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Eine Kapazität von 80 Plätzen hat das Ettaler Internat. Untergebracht sind die Schüler in maximal Drei-Bett-Zimmern.

Missbrauchsskandal spielt eine Rolle

Internat Ettal: Nach den fetten, nun dürre Jahre

Ettal - Eine über 300-jährige Tradition hat das Internat im Kloster Ettal. Heute steckt die Einrichtung in einer Krise: Die Zahl der Schüler schrumpft.

Dass der einstige Glanz (Elite-Schmiede, Promi-Schule) inzwischen verblasst ist, davor verschließt Internatschef Frater Gregor Beilhack, im vierten Jahr Leiter der Einrichtung, nicht die Augen: „Klar, es sind keine einfachen Zeiten. Aber das ist kein Ettaler Phänomen. Auch andere kirchliche Schulen haben ihre Probleme.“

Im Schuljahr 2014/15 gab es keinen einzigen Fünftklässler, der von einer Grundschule ans Internat übergewechselt wäre. Aktuell ist es – einer. Ginge dies so weiter, würde sich irgendwann dieser Schulzweig von selbst auflösen. Doch Frater Gregor weiß: „Die Meisten steigen erst in der Mittelstufe ein.“ Schulleiter Hubert Hering führt den Rückgang vorrangig auf drei Gründe zurück – auf den demographischen Wandel, die inzwischen flächendeckende Versorgung mit Ganztagesschulen und den Umstand, dass Frauen heute später ihre Kinder bekommen als früher, „und dann nicht mehr bereit sind, diese schon mit zehn Jahren an ein Internat abzugeben.“ Erschwerend kommt in der Causa Ettal das schwere Erbe durch jahrzehntelangen Missbrauch und Misshandlungen an Schutzbefohlenden hinzu. Hering bestreitet dies nicht: „Das spielte eine Rolle, auch wenn ich in jüngster Zeit keine Auswirkungen mehr spüre.“ Der Internatsleiter ergänzt: „Das liegt irgendwo auf der Hand, wenn man diese Thematik hinterfrägt.“

"England und Irland sind chic"

Vielmehr hat der Direktor des Gymnasiums zuletzt „einen komischen Trend“ ausgemacht: „Die ganz teuren kirchlichen Internate mit Pensionspreisen von 3000 Euro und mehr im Monat sind nach wie vor gefragt. Es ist in höheren gesellschaftlichen Schichten schick, sein Kind nach England oder Irland aufs Internat zu geben.“ Im mittleren und eher unteren Preissegment, das Ettal anbiete (1150 Euro), müssten die Schulen kämpfen.

Mit stark rückläufigen Schülerzahlen haben sich auch andere kirchliche Internate auseinander zu setzen. Nach den Worten von Frater Gregor Beilhack stünde jetzt wieder die jährliche Konferenz der kirchlichen Internatsleiter an: „Die Rückgänge werden auch diesmal wieder ein zentrales Thema des Treffens sein.“ An den schlimmsten Fall der Fälle, nämlich die Schließung, wird in Ettal kein Gedanke verschwendet: „Die Klosterleitung hat sich klar zum Fortbestand bekannt.“

Von ihrem Alleinstellungsmerkmal, eine Schule mit einem familiären Charakter zu sein, an der eine persönliche, individuelle Betreuung und Begleitung gewährleistet sei, will Ettal nach den Worten von Schulleiter Hubert Hering nicht abrücken: „Das ist unser größtes Plus, und das schätzen auch viele Eltern, die uns ihre Kinder anvertrauen. Lerninhalte werden heute nach modernen Konzepten vermittelt.“ In die Zukunft richtet Internatsleiter Frater Gregor trotz der Talsohle, die gerade durchschritten werden müsse, „einen leicht optimistischen Blick“. Die Phase der Anmeldung stünde zwar erst bevor, doch das Interesse von Eltern, ihr Kind im neuen Schuljahr nach Ettal zu geben, sei beachtlich: „Ich hatte im Januar schon fünf Aufnahmegespräche, zum gleichen Zeitpunkt letztes Jahr kein einziges.“

Schulleiter Hubert Hering versichert, dass das Ettaler Gymnasium mit dem Internat auch künftig alle Anstrengungen unternehmen werde, sich als gute Alternative als Schulstandort zu präsentieren. Dazu zählten Bemühungen, für neue Wege stets aufgeschlossen zu bleiben. So liefen gerade „gute Gespräche“ mit Sportverbänden, die auf der Suche nach Internatsplätzen seien, eventuell eine Kooperation einzugehen.


Ludwig Hutter

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