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Die Frage steht im Raum: Wie will Wallgau das Projekt Kirchenböbl finanziell schultern?

Kämmerer präsentiert ernüchternde Zahlen

Wallgau: Eine Kommune geht finanziell am Krückstock

Die Gemeinde Wallgau schlittert immer mehr in eine prekäre Fínanzlage. Die Zahlen, die am Donnerstagabend Kämmerer Hans Zahler präsentierte, geben Anlass zu großer Sorge. Ein ausgeglichener Etat 2017 scheint nur mit schmerzhaften Einschnitten realisierbar.

Wallgau – Die Gemeinde hat Großes vor: Sanierung des Kirchenböbl und Realisierung eines Wellnesszentrums am Haus des Gastes. Doch nach der denkwürdigen Gemeinderatssitzung am Donnerstag, bei der alarmierende Haushaltszahlen die Runde machten, fragt man sich: Wie will die klamme Kommune eigentlich diese Projekte trotz üppiger Staatszuschüsse schultern? Nach der Präsentation der Jahresrechnung 2016 muss jedenfalls konstatiert werden: Die Gemeinde geht finanzpolitisch vollends am Krückstock. Drastischer ausgedrückt: Wallgau ist so gut wie pleite.

Kein Wunder, dass Gemeinderat Hans Baur (Junge Mitarbeiter) von „erschütternden Zahlen“ sprach. Angesichts der prekären Situation forderte er seine Kollegen gar zur „Ausgaben-Disziplin“ auf. „Auch Steuer-Erhöhungen müssen angesprochen werden.“ Bezeichnend, dass das Gremium im Nachgang die Debatte über den Beitritt zum Isartalverein vertagte. Schließlich kostet diese Mitgliedschaft 100 Euro pro Jahr.

Die demnächst beginnende Beratung des Haushalts 2017 verspricht also Spannung, wenn im Vorfeld schon solche marginalen Beträge diskutabel erscheinen. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten angesichts einiger brenzliger Eckdaten. So beträgt aktuell die sogenannte freie Finanzspanne lediglich 30 000 Euro. Das ist die Summe, die Wallgau zur freien Verfügung hat oder wie Kämmerer Hans Zahler es ausdrückt: „Das ist das, was ich als Privatperson auf meinem Girokonto auf die Seite bring’.“ Gegenüber 2016 (78 000 Euro) sank dieser Wert nochmals deutlich. Werden diese 30 000 Euro im laufenden Etatjahr überschritten – und das kommt in der Regel nicht selten vor – muss über Kassenkredite mit einer Verzinsung von bis zu sechs Prozent zwischenfinanziert werden. Zum Vergleich: In der prosperierenden Nachbargemeinde Krün liegt die freie Finanzspanne bei rund 400 000 Euro. Betragen die Rücklagen (eiserne Reserve) dort 1,8 Millionen Euro, so sind’s in Wallgau um die 200 000 Euro – zwei Dörfer, zwei verschiedene Welten.

Besonders bitter: Um die wichtigsten Projekte 2016 in Höhe von rund 300 000 Euro stemmen zu können, musste ebenfalls ein Darlehen aufgenommen werden. „Weil wir diese Investitionen nicht erwirtschaftet haben“, verdeutlicht Schatzmeister Zahler. Mit anderen Worten: Wallgau lebt auf Pump. „Finanziell müssen wir in den nächsten Jahren auf der Hut sein, denn besonders liquide sind wir nicht.“ Wobei diese Formulierung des Kämmerers noch vorsichtig gewählt ist.

Trotz dieses engen Korsetts buttert die Kommune pro Jahr 250 000 Euro in den örtlichen Tourismus. „Und dieses Geld fehlt uns ja bei anderen Investitionen“, rechnete Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) vor. Umso erstaunlicher ist für ihn, dass sich nach wie vor einige Vermieter mit Händen und Füßen gegen Online-Meldungen wehren. Hier rief der Rathauschef zur „Solidarität“ gegenüber der Gemeinde auf, die zum Erhalt des wirtschaftlichen Standbeins Nummer eins per anno „eine Viertelmillion rumschaufelt“. Sein Appell, „der nicht als Affront, sondern als Herausforderung“ zu werten sei, lautet: „Wir brauchen aktive Marktteilnehmer. Andere Regionen machen es uns vor – es kann keine Einbahnstraße sein.“ Diese Worte mögen für Sabrina Blandau, die arg gescholtene Geschäftsführerin der Alpenwelt-Karwendel-GmbH, die im Publikum saß, wie Balsam für die Seele gewesen sein. Am Ende gab’s wenigstens einen kleinen Lichtblick: So sollen heuer die Zuschüsse vom Freistaat (Schlüsselzuweisungen) um etwa 80 000 Euro höher und die Abgabe an den Landkreis (Kreisumlage) um 100 000 niedriger ausfallen. Ein bisschen Luft zum Atmen.

Christof Schnürer

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