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Im Gespräch mit Tagblatt-Redaktionsleiter Peter Reinbold äußert sich die Bürgermeisterin auch darüber, wie viel Spaß ihr der Job im Rathaus macht.

"Ich mach meinen Job sehr gerne"

Interview: Bürgermeisterin Meierhofer über Pläne und Problemstellen

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Garmisch-Partenkirchen -  Sie lenkt noch bis 2020 die Geschicke im Rathaus: Jetzt spricht Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer über ihre weiteren Pläne und den Wohlfühlfaktor im Amt. Ein Interview. 

Wenig Geld in der Gemeindekasse, brach liegende Flächen im Ort und vor allem die Frage, in welche Richtung sich Garmisch-Partenkirchen entwickeln soll. Ist eine Bewerbung für neuerliche Ski-Weltmeisterschaften der Heilsbringer? Oder ist es die Kultur? Es gibt viele Baustellen, mit denen sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in dieser Amtszeit noch befassen muss. Bis 2020 lenkt die 60-Jährige noch die Geschicke im Rathaus – und hat in dieser Zeit viel vor. Darüber und über die neue Diskussionskultur im Gemeinderat spricht sie im Interview.

So eine Frage an den Beginn eines Interviews zu stellen ist nicht gerade üblich: Wie gerne machen Sie Ihren Job als Bürgermeisterin noch?

Ich mach ihn sehr gerne, weil ich dabei mit dem prallen Leben konfrontiert bin. Mit der ganzen Palette. Das Bürgermeisteramt erinnert mich ein bisschen an die Zeit, als ich Notarzt gefahren bin. Da kommt man auch mit Bevölkerungsgruppen zusammen, mit denen man sonst keinen Kontakt hat. Vor allem thematisch lerne ich tagtäglich dazu. Das ist das spannende an dem Beruf.

Auf einer Skala von 0 bis 10. Wie hoch ist der Wohlfühlfaktor in dem Amt?

Den würde ich ziemlich weit oben ansiedeln. Ich mach’s einfach so, dass ich mich dabei wohl fühle, das habe ich mir bei jeder Berufstätigkeit angewöhnt. Zehn natürlich nicht, dafür gibt es Situationen, in denen man mit sich selbst nicht zufrieden ist. Wenn Sie unbedingt eine Zahl wollen: acht oder neun bestimmt.

So eine hohe Zahl, obwohl Sie häufig attackiert werden?

Das gehört dazu. Es sind viele Attacken dabei, die in meinen Augen unqualifiziert sind. Die kann ich leicht abschütteln, weil sie inhaltslos sind, Ich bekomme Kritik aus der Bevölkerung. Das sind aber nur Einzelne. Ich erhalte aber auch Unterstützung – und das ist für mich das Wichtigste.

So beurteilt Dr. Sigrid Meierhofer die Finanzlage 

Sie sprachen gerade von Notarztfahren. Ist Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen ein Job, in dem man laufend mit Krisen konfrontiert wird, wo’s um Leben oder Tod geht?

Natürlich nicht. Aber ab und an muss man natürlich schnelle Entscheidungen treffen. Paradebeispiel war das Verwaltungsgerichtsurteil beim G7-Gipfel, als es um die Camp-Flächen für die Gegner ging.

Sie haben von Ihrem Vorgänger eine Finanzsituation geerbt, die man bescheiden nennen darf. Wie schätzen Sie Ihren Gestaltungsspielraum unter diesen Voraussetzungen ein?

Wir haben schon einen Gestaltungsspielraum, das wird der diesjährige Haushalt zeigen. Wir sind wieder kreditwürdig. Das heißt, dass wir die zwei größeren Vorhaben, die wir auf dem Plan haben – Kongresshaus und Skistadion – realisieren können. Wenn die Entscheidungen so ausfallen, dass wir das in der Form auch wollen.

Kreditaufnahme bedeutet, dass die Schulden wachsen werden.

Da haben Sie recht. Ich lege allerdings Wert darauf, dass wir lohnende Schulden machen, nachhaltige Schulden. Will heißen: Wichtige Investitionsmaßnahmen, die sich für den Ort rechnen. Ich bin der Meinung, dass das sowohl beim Kongresshaus als auch beim Skistadion der Fall sein wird – wenn wir diese Zuschüsse bekommen, die uns in Aussicht gestellt werden. Ohne die Zuschüsse würde ich diese Projekte nicht befürworten.

Was passiert mit dem Abrams-Komplex?

Sie haben viele Baustellen. Einige im wahrsten Sinne des Wortes, andere im übertragenen Sinn. In welchem Zeitraum sollen die realisiert werden? Zwei Jahre ihrer Amtszeit sind schon abgelaufen.

