+
In Siegerpose präsentieren sich die Gewinner des Regionalentscheids von „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ aus Garmisch-Partenkirchen, Franca Wohlrab (hinten, ab 2. v. r.), Paul Thiel und Daniel Gilg in Schongau.

Helle Hennen, schnelle Wahlen

„Jugend forscht“: Garmisch-Partenkirchner Gymnasiasten bei Regionalentscheid erfolgreich

Als überaus kreativ haben sich Garmisch-Partenkirchner Gymnasiasten gezeigt. Sie überzeugten beim Schülerwettbewerb von „Jugend forscht“ in Schongau auf unterschiedlichen Gebieten. Zum Beispiel mit klugen Hühnern und einem effizienten Wahlsystem. 

Garmisch-Partenkirchen– Mit ihren kreativen Projekten über intelligente Hühner und automatisierte Wahlen haben gleich zwei Schülerteams aus Garmisch-Partenkirchen einen ersten Platz beim Regionalentscheid von „Jugend forscht“ bei der Firma Hoerbiger in Schongau errungen.

Franca Wohlrab aus der 12. Klasse des St.-Irmengard-Gymnasiums überzeugte bei der ersten Etappe des Wettbewerbs die Jury mit einem Versuch zum Lernverhalten von Hühnern. Dabei räumte sie gleich mit einem gängigen Vorurteil auf: „Das Huhn gilt allgemein als dumm und lediglich als Nahrungsquelle für den Menschen“, sagt die 17-Jährige. Darum kam ihr der Gedanke, die Empfindungen und die Wahrnehmungsfähigkeit von Hennen zu erforschen, quasi ihre Intelligenz. Die Versuchstiere musste sie nicht erst lange suchen, denn Francas Familie hält selbst sechs Exemplare, drei braune und drei weiße. „Ich wollte herausfinden, ob weiße und braune Hennen gleich schnell begreifen, oder ob es hier Unterschiede gibt“, erklärt die Schülerin ihre Motivation.

Erfolg der Hühner wird mit Futter belohnt

Zu diesem Zweck hat sie sich eine Versuchsanordnung ausgedacht, die auf der „operanten Konditionierung“, einer psychologischen Lernmethode, basiert. Die Hühner lernten dabei, die vier Farben Rot, Gelb, Blau und Grün zu unterscheiden und jeweils das rote Farbfeld auszuwählen. Der Test ist in vier Lernphasen unterteilt. „Das habe ich mit dem sogenannten ,Clickertraining‘ erreicht“, erklärt die Gewinnerin. Immer, wenn die Hühner gefüttert werden, wird mit einem Clicker ein Geräusch erzeugt. Die Hühner lernen damit, dass sie zu fressen bekommen, wenn das Klicken ertönt. In der nächsten Phase wird das Futterkorn auf einem roten Feld platziert, die Henne wird auf „Rot“ konditioniert. „Das bedeutet, das Huhn lernt, auf das Geräusch hin automatisch die Farbe Rot zu suchen“, sagt Franca Wohlrab. „Auch dieser Erfolg wird mit Futter belohnt.“ Schließlich lernen die geflügelten Probanden auf demselben Weg, unter anderen Farben jeweils das rote Feld zu erkennen, das in der vorletzten Testphase noch mit Körnern lockt. Der letzte Schritt ist dann entscheidend: Auf das Klicksignal hin müssen die Hennen unter den vier Farben das rote Testfeld erkennen, diesmal aber ohne Belohnung. Wenn sie das begriffen haben, ist der gesamte Versuch geglückt.

Das Ergebnis ist eindeutig: „Die braunen Hennen haben deutlich schneller gelernt als die weißen“, fasst die Siegerin im Bereich Biologie ihre Erkenntnisse zusammen. Ihren Versuch hat Franca auch in einem Video dokumentiert – mit einem braunen Huhn. Dass ihr Projekt den ersten Platz erreichen würde, hat Wohlrab nicht erwartet: „Es gab so viele tolle Projekte von anderen Teilnehmern. Aber ich freue mich sehr.“

