Servus, Garmisch-Partenkirchen: Die BMW Days finden 2021 in Berlin statt.  Foto: Kor
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Servus, Garmisch-Partenkirchen: Die BMW Days finden 2021 in Berlin statt.

Wechsel nach Berlin bewegt

BMW Motorrad Days gehen nach Berlin: Jetzt einen Gang höher schalten

Der Wechsel der BMW Motorrad Days nach Berlin bewegt und erhitzt die Gemüter. Club-Chef Pomplum sieht jedoch auch eine Chance.

Garmisch-Partenkirchen – Aus und vorbei. Die BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen sind gestorben. Für viele so überraschend wie ein plötzlicher Motorschaden. Die Kultveranstaltung wandert nach 18 Jahren ab – in die Bundeshauptstadt Berlin. Die Nachricht löst gemischte Gefühle aus.

Die Marktgemeinde bedauert den Schritt von BMW Motorrad, eine Sparte des Münchner Autobauers. Schließlich erwies sich das Spektakel mit durchschnittlich 30 000 Besuchern als lukrativ wertvoll. Das sieht Christian Pomplum, Vorsitzender des BMW-Clubs Garmisch-Partenkirchen & Oberland, ähnlich. Er spricht von einem „großen Verlust“ für den Ort. Zumindest auf den ersten Blick. Pomplum erkennt auch eine Chance, vorausgesetzt, man würde das Ganze jetzt richtig angehen. „Aber in Eigenregie und ohne teure Gutachten“, sagt er und zielt damit auf GaPa-Tourismus. Der Vorsitzende ist überzeugt, dass Garmisch-Partenkirchen – auch mit Einbindung von BMW – etwas Größeres schaffen und das Bikertreffen auf die nächste Ebene heben könnte.

Konkrete Vorschläge nennt Pomplum nicht, verweist aber auf diverse Konzepte, die es seit ein paar Jahren gibt. Auch der Club habe die positiven und negativen Veränderungen bei der Veranstaltung bemerkt und deshalb anwesende Biker und Aussteller befragt. Zudem sei bekannt, was den Besuchern gefällt und auf was sie Wert legen. „Darauf kann man aufbauen“, meint Pomplum. „Ich denke und hoffe, ähnliche Recherchen hat auch die Marktgemeinde unternommen und kann jetzt entsprechend reagieren.“

Warum BMW Motorrad dem Werdenfelser Land den Rücken kehrt, vermag er nicht zu beurteilen. „Am Ende des Tages geht es um den Absatz von Fahrzeugen“, sagt Pomplum. „Man versucht hier eine alternative Strategie.“ Und geht der Test 2021 in die Hose, sei der Ausrichter schlau genug, um die Strategie noch einmal zu ändern. Der Club-Chef will deshalb nicht ausschließen, dass die Biker in den kommenden Jahren doch wieder seine Zelte in Garmisch-Partenkirchen aufschlagen. „Genau deswegen sollten wir uns jetzt klar positionieren und die Türen offen lassen.“

Der Weggang bewegt. Pomplum verfolgt die Reaktionen auf der Club-Webseite. Die erste Welle: fast ausschließlich negativ. Er rät aber dazu, abzuwarten: „Ich denke, die Wogen werden sich glätten .“ In den sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. Viele Motorradfahrer, die jedes Jahr zu dem Event nach Garmisch-Partenkirchen gekommen sind, haben bereits eine Unterkunft für 2021 gebucht und machen ihrem Ärger auf Facebook Luft. Sie wollen aber trotzdem in den Ort kommen, Berlin dafür boykottieren. Viele finden, Berlin wäre nicht die richtige Umgebung für ausgedehnte Motorrad-Touren, wie sie in Garmisch-Partenkirchen traditionell zum Programm gehörten. Einer schreibt, die BMW-Motorrad-Gruppe habe sich mit dieser Aktion „ins eigene Fleisch geschnitten“.

Doch die Resonanz fällt nicht ausschließlich negativ aus. Der Wechsel bietet Raum für Neues, heißt es zum Beispiel. Andere verweisen darauf, dass die unzähligen Maschinen nicht bei jedem Einheimischen gerne gesehen waren. Weil Lärm und Abgase zu einem Erholungsort in den Bergen eher weniger passen.

VON JOHANNA RASSBICHLER UND DAVID KORBER

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