Ludwig Seitz im Gespräch mit Tagblatt-Redaktionsleiter Matthias Holzapfel (l.) und Redakteur Alexander Schwer (r.).
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Ludwig Seitz im Gespräch mit Tagblatt-Redaktionsleiter Matthias Holzapfel (l.) und Redakteur Alexander Schwer (r.).

"Es wäre besser, wenn Südkorea die Spiele bekäme"

Garmisch-Partenkirchen - Ludwig Seitz, Anwalt der 63 Eigentümer, die nicht bereit sind, ihre Grundstücke zur Verfügung zu stellen, spricht im Interview mit dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt über die vergangenen Monate.

Im südafrikanischen Durban fällt am Mittwoch beim Kongress des Internationalen Komitees (IOC) die Entscheidung, ob München zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee die Winterspiele 2018 ausrichten darf. Im Vorfeld spricht Ludwig Seitz:

Herr Seitz, wie stehen Sie eigentlich persönlich zur Olympiabewerbung?

Ich habe keine Probleme, mich mit meinen Mandanten zu identifizieren. Ich glaube, dass es besser wäre, wenn das IOC Südkorea mit den Spielen bedenken würde.

Warum?

Ich bin zwar selber sehr sportinteressiert, aber ich bin skeptisch, was die Entwicklung dieser weltweiten Sportereignisse betrifft. Ich glaube, dass zu viel Kommerz dabei ist. Ich bin generell gegen diese Gigantomanie – speziell, was eine Ausrichtung hier vor Ort betreffen würde.

Ihr Mandat hat also auch ein persönliches Interesse?

Ich hätte das Mandat nicht angenommen, wenn ich ein besinnungsloser Olympia-Befürworter wäre. Weil ich, wie es eigentlich jeder Anwalt tun sollte, nur Mandate führe, bei denen ich keinen inneren Konflikt bewältigen muss.

Wie ist es denn dazu gekommen?

Ich war schon seit Anfang der 1980er Jahre wiederholt in Garmisch-Partenkirchen tätig. Zum Beispiel bei der Verlegung der Erdgas-Leitung von Eschenlohe nach Mittenwald oder dem Bau des Radwegs von Garmisch-Partenkirchen nach Griesen. In dieser Zeit habe ich engeren Kontakt zu Ignaz Streitel (ehemaliger Vorsitzender der Weidegnossenschaft Garmisch, Anm. d. Red.) gehabt. Auch etliche andere Grundstückseigentümer waren mir aus dieser Zeit bekannt.

Wie kamen sie konkret zu Ihrem Mandat?
Ludwig Seitz ist Experte für Verwaltungsrecht. Seit 1984 ist er Sozius in der renommierten Münchner Anwaltskanzlei Labbé & Partner in München.

Ich bin auf Bitten von Herrn Streitl zu einer Versammlung ins Bräustüberl gekommen. Dort habe ich ein Referat über die Qualität dieser Vertragsentwürfe gehalten. Die waren, offen gesagt, miserabel. Es war nicht mein Ehrgeiz, die Leute aufzuwiegeln oder sie zu beeinflussen. Ich bin ja kein Missionar. Wenn sie gesagt hätten, die Spiele sind zwar problematisch, aber wir wollen sie nicht verhindern; helfen Sie uns, damit wir ordentlich entschädigt werden, dann hätte ich das selbstverständlich auch gemacht.

Die Eigentümer wollen aber etwas anderes . . .

Die wollen nichts vergoldet haben. Es war völlig eindeutig, dass die Eigentümer definitiv keine Verhandlungen möchten und es abgelehnt haben, sich an den Spielen zu beteiligen. Diese Front war von Anfang an so eindeutig, wie ich es selten in meiner beruflichen Karriere erlebt habe.

Wie haben Sie denn die Gespräche mit der Bewerberseite erlebt?

Was ein echtes Problem war, war die Haltung von Siegfried Schneider (ehemaliger Chef der Staatskanzlei) und seines Hauses sowie der Bewerbungsgesellschaft. Man hat die Grundeigentümer anfangs nicht ernst genommen. Wir haben am 27. August 2010 das Mandat angezeigt und monatelang nichts gehört. Ich habe die Bewerbungsseite als mehr oder weniger nicht existent erlebt. Im Gegenteil: Ich war immer überrascht, in der Zeitung zu lesen, dass Herr Schneider hier vor Ort verhandelt. Dabei wurden wir komplett ausgeklammert.

Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen den Aussagen?

Sie haben gesagt, es gibt keine Gespräche. Die Staatskanzlei hat gesagt, wir verhandeln. Es gab definitiv keine Verhandlungen. Die erste Reaktion auf unsere Mandatsanzeige war ein Schreiben von Bürgermeister Thomas Schmid am 11. November, also fast drei Monate später. Die Marktgemeinde hat uns Vertragsangebote für die berühmten 16 Grundstücke im Kernbereich der Sportstätten geschickt. Daraufhin habe ich mit der Staatskanzlei einen Termin vereinbart: am 27. November im Gasthof Lamm.

Der Termin, bei dem zum ersten Mal Klartext gesprochen wurde . . .

Meine Mandaten haben dem Minister klar gemacht, dass sie nicht einverstanden sind. Es war nicht so, dass ich als Vormund aufgetreten bin. Die Eigentümer sind aufgestanden und haben gesagt: Wir sind alle CSU, aber Ihr habt uns das Kraut ausgeschüttet. Das Vertrauen ist restlos zerstört. Wir reden nicht mehr, unsere Flächen stehen nicht zur Verfügung. Schneider war natürlich von den Socken, dass die Eigentümer so einhellig ablehnend sind.

Wie ging es weiter?

Darauf kam überhaupt keine Reaktion. Ich glaube, ich habe zu recht befürchtet, dass man mit „Augen zu und durch“ die Bewerbung durchbringen will. Das sollte ausgesessen werden. Es gab keinerlei Gespräche. Null. Diese ständigen, gebetsmühlenhaften Behauptungen, wir stehen in aussichtsreichen Verhandlungen, waren eine Finte. Man hat die Öffentlichkeit systematisch mit der Unwahrheit bedient. Das muss man so klar sagen.

Mit Ausnahme im Fall Max Buchwieser, dessen Grundstück im Zielbereich der Kandahar ja auch dringend für die Ski-WM benötigt wurde.

Das war ein Sonderfall, den man strikt trennen muss.

Haben die anderen Mandanten das auch so gesehen?

Ich habe immer großen Wert darauf gelegt, das so zu kommunizieren. Jeder wusste, Buchwieser ist eine Sondersituation. Das war allen völlig klar und wurde respektiert. Da hat es kein böses Blut gegeben. (...)

Das komplette Interview lesen Sie in der Wochenend-Ausgabe des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts.

(lxs, matt)

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