Skistadion und Kongresshaus sind sehr wohl auf diese Amtszeit ausgerichtet – noch haben wir ja vier Jahre Zeit. Über den Erwerb des Abrams muss bald eine Entscheidung fallen. Das sind Zwänge, die von außen an uns herangetragen werden. Wir haben von der BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, d. Red.) ein halbes Jahr Zeit bekommen, Konversionsgrundstücke zu vergünstigen Bedingungen zu bekommen. Bis Ende April müssen wir eine Absichtserklärung abgeben. Bis zur April-Sitzung des Gemeinderats haben wir zwei verschiedene Varianten ausgearbeitet, wie wir den Erwerb darstellen könnten. Ich hoffe, dass der Gemeinderat, die mitträgt. Das Abrams-Gelände ist für uns die einzige Chance, den Ort in den nächsten Jahren zu entwickeln.

Das Abrams ist derzeit durch Flüchtlinge belegt.

Das Abrams ist teilbelegt. Das ist ein riesengroßes Grundstück. 44 000 Quadratmeter. Diese 330 Flüchtlinge beanspruchen nur einen Teil der Gebäude, die jetzt dort stehen. Ich hatte ein langes Gespräch mit Regierungspräsident Hillenbrand, in dem er natürlich deutlich gemacht hat, dass er eine mittelfristige Lösung für die Flüchtlinge dort braucht. Ich gehe davon aus, dass wir das auch darstellen können auf einem Teil des Grundstücks.

Sie wollen das Gelände entwickeln, obwohl es noch mit Flüchtlingen belegt ist?

Richtig. Also beginnen zu entwickeln. Der Freistaat wird sicherlich mitreden, aber ich denke, dass ein Kompromiss zustande kommen kann.

Das zweite Gelände, das brach liegt, ist das ehemalige PX-Areal.

Auf dieses Grundstück haben wir keinen Zugriff.

Aber Sie befinden sich im Gespräch mit den Besitzern?

Im Moment nicht. Wir sind weiter entschlossen, das Gründstück zu überplanen, aber ohne einen Verbrauchermarkt.

Immer noch ein Thema ist der Bichlerhof.

Da sind wir soweit, dass wir den Bebauungsplan mit dem Bichlerhof in den nächsten Bauausschuss bringen. Wenn mit der Familie Erhardt bezüglich manchen Eckdaten Einigkeit erzielt wird, dann könnte sofort ein Bauantrag gestellt werden.

Und dann würde auch endlich das Geld fließen?

Die Erlöse aus Immobilienverkäufen, die in diesen sechs Jahren anfallen, sollen in andere Projekte investiert werden – sprich Kongresshaus oder Skistadion. Darüber besteht mit dem Gemeinderat Konsens. Das soll nicht einfach im Haushalt verwurstet werden.

Ski-Weltcup: "Es geht auch um künftige Vermarktungsstrategien"

Reden wir über die anderen Baustellen, wie Ski-Weltcup oder Richard-Strauss-Festival, die sie in diesem Jahr anpacken müssen.

Beim Ski-Weltcup hat’s schon Gespräche mit OK-Chef Peter Fischer und OK-Schatzmeister Florian Hilleprandt gegeben. Mit Michael Maurer, dem Chef des SC Partenkirchen, wird’s Gespräche geben. Wir sind noch nicht soweit, konkrete Angebote zu machen. Wenn wir vor der Sommerpause die Projekte in den Gemeinderat bringen, dann werden wir einen Vorschlag machen, der von allen gemeinsam getragen werden kann.

Bei diesen Gesprächen und Vorschlägen geht’s doch vor allem um Geld. Was wäre für Sie ein akzeptabler Betrag, den Sie in den alpinen Ski-Weltcup investieren könnten?

Das will ich im Moment gar nicht an Zahlen festmachen, sondern am Gesamtkonzept, wie wir solche Veranstaltungen in Zukunft vermarkten wollen. Das Entscheidende wird sein, ob beim Ort finanziell was hängen bleibt.

Sie haben gesagt, dass Sie auch mit Herrn Maurer sprechen wollen. Dabei geht’s wohl um die Vermarktung des Skistadions?

Richtig. Es geht bei beiden OKs nicht nur ums Geld. Es geht auch um künftige Vermarktungsstrategien.

Gemeinsame Vermarktung?

Alles offen.

Was würden Sie präferieren?

Um die Effizienz zu erhöhen, wäre es sinnvoll Allianzen einzugehen. Wie die ausschauen sollen, können wir jetzt noch nicht festlegen.

Muss man sich das so vorstellen, dass die beiden großen Sportveranstaltungen von einer „Übergesellschaft“ vermarktet werden?

Vielleicht ist es vorstellbar, dass nicht nur die großen Sportveranstaltungen sondern die großen Events – die BMW-Motorrad-Tage und das Alpen-Testival – gemeinsam vermarktet werden. Vor allem, dass man die Leistungsträger im Ort – Einzelhandel und Hotellerie – mit ins Boot holt. Alles ist denkbar.

In diesem Paket wäre das Richard-Strauss-Festival nicht beinhaltet?

