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Technik-Füchse: Opa Karl Krieger (88) und Enkel Florian Hübner (25) aus Westried tüfteln am Smartphone.

Neue Medien

Der Student, der Senioren zusammenbringt

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Murnau - Mit Hilfe seines 88 Jahre alten Opas hat der Murnauer Florian Hübner (25) eine Smartphone-App für ältere Menschen auf den Markt gebracht: "Seniorenchat".

Karl Krieger, 88, macht so schnell niemand etwas vor: moderne Kommunikations-Technik, Smartphones, Apps, gar ein Google-Chrome-Stick? Kein Problem, kennt Krieger alles. Und falls Fragen auftauchen, wendet sich der technikaffine Senior an seine Enkel – an Florian Hübner (25) etwa. Aus diesem Austausch entstand ein generationsübergreifendes Geschäftsmodell, bei der Jung und Alt gemeinsame Sache machen. Der Murnauer Jungunternehmer Hübner, der 2010 sein Abitur am Staffelsee-Gymnasium ablegte und nun in Lissabon Finanzwesen studiert, hat mit dem Großvater eine mobile, kostenlose App – ein Anwendungs-Programm etwa fürs Smartphone – entwickelt, mit dem sich ältere Menschen austauschen können: „Seniorenchat“. Hübner hat große Pläne: „Es soll das Kommunikationsmittel für Senioren werden.“

Noch steht Hübner, der sich zu Schulzeiten der Schauspielerei und selbstinszenierten Theaterstücken verschrieben hatte, ziemlich am Anfang. Etwas über 400mal wurde die „erste mobile Plattform für Senioren in Form einer App“ installiert (im Android Play Store) – die Marke von 300 000 peilt der Student aus Westried an. „Ich weiß, das ist ambitioniert“, sagt Hübner. „Aber da es sich um eine Nische handelt und die Nachfrage da ist, glaube ich fest daran, dass es funktionieren wird.“

Denn Hübner hat schnell erkannt, dass sich das Angebot von Apps für Senioren in engen Grenzen hält und es sich um ein „für viele Unternehmen unattraktives Segment“ handelt: „Der Markt ist relativ groß, aber es fokussiert sich alles auf die Jugend.“ Ein Gespräch mit dem Opa über den Google-Chrome-Stick, den sich dieser besorgt hatte und mit dem sich ein Handy an einen großen Bildschirm anschließen lässt, stellte für Hübner ein Schlüsselerlebnis dar. Der Murnauer wandte sich dem Thema Senioren zu. „Opa hat Glück, weil er technikaffin ist, andere haben Zeit und Lust, können es aber nicht.“

Hübner begann, seniorengerechte Videoanleitungen und E-Books rund um Computer und Internet zu entwickeln sowie zu vermarkten, bemerkte aber den Trend zum mobilen Gerät, der die Älteren einschloss – und er nahm unter die Lupe, womit sich diese im Internet befassten: „Vorlieben sind Foren und Chaträume, sie möchten Zeit verbringen, Infos austauschen und suchen teilweise einen Kummerkasten.“ Also ersann Hübner mit Hilfe von Großvater und Entwicklern die App „Seniorenchat“, bei der die Nutzer per Smartphone in Kontakt bleiben, Gleichgesinnte kennenlernen und in Foren über divese Themen diskutieren können – und zwar altersgerecht über extragroße Schriftzeichen und eine leicht verständliche Benutzeroberfläche. Der Opa dient Hübner, der stetig um Verbesserungen bemüht ist, immer wieder als „Versuchskaninchen, von ihm bekomme ich jeden Tag hilfreiche Kritik“.

Sein Pionier-Projekt soll erst der Anfang sein. Hübner will in den nächsten Jahren „alle möglichen Apps für Senioren bereitstellen, da gibt es wahnsinnigen Bedarf“. Und er möchte mit dem Geschäftsmodell langfristig auch Geld verdienen. Seine GmbH befindet sich in Gründung.

Der smarte Student, der ausgerechnet Senioren-Apps entwickelt – bei Älteren sorgt das für einen Enthusiasmus, den Gleichaltrige nicht teilen. „Freunde sind davon überhaupt nicht begeistert“, sagt Hübner offen. Das Thema wirke unsexy, nicht attraktiv, werde gemieden. „Aber das motiviert mich noch mehr, daran zu arbeiten."

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