Wahlsystem digitalisiert und automatisiert

Den Sieg im Fachgebiet Mathematik/Informatik konnten zwei Schüler des Werdenfels-Gymnasiums einheimsen. Paul Thiel und Daniel Gilg haben ein digitales System zur automatisierten Wahlabgabe und Auswertung der Seminarwahl für die Oberstufe entwickelt. In der zehnten Klasse wählen Gymnasiasten ihre Seminare aus denjenigen Fächern aus, die sie in der Oberstufe dann belegen wollen. Diese Wahl soll durch das entwickelte Computerprogramm erleichtert werden. Dabei bedienen sich die Zwölftklässler eines Algorithmus, also eines Computerprogramms zur Problemlösung mit mehreren Stufen. „Mit ihr wird die Seminarwahl für die Oberstufe viel effizienter“, meint Gilg. Die Schüler haben das Wahlsystem digitalisiert und automatisiert. „Wir haben eine Benutzeroberfläche entwickelt, die eine Maske mit den Seminarnamen enthält“, erläutert Thiel. Jeder Zehntklässler melde sich an und könne dann priorisiert seine Seminare wählen.

„Hier ergibt sich das Algorithmusproblem“, sagt Thiel, „denn jeder möchte eigentlich das erstgewählte Seminar belegen.“ Dies ist aber wegen der großen Schülerzahl nicht möglich. Daher müssten sich einige mit den Themen zweiter Wahl begnügen. „Auf den nächsten Ebenen findet dann ein Nachrückverfahren statt“, führt Gilg weiter aus. Das soll im zweiten und dritten Durchgang möglichst vielen Schülern freigewordene Plätze in den ursprünglich von ihnen gewählten Bereichen verschaffen. Um ihren Versuch etwas zu vereinfachen, haben die beiden Gymnasiasten nur einen Teilbereich berechnet. „Wir haben einen Pool ausgewählt, in dem schon einige von den wahrscheinlicheren Möglichkeiten enthalten waren“, sagt Thiel. „Den ganzen Algorithmus durchzurechnen, hätte Stunden gedauert.“

Überrascht über Sieg in Schongau

Nicht nur Flexibilität und Zeitersparnis sind die Stärken dieser Methode: Sie ist auch auf andere Bereiche fast beliebig übertragbar. So kann sie zum Beispiel bei Projekttagen mit begrenzten Schülerzahlen pro Gruppe angewandt werden.

Natürlich seien sie überrascht gewesen über ihren Sieg in Schongau, sagten die 17-jährigen, die im März an den Landeswettbewerben teilnehmen werden. Projektbetreuer Markus Baur, Lehrer für Mathematik und Physik, zum Einsatz der Schüler: „Zusätzlich zum Nachmittagsunterricht und den Abiturvorbereitungen investierten sie viel Zeit und Arbeit in ihre kreativen Projekte.“ Dieses Lob wurde von beiden Schülern umgehend erwidert: „Auch die Betreuer wendeten zusätzlich zu ihrer schulischen Arbeit eine Menge Zeit auf, die sie sonst selbst zur Verfügung gehabt hätten.“

Stephan Gernböck

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geigenbau-Wettbewerb: Jetzt ermittelt die Jury den Sieger
Die Teilnehmer kommen aus Europa, China, den USA und Neuseeland: Mehr als 110 Geigen, Bratschen und Celli wurden eingereicht. Die Bewertungsphase ist auf der Zielgeraden.
Geigenbau-Wettbewerb: Jetzt ermittelt die Jury den Sieger
Wildschweine vermehren sich explosionsartig: Aber wie ist dem beizukommen?
Wie ist der explosionsartigen Vermehrung der Wildsauen beizukommen? Mit diesem Thema beschäftigten sich Experten bei einem Vortragsabend in Eschenlohe.
Wildschweine vermehren sich explosionsartig: Aber wie ist dem beizukommen?
Gastro-Angebot in Murnauer Bucht: JU präsentiert Idee
Das Kapitel „Gastronomie in der Murnauer Bucht“ ist für 2018 noch nicht abgeschlossen. Denn der Ortsverband der Jungen Union legt ein Konzept vor, mit dem das fehlende …
Gastro-Angebot in Murnauer Bucht: JU präsentiert Idee
Verkehr, Zeitplan, Wetter: So fällt die Bilanz des historischen Festzugs aus
Klagen und Beschwerden? Gab es bisher nicht. Die Organisatoren und Einsatzkräfte sind zufrieden mit dem Ablauf des großen Festzugs am Pfingstsonntag. 
Verkehr, Zeitplan, Wetter: So fällt die Bilanz des historischen Festzugs aus

Kommentare