide Kommunen stieß auf geringes Interesse – und die Präsentation teilweise auf Kritik.

Dabei ist das Ziel ein einleuchtendes. Mit dem Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“, das sich vor allem an Kommunen in ländlichen, von Abwanderung bedrohten oder vom demographischen Wandel betroffenen Räumen richtet, sollen Möglichkeiten für eine Kooperation der Gemeinden ausgearbeitet werden. Das bietet sich zum Beispiel bei Bauvorhaben an, die aus Mitteln der Städtebauförderung bezuschusst werden. Packen die Gemeinden ein Projekt gemeinsam an, besteht die Chance, eine höhere als die reguläre Förderquote abzugreifen.

Im Fall der beiden Loisachtaler Orte sind die ersten Schritte bereits absolviert. Eine Bestandsanalyse existiert und wurde mit den Gemeinderäten besprochen. Jetzt „sollen die Bürger in die Konzeptarbeit eingebunden werden“, sagte Farchants Rathauschef Martin Wohlketzetter (SPD). Dafür brauchten die paar wenigen Anwesenden die Grundinformationen, die ihnen Susanne Dorner und Michael Heintz vom Planungsbüro Bäumler und Zagar lieferten.

In ihrer Präsentation behandelten sie große Themenkomplexe wie Infrastruktur, Wirtschaft, Bevölkerungsstruktur und Kultur und stellten Stärken und Schwächen der Gemeinden gegenüber. Viel Überraschendes kam dabei nicht zum Vorschein. Dass sich beispielsweise die Außenentwicklung wegen der topografischen Lage für beide Orte schwierig gestaltet, ist keine neue Erkenntnis. Vor dieser Herausforderung stehen sie schon immer. „Das Werk wird nicht alle Probleme gleich lösen, aber viele Themen anreißen“, sagte Dorner. Am Ende soll „für Sie was herauskommen“.

Dorner und Heintz sind zu einem Ergebnis gekommen. Die großen Punkte, für die sich eine interkommunale Zusammenarbeit herauskristallisiert, liegen ihnen zufolge allgemein in den Bereichen Tourismus, soziale Infrastruktur und Naherholung/Wege. „Uns haben sich noch nicht viele Themen aufgedrängt“, merkte Dorner an. Dementsprechend rar fielen die konkreten Vorschläge aus. Zwei davon traten die Rathauschefs gleich wieder in die Tonne: die Zusammenarbeit beim Bauhof und die beim Standesamt. „Das hört sich in der Theorie gut an“, sagte Oberaus Bürgermeister Peter Imminger (CSU). „Es ist aber in der Praxis nicht umsetzbar.“ Wie sich zeigte, waren es eher die kleinen Dinge, wie eine gemeinsame Rentenberatung, die sich als geeignet herausstellten. Ein solches Miteinander praktizieren die Gemeinden bereits – zum Beispiel beim Loipen-Spuren. Fördergelder allerdings, die gibt’s nur für wirklich investive Projekte.

Ein Zuschuss wäre eher in puncto Seniorentagesstätte in Farchant denkbar. Auf diesem Gebiet könnte eine Zusammenarbeit in größerem Stil funktionieren, weil sich die vorhandenen Strukturen der Gemeinden ergänzen und miteinander verknüpfen ließen.

Ideen von Seiten der Bürger kamen nicht. Nur Hubertus Ott vom Arbeitskreis Dorfentwicklung Farchant meldete sich zu Wort und übte Kritik an der Präsentation. „Mir fehlt die Vision“, betonte er. „Man müsste erstmal definieren, wo die Orte zusammen hinwollen und daraus Projekte entwickeln.“ Das Zauberwort: Leitbild. Doch das gibt Heintz zufolge das Programm nicht her.

Seine Skepsis konnte selbst Imminger in manchen Punkten nicht hinterm Berg halten. Zwar haben beide Gemeinden ähnliche Vorstellungen, wohin der Weg gehen soll, doch bestehen auch Unterschiede. „Das Grundbild stimmt“, sagte Imminger. „Aber die Einstiegsvoraussetzungen sind bei uns anders als in Farchant.“ Im Gegensatz zum Nachbarort, der eine „gewachsene bäuerliche Struktur“ habe, sei sein Hoheitsgebiet schnell gewachsen, inklusive Industrie. Trotzdem verwehrt sich der Rathauschef dem Programm nicht. „Wir sind gewillt, zusammenzuarbeiten.“ Nur wie, damit werden sich die Verantwortlichen noch länger beschäftigen.

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