Ein Jodler für die IOC-Prüfer

Garmisch-Partenkirchen - Gunilla Lindberg will alles wissen. Zum Beispiel, ob es in Garmisch-Partenkirchen auch diese weltberühmten „weißen Würste" gibt. Also wird für die Vorsitzende der IOC-Prüfer rasch der Menüplan geändert.

Biwi Rehm war kaum mehr zu bremsen. Am Gut Schwaiganger, dem Austragungsort der Biathlon- und Langlaufwettbewerbe bei möglichen Olympischen Winterspielen 2018, hatte der Garmisch-Partenkirchner Sänger und Musiker schon mehrmals vor Fernsehkameras einen Jodeler angestimmt. In seinem Heimatort, am Hausberg, stürmte er sogar den Informationspavillon für die IOC-Prüfer, baute sich vor ihnen auf und gab ein Ständchen zum Besten. Die Münchner Bewerber wollen mit Authenzität punkten. Später, vor dem Mittagessen im Gasthof Mohrenplatz, spielte deswegen auch die Koitabach Musi zünftig zum Empfang auf, und die Goaßlschnalzer ließen es krachen.

Drinnen warteten auf Gunilla Lindberg bereits frische Weißwürste. Die hatte sich die Vorsitzende der IOC-Evaluierungskommission spontan bei Bürgermeister Thomas Schmid gewünscht. Mit einer Erklärung, wie sie denn zu essen seien. „Nicht mit Messer und Gabel“, dozierte er in Oxford-Englisch - das beim Begriff „zuzeln“ aber endete.

Gut gelaunt: Gunilla Lindberg (li.) vom IOC und Kati Witt

Es soll das einzige Mal am zweiten Besuchstag der internationalen Delegation gewesen sein, dass den deutschen Bewerbern die Worte fehlten. Sie priesen wieder einmal die Vorzüge der Bewerbung - und hatten dabei gewichtige Fürsprecher. Die zwei Ski-Legenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther etwa, die strahlend in englischer Sprache parlierten. „Olympia ist unvergleichlich, und wir brauchen es für unsere Gesellschaft“, wiederholte Neureuther auch vor den Medienvertretern - da auf Deutsch, weil es ihm eine so große Herzensangelegenheit ist.

Das Wetter tat für die Bewerber das Seine: Als die elf Prüfer mit der Kreuzeckbahn über die Kandahar-Abfahrt schwebten, wich der Nebel, und die Sonne strahlte von da an vom blauen Himmel. Das sind Bilder, die sich die Bewerber gewünscht haben. „Es ist ein guter Tag“, sagte Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft, Jürgen Bühl. Für die Gegner dürfte das indes kaum gelten: Etwa 30 hatten sich morgens auf dem Gestüt Schwaiganger mit Plakaten versammelt. Doch die Delegation rollte im Bus vorbei. Und offenbar hatten die Gegner auch nicht erfahren, dass die Journalisten erst eine Stunde danach kommen. Also waren die meisten von ihnen schon heimgegangen - im Gegensatz zu den Befürwortern, die freudig in die Kameras jubelten.

Heute steht für die IOC-Prüfer ein Besuch des Olympiaparks in München auf dem Programm. Am Abend erwartet sie ein Staatsempfang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Für Freitag hat sich der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich angekündigt.

Matthias Holzapfel

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