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Die Quarantänezone umfasst große Teile Murnaus und Seehausens. Der kleine Kreis in der Mitte ist die eigentliche Befallszone, die gelben Flächen sind Waldgebiete.

Bald wird es einen Spürhund geben

Keine Chance für Baumschädlinge

Der Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer, der Murnau und Seehausen heimsucht, nimmt konkrete Formen an: Jetzt wurden Waldbesitzer über die richtige Vorgehensweise informiert.

Seehausen – Eigentlich ist er schön anzusehen mit seinem schwarz glänzenden Körper, den weiß gefleckten Flügeldecken und zum Teil blau gefärbten Beinen und Fühlern. Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) wird bis zu 3,9 Zentimeter groß. Das Weibchen legt seine Eier unter die Rinde von Laubbäumen. Dort schlüpfen die Larven, fressen sich hindurch und kommen bei einem Ausgangsloch wieder hinaus. Der ALB kann zwar fliegen, doch ist er träge und bleibt gerne lange Zeit auf einem Baum. Diesen durchlöchert er so sehr, dass dieser von Pilzen befallen wird und schließlich abstirbt. Bis man den Käfer bemerkt, hat er bereits die Bäume in der näheren Umgebung befallen.

    „Würde er schnell weiter fliegen und nur hier und da ein Loch machen, könnten wir ihn ignorieren“, erklärte Franz Jäger, Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim (AELF), am Donnerstag bei einem Infoabend im Seehauser Gasthof Stern. Zu diesem waren 119 Waldbesitzer aus der jüngst errichteten Quarantänezone rund um Murnau geladen worden, um sich die Bekämpfung des ALB erörtern zu lassen. Betroffen sind vor allem die Gemeinden Murnau und Seehausen.

    Markus Hildebrandt, der Bereichsleiter des AELF, konnte die Anwesenden zuerst einmal beruhigen. „Wir haben den ALB bisher noch nicht im Wald gefunden“, erklärte er. „Bis dato wurde er nur in der Befallszone am alten Volksfestplatz in Murnau registriert.“ Hier werden bis März Bäume im Umkreis von 100 Metern gefällt. Der Befall in Murnau ist mit 20 Bäumen sehr klein im Vergleich zu anderen Gebieten Bayerns. „Das macht uns optimistisch“, erklärte Dr. Hannes Lemme, Biologe vom Landesamt für Wald- und Forstwirtschaft. Wenn sich jetzt alle an die EU-Verordnungen halten, sieht er gute Chancen, eine Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. Die Einsicht und die Mitarbeit der Bevölkerung ist deshalb dringend gefragt.

Gut besucht: die Info-Veranstaltung im Gasthof Stern.

    Um den Erfolg zu sichern, wird es für die nächsten vier Jahre einige Einschränkungen geben. So müssen die Betroffenen ihre Baumbestände alle zwei Monate auf Spuren des ALB kontrollieren und den Mitarbeitern des LfL (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) uneingeschränkten Zugang für das Monitoring gewähren. Brennholz und Laubgut ab einem Zentimeter Durchmesser dürfen ohne Kontrolle und Genehmigung durch die LfL weder aus der Zwei-Kilometer-Quarantänezone heraus noch innerhalb dieser transportiert werden. 

    Es bleiben den Waldbesitzern vier Optionen. Die Empfehlung lautet, das Holz über die Dauer von vier Jahren einfach liegen zu lassen. Dies würde vor allem einen Entsorgungsengpass verhindern. Auch besteht die Möglichkeit, die Baumteile im Bestand zu belassen und dort zu verbrennen. Des Weiteren kann das Holz gehäckselt werden. Dies muss 14 Tage zuvor bei der LFL beantragt werden. Das Holz wird dann in geschlossenen Behältern zur Entsorgungsstelle im Kemmelpark gebracht, wo es innerhalb von 24 Stunden verbrannt wird. Die wohl aufwändigste Lösung wäre die Ausstellung eines Pflanzenpasses. Hierfür muss jede Transporteinheit beim LFL registriert, dann das Holz erhitzt, entrindet und gehäckselt werden. Was für die Waldbesitzer gilt, trifft auch für Gartenbesitzer innerhalb der Quarantänezone zu. Ihnen wird empfohlen, anfallenden Laubschnitt bis auf Weiteres liegen zu lassen, um die Verbrennungsanlage im Kemmelpark als einzige genehmigte Sammelstelle nicht zu überlasten. Die Deponie Schwaiganger nimmt bis auf Weiteres keine Laubgehölze entgegen.

    Im Kampf gegen den Käferbefall wird es bald einen Spürhund geben. Der gehört Revierförsterin Silke Hartmann und wird derzeit ausgebildet. Hildebrand bat die Anwesenden, ihren Teil zum Gelingen beizutragen. „Wenn wir alle zusammen halten, werden wir den Käfer in vier Jahren besiegt haben.“ Am 15. März gibt es für Gartenbesitzer einen Infoabend im Kultur- und Tagungszentrum Murnau.

Beate Berger

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