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Ausgeplanscht: Das Mittenwalder Bad ist inzwischen geschlossen, und ein Ersatzbau erscheint schwierig.

Krün gibt Mittenwald einen Korb

Schwimmbad? Nein danke!

Krün - Ein interkommunales Schwimmbad im Oberen Isartal wird es nicht geben – zumindest nicht mit Krün. Der Gemeinderat lehnte die Anfrage aus Mittenwald einstimmig ab.

Deutlicher geht’s nicht: Ohne Gegenstimmen (12:0) hat am Dienstagabend der Krüner Gemeinderat die Offerte aus Mittenwald freundlich, aber entschieden ausgeschlagen. Ein interkommunales Schwimmbad der drei Isartaler Kommunen wird es somit mit dem zweitgrößten Ort der Alpenwelt Karwendel nicht geben. Wie heißt es so schön im Beschlussvorschlag von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU): Ein solches Gemeinschaftsprojekt sei „zwar wünschenswert, aber nicht vordringlich“.

Eine klare Meinung zu einem Schwimmbad-Neubau hat auch der Geschäftsführer der Zugspitzregion, Sebastian Kramer. Der Wirtschaftsförderer des Landkreis, der zuvor einen Sachstandsbericht seiner Arbeit abgegeben hatte, antwortete auf die Frage von Gemeinderat Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün/AfK), ob er in solche Projekte eingebunden sei, offen und ehrlich: „Gott sei Dank habe ich damit nichts zu tun!“ In diesem Zusammenhang erwähnte Kramer „die hohe Dichte an Bädern“ in der Region. Braucht es da wirklich eine neue Anlage?, fragte der Krüner rhetorisch in die Runde. „Für Mittenwald wäre es wichtiger, eine Sporthalle zu haben“, ergänzte Kramer. Zum Schwimm-Unterricht könnte man die Isartaler Schulkinder „alle zwei Monate an einem Tag“ mit dem Bus nach Garmisch-Partenkirchen fahren.

Kein Widerspruch vom Gremium. Im Gegenteil: „Allein aus finanziellen Gründen sehe ich momentan überhaupt keinen Spielraum für uns“, bemerkte Rathauschef Schwarzenberger. In diesem Kontext erinnerte er alle daran, dass Krün noch einen Schuldenberg von drei Millionen Euro vor sich her schiebt. Da erscheint es dem Bürgermeister geradezu illusorisch, sich bei einem Projekt mit prognostizierten acht Millionen Euro Investionskosten zu beteiligen. Im Raum steht für Krün ein Anteil von 2,5 bis 4 Millionen Euro. „Das würde uns so sehr einschränken und andere Dinge unmöglich machen.“ Beispielsweise Vorhaben im Rahmen der Dorferneuerung.

Armin Zick (CSU) sieht bei einer Beteiligung ganz andere Probleme auf seinen Heimatort zukommen. „Ich möchte den Krüner Bürgern keine Grundsteuer-Erhöhung zumuten, um ein Schwimmbad zu finanzieren.“ Kooperation in der Isartaler Tourismus-GmbH sei gut und schön, „aber wir sind ein Werbe- und kein Infrastrukturverbund“.

Peter Schwarzenberger (CSU) brachte es auf die einfache Formel: „Da ist Krün zu klein.“ Georg Schober (AfK) ergänzte: „Finanziell kann das nicht hinhauen.“ Zumal man mit den wesentlich größeren und attraktiveren Anlagen in der Region (Leutasch, Seefeld, Kochel oder Garmisch-Partenkirchen) in keiner Weise konkurrieren könne. Überhaupt sieht sich der Hotelier angesichts eines drohenden jährlichen Betriebskosten-Zuschusses von rund 150 000 Euro für den künftigen Defizitbetrieb nicht in der Lage, eine solch folgenschwere Entscheidung alleine zu treffen. „Hierzu müssten wir eine Bürgerbefragung machen.“

Soweit wollte der Bürgermeister dann aber nicht gehen. „Darüber können wir schon noch selbst befinden“, betonte Thomas Schwarzenberger. Lothar Ragaller (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) ist schon aus beruflicher Erfahrung skeptisch. Der 52-Jährige, der als Bauleiter im Krankenhaus Schongau verantwortlich zeichnet, berichtete von zuletzt zwei Bäder-Schließungen. „Die waren einfach nicht wirtschaftlich.“

Anneliese Albrecht (CSU), die sich selbst als „Wasserratz“ titulierte, gab wiederum zu bedenken, dass sich im Wellness-Zeitalter das Badeverhalten vieler drastisch geändert habe. „Die wählen eine Therme und wollen nicht mehr ihre Bahnen ziehen.“

Christof Schnürer


Hier geht's zur Berichterstattung zum Karwendelbad:

Stammgäste nehmen Abschied vom Karwendelbad

Bürgerbegehren zum Karwendelbad: Unterschriftenlisten liegen aus

Interview mit Bürgermeister Adolf Hornsteiner: Schwimmbad momentan nicht möglich

Bürgerbegehren: Initiatoren gehen in die Offensive

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