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Wird jetzt aufgepäppelt: der kleine Kauz, der fast ertrunken wäre.

Tierschutz

Gar nicht komisch für den Kauz: Kleiner Pechvogel löst Spezial-Einsatz aus

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Murnau - Ein Käuzchen, gerade ein paar Wochen alt, fällt vom Baum und droht im Staffelsee zu ertrinken. Doch der Pechvogel hat Riesen-Glück: Eine Urlauberin holt ihn aus dem Wasser - und setzt eine tierische Rettungskette in Gang.

Nun päppelt der Mittenwalder Tierschützer Franz Oberbauer das süße, vier bis fünf Wochen alte Vogelkind auf, das noch Babyflaum trägt.

Eine namentlich nicht bekannte Urlauberin trat als Ersthelferin in Aktion: Sie bemerkte bei einem Spaziergang, dass etwas von einem Ast ins knietiefe Wasser plumpste. Beherzt stieg die Frau in den Staffelsee – und rettete dem Kauz-Kind, das nicht schwimmen kann, das Leben. Sie wollte den Kleinen zur Polizei bringen, kannte sich im Ort aber nicht aus. Da sah sie schließlich ein Feuerwehr-Auto vor einem Haus stehen, mit dem Murnaus Kommandant Florian Krammer unterwegs war. Sie klingelte und drückte Krammer den nassen, bibbernden Kauz in einem Geschirrtuch vertrauensvoll in die Hände. „Sie sagte mir, sie habe gedacht: Die Feuerwehr macht alles“, sagt Krammer. 

Und die Wehr machte. Krammer kutschierte das letztlich friedlich schlafende Vogelkind – eingewickelt in ein Handtuch, aus dem nur das Köpfchen herausschaute – mit aufgedrehter Heizung in einem Korb zu Tessy Lödermann ins Tierheim Garmisch-Partenkirchen. Dort wurde der Kleine erstversorgt, der als „Ästling“ bereits außerhalb der Bruthöhle von den Eltern gefüttert worden war, bevor er vom Baum fiel. Lödermann, die den Einsatz der Urlauberin hervorhebt, kontaktierte Oberbauer, der viel Erfahrung mit der Aufzucht von Eulen und Greifvögeln besitzt. „So ein Tier gehört in Fachhände“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises.

Das Käuzchen reiste weiter – nach Mittenwald. Oberbauer richtete dem Vogel, den er nun aufpäppelt, ein Plätzchen im Hasenstall her, mit Sitzstange und Nest in der Ecke. Dort scheint sich der gar nicht komische Kauz wohlzufühlen: „Er hat ganz schönen Appetit“, sagt Oberbauer, der frisch gefangene Mäuse, Wildfleisch und Hühnerherzen serviert. Ein wenig gibt der Vogel allerdings schon den Eigenbrötler. „Wenn er gefressen hat, setzt er sich in sein Nest und dreht sich um.“ Der Mittenwalder, der Viecherl mag und schon als Jugendlicher die erste Waldeule aufgezogen hat, will nun über ein spezialisiertes Institut herausfinden, um welche Art Kauz es sich bei seinem neuen Pflegling handelt – der Flaum lässt noch keine genaue Einordnung zu. Denkbar wäre, dass der Kleine, wenn er sein späteres Gefieder und eine bestimmte Größe erreicht hat, in den Alpenzoo nach Innsbruck umzieht, um in einer riesigen Voliere das Jagen zu lernen, bevor er ausgewildert wird. 

Im Idealfall hätte Oberbauer das Vogelkind augepäppelt und bald zurück auf den Fundbaum gesetzt. Dort hätte es nachts wohl die Mutter herbeigerufen. Doch niemand weiß, wo am Staffelsee genau die Urlauberin Erste Hilfe geleistet hat.

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