Die schwarz-gelbe „Katastrophen-Koalition“ ist Helmut Schleich, der im „U 1“ auch Franz Josef Strauß zum Leben erweckt, ein Dorn im Auge. Foto: Schandl

Kabarettist mit multipler Persönlichkeit

Garmisch-Partenkirchen - Helmut Schleich steht nicht alleine auf der Bühne „U 1“ im Kongresshaus. Er überzeugt als Franz Josef Strauß, Ottfried Fischer, Papst Benedikt XVI. - und als Schleich selbst.

Es ist das, was man in der Psychologie multiple Persönlichkeitsstörung nennt. Es ist das Gefühl, ein anderer zu sein. So steht Helmut Schleich nicht alleine auf der Bühne „U 1“ des Kongresshauses. Er hat einige berühmte Freunde mitgebracht. Ottfried Fischer ist da, Papst Benedikt XVI., Edmund Stoiber und auch Franz Josef Strauß. Schleich schlüpft in diese Rollen, imitiert sie nicht nur, sondern verwandelt sich. Er bewegt sich zwischen kunstvollem politischen Kabarett und Klamauk, ist unterwegs zwischen Tiefsinn und Wahnsinn, zwischen Anspruch und Absurdität - Gegensätzlichkeiten, die der Künstler zu vereinen weiß.

So birgt der Programmtitel „Nicht mit mir“ eine Doppeldeutigkeit, die für Schleich bezeichnend ist. Nicht nur der Politik, der Vorherrschaft der Wirtschaft oder des Diktats des neuen Bildungsbürgers will er sich an diesem Abend entledigen, sondern auch seiner Dämonen. Wenn er die Schultern nach oben zieht, das Kinn nach vorne schiebt und die Hände ans Revers des roten Sakkos legt, wissen die Zuschauer: Er ist wieder da, Franz Josef Strauß, in Bayern mehr Mythos als Mensch, eher verehrt für seine Polemik als seine Politik. „Ich verändere mich“, sagt Schleich dann. Plötzlich hat er Kragenweite 48. Doch „nur weil einer meinen Hals hat, hat er noch lange nicht meine Kragenweite“, entfährt es dem Strauß im Schleich.

Der Kabarettist weiß, mit dem Erbe des Politikers umzugehen. Etwa wenn er über die schwarz-gelbe „Katastrophen-Koalition“ schimpft, die Bundeskanzlerin als „fast russische Zonenwachtel“ betitelt und den neuen bayerischen Wirtschaftsminister Söder beschreibt als „Buttermilch gesäugten Politikpygmäen“.

In seinem gut 90-minütigen Programm schafft Schleich den Spagat zwischen politischem Kabarett und gesellschaftlicher Satire. Er kritisiert den permanenten Drang zur Meinungsbildung, ob nun zur Schuldhaftigkeit von Strauss-Kahn oder der Arbeit Philipp Röslers. Und wer dazu keine Meinung hat, kann sich diese einfach bei „Opinion Scout 24“ beschaffen, ganz ohne selbst nachdenken zu müssen.

Im Laufe des Abends, der vom „Kulturbeutel" organisiert wurde, kritisiert und parodiert Schleich aktuelle politische und gesellschaftliche Phänomene, wobei immer häufiger Figuren wie Strauß, Fischer und Ratzinger von ihm Besitz annehmen. „Das muss ein Ende haben“, weiß der Kabarettist und sucht nach Strauß-Austreibungen und christlich-sozialen Exorzismen. Er begibt sich gar in psychologische Betreuung, wobei der Therapeut nur die Phrasen aus dem Sammelsurium deutscher Schlagertexte anzubieten hat. So muss Helmut Schleich am Ende wohl mit seinen Dämonen leben - und zumindest den Zuschauer dürfte das erfreuen.

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