Garten und Blumen sind eines der Hobbies von Pfarrer Rudolf Scherer. Kein Wunder, dass es im Garten des Pfarrhauses überall grünt und blüht. Foto: Feldmann

„Jetzt bin i da dahoam“

Bad Kohlgrub - Rudolf Scherer ist seit einem Jahr Pfarrer in Bad Kohlgrub - seine Ängste, die er zu Beginn hatte, sind verschwunden. Er ist im Ort voll integriert.

„Ich mag meine Leute und bin gerne da“, das sagt Pfarrer Rudolf Scherer ein Jahr, nachdem er die Pfarrstelle in Bad Kohlgrub angetreten und damit auch die Leitung des Pfarrverbandes übernommen hat. Dabei hatte er bei seinem Amtsantritt auch ein wenig Angst, „weil der Pfarrverband sowohl in der Diözese als auch im Umfeld in keinem guten Ruf stand“, gibt der Geistliche zu. Am Anfang habe er sich unsicher gefühlt - und auch die Leute verhielten sich eher zurückhaltend. „Wahrscheinlich wollten sie nichts falsch machen, damit der neue Pfarrer ja lange bleibt“, vermutet Rudolf Scherer. Bald merkte er: „Ich muss auf die Leute zugehen, wenn ich sie kennen lernen will. Mittlerweile grüßt man mich schon vom Bulldog runter. Die Leute haben gemerkt, dass ich ein Pfarrer zum Anfassen bin“, erzählt der 38jährige.

Er investiert ja auch reichlich Zeit für „einen Ratsch“ außerhalb der Kirche. So wie neulich beim Parkfest im Dorf. Da er als Jugendlicher selbst Trachtler war und ihm diese Art der Traditionspflege noch immer am Herzen liegt, ist er hingegangen. Dass sich dann viele junge Leute zu ihm an den Tisch setzten und das Gespräch suchten, freut ihn sehr. Auch seine Antritts-Ängste, ob es ihm gelingt, „richtige Signale“ zu setzen, scheinen im Rückblick unbegründet: Mit der Überarbeitung der Gottesdienstordnung erreichte er „große Zufriedenheit unter den Gläubigen“. Auch seine Zusammenarbeit mit den Vereinen habe Offenheit und Dankbarkeit von deren Seite nach sich gezogen. „Das alles sind kleine Mosaiksteine, die mir zeigen, ich bin auf dem richtigen Weg. Vielleicht wird mal ein schönes Bild daraus“, formuliert Pfarrer Scherer seine Vision für die Zukunft.

Weil er spürt, dass die Leute ihn annehmen, er das Pfarrhaus mag, Freude an seinem Garten hat und zudem „Glück hatte, schnell eine gute Pfarrhaushälterin zu finden, die mich auch im Privaten unterstützt“, hofft er, möglichst lange hier bleiben zu können, denn: „Ich bin jetzt da dahoam“. Freilich gibt es neben den Zeichen für die Aufbruchstimmung, die sich auch in der guten Zusammenarbeit aller Ehrenamtlichen widerspiegelt, auch immer noch „einige wenige, die Angst haben, zu kurz zu kommen“. Pfarrer Scherer bedauert, „dass diese Leute nur an ihre eigene Kirche denken statt den gesamten Pfarrverband im Auge zu haben“. Nach dem „ersten Jahr der Wahrnehmung“, möchte er nun „in die Tiefe gehen und mit dem Aufbau beginnen.“

Der gelernte Gärtner hat es sich angewöhnt, den Blumenschmuck für die Pfarrkirche St. Martin an Festtagen selbst zu übernehmen. Weil er gerne Eisenbahn-Sachen mag, beschäftigt er sich zudem seit einiger Zeit intensiv mit der Geschichte der Lokalbahnstrecke Murnau-Oberammergau. Außerdem versucht er in seiner Freizeit, das Allgäu um Kaufbeuren und Kempten näher kennen zu lernen: „Wir leben hier so nah am Rand einer anderen Diözese, dass man auch mal darüber hinaus schauen sollte“, begründet Rudolf Scherer dieses Bestreben. (fem)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drama an der Kreuzspitze: Biker kehrt nach Tour nicht zurück - jetzt herrscht traurige Gewissheit
Drama an der Kreuzspitze: Biker kehrt nach Tour nicht zurück - jetzt herrscht traurige Gewissheit
In Bergnot, aber unverletzt: Fast ein Drittel der Geretteten im Sommer kommt ohne Bergwacht einfach nicht weiter
In Bergnot, aber unverletzt: Fast ein Drittel der Geretteten im Sommer kommt ohne Bergwacht einfach nicht weiter
Corona-Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen? Neue Details werfen anderes Licht auf den Fall
Corona-Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen? Neue Details werfen anderes Licht auf den Fall

Kommentare