Lieben das Süße: (v.l.) Christine Meier, Veronika Kollmer und Angelika Adam beim Probieren der Rezepte.
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Lieben das Süße: (v.l.) Christine Meier, Veronika Kollmer und Angelika Adam beim Probieren der Rezepte.

Traum von Christine Meier erfüllt sich

Neues Backbuch aus Hagen: Jede Seite ein Kunstwerk

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Die „Malweiber“ rund um Christine Meier aus Hagen haben endlich einen Verleger für ihr Backbuch gefunden. Es ist ein wahres Kunstwerk.

Hagen – Und ein weiteres Stück Torte schiebt sie sich ins Gesicht. Das dritte mittlerweile. Es verschwindet zügig hinter den dicken Backen. Als die zuckersüße Versuchung hinunter geschluckt ist, geht das Kichern weiter. Und das Lästern. Über jeden, der das Café betritt oder verlässt. Die drei älteren Damen mit Wiener Zungenschlag, sehr weiblichen Formen und extravaganter Garderobe, sind ein Bild für Götter, denkt sich Christine Meier.

Sie hat am Nebentisch Platz genommen und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Die Hagenerin sitzt mit ihrer Freundin Vroni im Café Sacher in der Innsbrucker Innenstadt. Beide machen Pause nach einer anstrengenden Bummeltour. Sie rührt mit einem silbernen Löffel Muster in den Schaum ihres Cappuccinos. Doch sie kann den Blick nicht mehr abwenden von dem Duo. Fotografieren lassen sich die zwei rüstigen Grandes Dames nicht. Meiers Bitte wird abgelehnt. Dafür aber nimmt die Künstlerin etwas anderes, letztlich viel wertvolleres mit als ein Foto: eine Idee.

Diese unverhoffte Zusammenkunft im Jahr 2019 hat Meier nie vergessen. Noch am selben Abend hat sie damals zu zeichnen begonnen. Ihr gefiel zu gut, wie die Freundinnen da saßen und ein Stück Kuchen nach dem anderen verschlangen. Sie wollte dieses „wunderbare Selbstverständnis und Glücklichsein, diesen großen Moment des Genusses“ festhalten – und aus diesem Lebensgefühl nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein ganzes Buch zaubern. Aus einem Aquarell sind mehrere geworden. Ein Backbuch sollte es werden. Aber keines, dass es schon tausendfach auf dem Markt gibt, sondern ein Unikat. Und das ist Meier gelungen.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen Veronika Kollmer und Angelika Adam gestaltet sie Seite um Seite. Die Rezepte sind von den drei Frauen zusammengetragen worden. Familie, Freunde und Bekannte steuerten welche bei. Manche sind uralt wie jenes Bienenstich-Rezept von Meiers Großmutter. „Mein Lieblingskuchen“, schwärmt sie. Alles, wirklich alles, ist handgeschrieben, gezeichnet und gemalt. Von Apfelkuchen über Krapfen bis zu Topfen-Striezel oder Biskuitrolle sind sämtliche süßen Verführungen aufgelistet, die dem Gaumen schmeicheln. Zu jedem gibt es ein passendes Motiv in Aquarell. Als roter Faden ziehen sich die drei Freundinnen selbst durch das Buch – gezeichnet als Hommage an die Grandes Dames im Innsbrucker Café. Das Trio fand Unterstützung von Freundin Elke Keller und bei der Gestaltung von der talentierten Kalligrafin Gisela zur Strassen. Letztere gestaltete auch den Schriftzug des Buches „Süsses – Kunst und die Malweiber“.

Bilder, Rezepte, alles war fertig. Doch fehlte noch eine ganz entscheidende Sache: Ein Verleger. Monatelang suchte sie, schrieb zahllose Verlage an. Immer wieder bekundeten diese Interesse. Doch kam nie ein Vertrag zustande, der den Qualitätsansprüchen Meiers gerecht wurde. Sie wollte schließlich ein Buch mit der Mindestgröße einer DIN-A4-Seite und eine gebundene Ausgabe.

Erst vor wenigen Wochen stieß Meier bei der Lektüre des Tagblatts auf einen Bericht über einen kleinen einheimischen Verlag. Meier meldete sich sofort bei ihnen und steckt momentan in den letzten Verhandlungen. Doch ist sie guter Dinge und freut sich über die Zusammenarbeit, die hoffentlich in den nächsten Wochen besiegelt sein wird.

Denn die Anfragen sind enorm. Über 500 Vorbestellungen sind bei Meier bereits für ihr 240 Seiten dickes Werk eingegangen. Doch möchte sie noch mehr tun. Weiter publizieren. Ihr nächstes Projekt steht bereits in den Startlöchern. Vor sechs Jahren hat die Hagenerin eine Kunstfigur erschaffen, den „Murdragi“. Der kleine grüne Drache, eine Hommage an den Murnauer Drachen im Ortswappen, betreibt mit Meiers „Mithilfe“ eine Facebook-Seite. Kinder können dort anonym über ihre Gedanken und Probleme schreiben, offen und ehrlich. Über 800 Nachrichten sind bislang eingegangen. „Lustige, als auch traurige“, sagt Meier. Gemeinsam mit einer Psychologin geht sie die Schreiben durch, antwortet, besucht teilweise sogar mit dem kleinen Drachen die Kinder, die etwa krankheitsbedingt ans Bett gefesselt sind. „Der Murdragi gibt mir so viel“, sagt sie. Deshalb möchte sie über ihn ihr nächstes Buch schreiben und malen. Und all jenen Kindern schenken, die ihnen, also dem Drachen und ihr, „so fleißig geschrieben haben“.

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