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Begehrt: Wohnungen sind im Landkreis, hier ein Neubauprojekt an der Hörmannstraße in Garmisch-Partenkirchen, meist sehr teuer.

Das Ziel: Bezahlbare Immobilien 

Junge Union drängt auf Wohnraum-Offensive im Landkreis

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Landkreis - Das Problem ist bekannt: Bezahlbarer Wohnraum ist im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Mangelware. Die Junge Union (JU) warnt nun vor Abwanderungen – und macht sich für eine Wohnungsbau-Initiative für Einheimische stark.

Der JU-Kreisvorsitzende Florian Lempert aus Seehausen findet deutliche Worte: „Wir brauchen Wohnungen für den kleinen Geldbeutel – keine Luxuseigentümer für Münchner Zweitwohnungsinhaber“, erklärt er in einer Pressemitteilung. Diese hat einen dramatischen Titel: „Die Zukunft läuft Garmisch-Partenkirchen davon.“ Die Situation ist nach Ansicht Lemperts – der 27-jährige Immobilienfachwirt kennt die Branche – besorgniserregend: Immer mehr Jugendliche würden regelrecht aus der Region gedrängt, weil sei sich die hohen Immobilienpreise nicht mehr leisten könnten.

Besonders schlimm sei es im Kreisort und in Murnau. Der Seehauser nennt ein Beispiel: Für ein Ein-Zimmer-Appartement in der Staffelsee-Marktgemeinde seien 500 bis 550 Euro Kaltmiete pro Monat fällig – zu teuer für Azubis, deren Startgehälter oftmals sehr bescheiden ausfallen. Für den JU-Kreisverband steht daher fest: „Wir müssen die junge Generation unterstützen. Es muss ermöglicht werden, dass diese ihre Wurzeln in unserer Heimat schlagen.“

Die Nachwuchspolitiker haben daher ein umfangreiches Papier erarbeitet – mit einer Reihe an Vorschlägen, mit denen sich aus ihrer Sicht die Lage verbessern lässt. Im Mittelpunkt steht – neben der Erhöhung der Zweitwohnungssteuer, der Einführung eines Mietspiegels und der Förderung von Genossenschaften – ein Konzept für den „Einheimischen Wohnungsbau“.

Die spannende Frage: Funktioniert's in der Praxis?

Die JU stellt sich diesen wie folgt vor: Eine Kommune oder ein privater Grundeigentümer stellen einem Bauträger eine Fläche zur Verfügung – auf der Basis einer Erbpacht-Regelung. Dieser schafft dann darauf Wohnungen und verkauft diese zu vergünstigten Preisen an Einheimische, die nach sozialen Kriterien ausgewählt werden. Geregelt wird das Ganze durch einen städtebaulichen Vertrag.

Klingt ganz gut. Die spannende Frage lautet nur: Funktioniert das auch in der Praxis? Lempert ist davon überzeugt. Denn: Alle Beteiligten hätten seiner Meinung nach einen Vorteil. Der Grundeigentümer erhalte wertvolles Bauland und als Rendite eine regelmäßige Erbpachtzahlung. Und der Bauträger spare sich die Kosten für den teuren Grundstückskauf. Der JU-Chef schätzt, dass auf diese Weise der Quadratmeterpreis für Wohnraum um mindestens 1000 Euro nach unten gedrückt werden könne. Und er geht davon aus, dass sich dadurch der ganze Immobilienmarkt entspannt.

Die JU will in der Sache Gas geben, für ihr Anliegen kräftig die Werbetrommel rühren. Das große Ziel: Ein Modellprojekt in einer Landkreis-Kommune.

Murnauer Bürgermeister Beuting reagiert aufgeschlossen

In Murnau ist das Thema nicht neu. Die Ortspolitik beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der drängenden Frage, wie und wo bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Es gibt beispielsweise Überlegungen, Richtlinien zur sozialen Bodennutzung einzuführen. Entsprechend aufgeschlossen reagiert Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) auf den JU-Vorstoß: „Da sind viele bemerkenswerte Ansätze drin“, sagt er. Er hoffe auf eine parteiübergreifende Zusammenarbeit.

In Garmisch-Partenkirchen ist die Situation ähnlich. Vor allem Geringverdiener der beiden Hauptbranchen Tourismus und Gesundheit leiden unter der Wohnungsnot. Das Problem: Der Markt hat kaum Flächen, um gegenzusteuern; in der Vergangenheit wurde viel Tafelsilber zu Geld gemacht. „Ich fange bei Null an“, klagt Rathaus-Chefin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Sie setzt daher große Hoffnung in zwei städtebaulich bedeutende Vorhaben. Zum einen will die Gemeinde das Abrams-Gelände kaufen und neu entwickeln. Zudem plant Investor Franz Hummel verschiedene Projekte im Bahnhofsareal, darunter ein „Team-Ressort“, das Alleinstehenden und Familien mit niedrigem Einkommen Wohnraum zu fairen Mietpreisen bieten soll. Die Bürgermeisterin kann sich auch vorstellen, dass Garmisch-Partenkirchen alleine oder zusammen mit anderen Kommunen eine Baugenossenschaft gründet und selbst aktiv werden. Meierhofer: „Wir sollten uns alle Möglichkeiten anschauen."

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