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Entwickelt das Projekt Innovationsquartier: Jan-Ulrich Bittlinger, Wirtschaftsförderer der Gemeinde Murnau, im James-Loeb-Haus.

Ortsentwicklung

Innovationsquartier läuft mindestens bis Ende 2021

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Murnau - Die Murnauer Politik setzt längerfristig auf das Projekt Innovationsquartier im James-Loeb-Haus: Eine große Mehrheit des Gemeinderats hat sich in nichtöffentlicher Sitzung dafür ausgesprochen, einen Teil des früheren Gemeindehospitals „unbefristet durch den Sektor der Kultur- und Kreativwirtschaft“ gewerblich zu nutzen.

Mietverträge werden ohne Ablaufdatum mit dreimonatiger Kündigungsspanne oder mit bis zu fünf Jahren Laufzeit ausgegeben. Damit ist klar, dass sich der Gemeinderat mindestens bis Ende 2021 an das Projekt bindet, bevor die Weichen neu gestellt werden können. 

Zuvor war ein Zwischennutzungskonzept über drei Jahre im Gespräch gewesen; die Ausweitung über 2018 hinaus sollen Teile der CSU-Fraktion im Gemeinderat skeptisch gesehen haben. Jan-Ulrich Bittlinger, der das Projekt als Wirtschaftsförderer der Kommune entwickelt und der sich für eine längere Laufzeit ausgesprochen hatte, verweist auf neue Entwicklungen, die diese rechtfertigten – darunter die Pläne für ein Gründerzentrum. In der Region zeigten viele Existenzgründer Interesse an Räumlichkeiten. Seine Vision ist klar: Er möchte, dass sich Kreative ansiedeln, Firmen niederlassen, Netzwerke gründen und Arbeitsplätze sowie Perspektiven entstehen.

Die Gemeinde, der das Objekt gehört, tritt mit unschlagbar günstigen Preisen für den kleinteilig strukturierten Bereich auf: An Kaltmiete werden zwischen 3 und 6,60 Euro pro Quadratmeter fällig, dazu kommt eine Nebenkostenpauschale von 4 Euro – gedacht auch als Motivation für Existenzgründer, die, so Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), durchs Innovationsquartier Unterstützung erfahren sollen: über günstige Räume und eine flexible Mietvertragsgestaltung. „Das Innovationsquartier ist das, was Murnau jetzt dringend braucht, um Arbeitsplätze für junge Menschen in neuen Branchen zu schaffen.“

14 Betriebe, davon sieben Existenzgründer, die einziehen wollen, haben nach Angaben Bittlingers zugesagt, ein Teil der Kontrakte sei unterschrieben zurück. „Das wird in den nächsten Wochen Fahrt aufnehmen.“ Ist der erste Schwung Interessenten abgearbeitet und klar, welche Räume noch frei sind, folgt die nächste Runde. Die Unternehmen kommen aus unterschiedlichsten Sparten. Darunter finden sich unter anderem eine junge Firma aus dem Hochtechnologiebereich, die eine Komponente baut, die in der Industrieproduktion Anwendung findet, eine High-Tech-Werkstatt („MakerLab“), eine Werbe- sowie eine Media-Agentur oder ein Kunst-Leasing-Startup. Hinzu kommen Organisationen wie die James-Loeb-Gesellschaft, die Vhs oder Murnau Miteinander sowie Büros der Praxis Dr. Toepfer.

Bittlinger verzichtet bewusst auf Prognosen, wann die Ersten einziehen werden – hier hängt die Kommune vom Landratsamt ab, das die Baugenehmigung erteilen muss. Es stehen umfangreiche Arbeiten für Brandschutz und Internet-Infrastruktur an, in die der Markt rund 500 000 Euro investiert. Bittlinger macht klar: „Wir erachten das als wichtiges Gebäude für den gesamten Wirtschaftsstandort im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.“ Der Gemeinderat habe das Potential erkannt und das Projekt in nur sechs Monaten auf den Weg gebracht.

Lob kam zuletzt auch von hoher politischer Stelle. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), der in Murnau weilte, sprach nach Angaben Bittlingers in einem Interview von einer „sehr guten Idee. Ich finde es deshalb auch spannend“, sagte Söder demnach, „weil wir viele gute, jüngere hochqualifizierte Arbeitskräfte haben, die nicht immer nur in München arbeiten wollen“.

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