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Zum Abtauchen: Ein Hallenbad zu finanzieren, ist eine Herausforderung. Weil es immer nur kostet und nie etwas bringt. Das stellt Bürgermeister nicht selten vor Probleme. 

Ein Schwimmbad kostet - aber braucht wirklich jede Kommune ein eigenes?

Interkommunales Hallenbad: Mehr Illusion als Vision

Ein Hallenbad muss man sich leisten können. Geld verdienen Kommunen damit nicht. Mittenwald hat daher sein Bad geschlossen. Am Sonntag zeigt ein Bürgerentscheid, ob es dabei bleibt. Doch gibt es einen anderen Weg? Die große, interkommunale Lösung? Andere Regionen machen es vor, der Kreis aber macht es wohl nicht nach. Auch wenn die Idee manchem gefällt.

Landkreis – Ein Hallenbad-Bürgermeister hat ein schweres Los. Ein teures vor allem. Weil so ein Bad nur kostet. Stephan Märkl aus Grainau ist einer von ihnen. Also, Hand aufs Herz, Herr Bürgermeister: Würden Sie Ihr Bad nicht am liebsten loswerden? Märkl zögert nicht: „Aus finanzieller Sicht – ja.“ Aber: „Für die Bürger bestimmt nicht.“ Für sie hält der CSU-Mann am Zugspitzbad fest, investiert ordentlich – seit 2014 etwa 1,8 Million Euro. Hinzu kommen jedes Jahr etwa 500 000 Euro, das die Gemeinde in Bad und Kurhaus pumpt, nur, um die Betriebskosten auszugleichen. „Das hemmt uns brutal in anderen Aufgaben.“ Sogar Pflichtaufgaben wie die Sanierung von Kanal und Wasserleitungen bleiben liegen.

Nunn und Märkl verstehen Mittenwalder Gemeinderäte

Arno Nunn (parteifrei) kennt Märkls Probleme. Mit 580 000 Euro bezuschusst Oberammergau jedes Jahr den laufenden Betrieb im Wellenberg. Die zwei Bad-Bürgermeister sind sich einig: Sie verstehen die Mittenwalder Gemeinderäte. Während man in Murnau einen Schwimmbad-Neubau diskutiert, haben sich die Isartaler entschieden, ihr Karwendelbad zum 6. November zu schließen. Ein „schmerzhafter, aber richtiger Weg“, sagt Nunn. Märkl könnte es nicht treffender sagen. In einem weiteren Punkt trifft Nunn die Meinung seines Kollegen: Ein interkommunales Hallenbad für den Landkreis wäre „natürlich sinnvoll“, sagt der Oberammergauer. Eine Kommune als Träger, die ganze Region profitiere. „Das würde ich aus finanzieller Sicht sofort machen“, sagt Märkl. Nur glaubt er nicht daran. „Das ist mehr Illusion als Vision.“

Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) hat es im Kleinen versucht, fragte die Nachbarn Krün und Wallgau, ob sie sich am Bad beteiligen. Dankend lehnten die Kollegen ab. Das Mini-Interkommunal-Projekt scheiterte, bevor es begonnen hat. Nunn sieht dafür nur eine Chance: „Wenn wir bei Null anfangen könnten.“ Wenn es also noch kein beziehungsweise nur ein Bad im Landkreis gäbe.

Im Schwarzwald läuft das interkommunale Projekt

Ein Beispiel aus dem Schwarzwald gibt ihm recht: Im Kinzigtal beteiligen sich neun Gemeinden an einem interkommunalen Bad. Für 11,1 Millionen Euro soll es ab Herbst 2017 in Hausach gebaut werden, wo bereits seit den 1970er Jahren ein Bad besteht. Sanierung und Betrieb konnte sich die Kommune alleine nicht leisten. Seit 2008 setzt sich Bürgermeister Manfred Wöhrle für die interkommunale Lösung ein. Eine Alternative gab es für ihn nie – bei einem Defizit von 250 000 Euro im Hallen- und 120 000 Euro im Freibad. Sie zu schließen, kam ebenso wenig in Frage. Den Aufschrei der Bürger würde man politisch womöglich nicht überleben.

Dessen sind sich die heimischen Bürgermeister bewusst. Sperrte Märkl sein Bad zu, „ginge das halbe Dorf auf die Barrikaden“. Nunn hat das erlebt. Im März 2010 sprachen sich in einem Bürgerentscheid 77,8 Prozent der Oberammergauer für den Wellenberg aus. Ein Ergebnis pro Bad prognostiziert er auch für den Entscheid in Mittenwald an diesem Sonntag. Generell vertritt Nunn die Meinung: Die Bürger wollen das Angebot, an das sie sich gewöhnt haben. Deshalb: „Solange Kommunen sich ein Bad leisten können, werden sie es tun.“

Meierhofer: „Davon halte ich gar nichts“

So wie Garmisch-Partenkirchen. Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) sitzt ebenfalls im Defizit-Boot der Bad-Bürgermeister. Doch sie würde in eine andere Richtung rudern: „Von einem interkommunalen Hallenbad halte ich gar nichts.“ Der Markt sei mit dem Alpspitzwellenbad gut aufgestellt, Werkeleiter Wotan Lichtmeß arbeite erfolgreich daran, das Defizit zu verkleinern. Sein Ziel: dauerhaft etwa 1,3 Millionen Euro minus.

Von einem möglichst geringen Minus träumen die Kommunen, von einem Plus fantasiert niemand. Interkommunal hin oder her.

Auch in Geretsried entsteht gemeinsames Bad

Für das Kinzigtalbad im Schwarzwald prognostizieren die Verantwortlichen ein Minus von bis zu 400 000 Euro, das die beteiligten Gemeinden anteilig schultern. Sogar mit einer Million Euro Defizit rechnet Bad Tölz-Wolfratshausen. Nach langem Hickhack bauen der Nachbarlandkreis und sechs Kommunen ein gemeinsames Bad für etwa 13 Millionen Euro – 5 Millionen fließen an Zuschuss – in Geretsried, wo bereits eine sanierungsbedürftige Anlage steht.

Kurz lässt sich Meierhofer doch auf das Gedankenspiel interkommunales Schwimmbad ein und stellt klar: Wenn, dann müsste es in Garmisch-Partenkirchen stehen. Für den Schulsport wäre dies in ihren Augen uninteressant – die Anfahrt etwa aus dem Ammertal würde zu lange dauern. Und, Hand aufs Herz, liebe Bad-Bürgermeister-Kollegen: Gefiele Ihnen dieser Standort? Märkl schon. Nunn lacht. Nein, sicher nicht. 

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