Das nehme ich jetzt mal schwer an, weil wir bei Richard Strauss noch auf Signale vom Freistaat warten. Ich haben in vielen Gesprächen in Ministerien deutlich gemacht, dass der Markt – was ich so aus den Fraktionen wahrnehme – unter den jetzigen Bedingungen das Projekt wohl nicht weiterführen kann. Begründung: Es kann nicht sein, dass Bayern uns als kleine Gemeinde die Verwertung des Erbes von Richard Strauss auferlegt. Und da muss ich sagen: Ja, das sehe ich auch so. Ich erwarte mir ein größeres Engagement des Freistaats. Zur Erinnerung: Bayern zahlt 40 000 Euro, die Gemeinde 280 000 Euro bei einem Gesamtvolumen von 500 000 Euro. 40 000 Euro sind da in meinen Augen nicht wirklich zielführend.

40 000 Euro sind ja nicht einmal zehn Prozent der Gesamtsumme. Wie viel Prozent müsste der Freistaat leisten, damit Sie sagen: So funktioniert’s halbwegs.

Ich würde sagen: eine sechsstellige Summe.

-Das haben Sie auch so kommuniziert?

Das habe ich eindeutig kommuniziert.

Kongressgeschäft: Ausgaben und Einnahmen passen nicht zusammen

Welche Möglichkeiten hat der Markt, Druck zu entwickeln?

Druck ist vielleicht nicht das richtige Wort. Aber ich glaube kaum, dass der Gemeinderat einer Fortsetzung des Festivals unter den gegebenen Bedingungen zustimmt, auch wenn das für mich bekanntermaßen sehr traurig wäre. Das wurde mir wie gesagt aus verschiedenen Fraktionen so signalisiert, ohne dass eine Probeabstimmung oder ähnliches stattgefunden hätte.

Sie investieren viel Geld in Dinge, von den wenig Geld in den Markt zurückfließt. In der letzten Finanzausschuss-Sitzung hat Tourismus-Direktor Peter Nagel zugegeben, dass sich das Kongress-Geschäft – selbst nach einem Umbau – nicht kostendeckend betreiben lässt. Meine Frage: Wieso behält man das Kongressgeschäft bei, wenn’s ein Draufzahlgeschäft ist?

Da sind wir beim Zauberwort Wertschöpfung. Die Diskussion, ob das Kongresswesen weitergeführt werden soll, hat in der vergangenen Sitzungsperiode stattgefunden. Damals waren sich alle Mitglieder des Gemeinderats einig, dass man es beibehalten soll. Der Grund: Lücken im Tourismus im Frühjahr und Herbst ließen sich dadurch schließen. In Sachen Wertschöpfung haben Sie recht. Irgendwann muss einmal ein gewisser Betrag bei uns ankommen. Im Moment kommt der bei uns nicht an. Ausgaben und Einnahmen passen nicht so recht zusammen.

Sie geben viel aus, Sie nehmen wenig ein. Was ist die Lösung: Mehr sparen oder die Einnahmeseite stärken?

Ich denke beides. Wir müssen definieren, was uns wirklich wichtig ist.

Wir haben viel über Baumaßnahmen und Projekte gesprochen. Wechseln wir mal auf die politische Ebene. Sie sind angetreten für ein neues Miteinander, für mehr Transparenz. Ist es Ihnen gelungen, beides umzusetzen?

Was Sie in einem Ihrer Artikel als Zickenkrieg bezeichnet haben, sehe ich als Diskussion. Wenn das zwei Frauen machen, wird es gerne in den Bereich Zickenkrieg gerückt. Das ist ein Meinungsaustausch – und der muss auch möglich sein. Mir ist er wichtig. Deshalb habe ich Finanzausschuss-Sitzungen auch öffentlich gemacht.

Wird es eine erneute Kandidatur geben?

Es fällt auf, dass Sie häufig die Mehrheit bei der CSU suchen.

Es ist nicht so, dass SPD und CSU immer miteinander abstimmen. Es gibt Abstimmungen quer durch die Fraktionen. Das war früher undenkbar – außer bei der SPD, da gab’s das immer schon. Das ist Ausdruck dieses neuen Meinungsfindung- und Diskussionsprozesses. Blockbildung ist in einer Kommune immer ungut. Mir ist es wichtig, dass alle Gemeinderäte mitgenommen werden. Auch das CSB, das meiner Meinung nach seine Rolle noch nicht gefunden hat. Dort konnte mir niemand erklären, warum man den Haushalt 2016 ablehnen will.

Vielleicht kann man das Fundamentalopposition nennen.

Ich weiß nicht. Mir fehlt einfach die Begründung.

Eingangs haben sie gesagt, dass Sie gerne Bürgermeisterin sind. Kann man daraus schließen, dass Sie sagen, ich mache nach dieser Periode weitere sechs Jahre, damit ich all das umsetzen kann, was ich mir vorgenommen habe?

Ich plane erst einmal nur für diese Periode. Dafür habe ich mir einiges vorgenommen. Und genau das versuche ich umzusetzen. Was dann sein wird, darüber reden wir in drei Jahren noch einmal.

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