+
Droht die Schließung? Das Kainzenbad ist auch Lebensraum des geschützten Bergmolchs. 

„Hüpferlinge“ bringen Garmisch-Partenkirchens Ämter ins Schwitzen

Kainzenbad: Junge Frösche haben kaum Überlebenschancen

Die Situation für jungen Frösche und Bergmolche an ihrem Laichplatz im Kainzenbad ist heikel. Vielleicht verstößt sie sogar gegen Artenschutz. Für Naturschützer ist klar: Es muss sich etwas ändern. 

Garmisch-Partenkirchen – „Es ist verboten, wild lebende Tiere der geschützten Arten während der Fortpflanzungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören.“ So steht es sinngemäß im Bundesnaturschutzgesetz. Dass die Situation am Kainzenbad nicht ganz legitim ist, ist seit jeher bekannt. Eine von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts veranlasste Prüfung im Frühjahr machte den Nachholbedarf wiederholt deutlich. Neue Maßnahmen, damit die Naturschutzvorgaben eingehalten werden können, müssen her.

Das Naturfreibad speist sich aus einem Zu- und Ablauf der Kanker. Eine Begehung vor Ort hat ergeben, in welchem Ausmaß die Beschaffenheit des Überlaufs zwischen Bad und Eselsgraben – der wiederum über eine Überleitung in der Partnach mündet – jungen Fröschen, sogenannten Hüpferlingen, und anderen Amphibien zum Verhängnis wird. „In einem Wasserstrudel an der Stelle haben die Hüpferlinge kaum Überlebenschancen, die Rückkehr in das stehende Gewässer im Kainzenbad ist unmöglich“, erklärt Brigitte Wegmann vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Garmisch-Partenkirchen.

Auch geschützte Amphibien betroffen

Jährlich unterstützt die Organisation die Wanderung der Frösche zum Laichplatz im Kainzenbad durch verschiedene mechanische Hilfestellungen. Wegmann kennt also die heikle Situation unter dem Eckbauer. „Die Hüpferlinge werden vom Laichgewässer aus durch ein Rohr in den Überlauf gespült, aus dem sie sich selbst nicht mehr befreien können.“ Anscheinend sind auch geschützte Amphibien wie der Bergmolch betroffen.

Verstößt die Situation am Kainzenbad also gegen den Artenschutz? „Die Gegend um das Kainzenbad beherbergt das zweitgrößte Bergmolch-Vorkommen in Bayern“, sagt Johannes Riedl, Verantwortlicher für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen am Wasserwirtschaftsamt in Weilheim. Früher sei der Bestand dieser Tierart groß gewesen. Die natürliche Auslese über die fragwürdige Lebensumgebung am Kainzenbad war daher bestandsregulierend, aber nicht das Vorkommen bedrohend. „Das ist seit zwei, drei Jahren anders. Die Anzahl der Tiere ist erheblich zurückgegangen.“

Schließung des Kainzenbads für Landratsamt kein Thema

Aus Sicht des Naturschutzes ist klar: Es muss etwas geschehen, denn das Naturbad dient eben auch dem Bergmolch als Laichgewässer. Und dieser gilt nach Bundesnaturschutzgesetz sogar als besonders geschützt.

Dass die letzte Konsequenz, die Schließung des Kainzenbades, jetzt schon zur Diskussion steht, dementiert Pressesprecher Stephan Scharf vehement. „Das hat das Landratsamt zu keinem Zeitpunkt erwogen.“ Wenn die Naturschutzbehörde allerdings strikt rechtens handelt und die Situation am Kainzenbad für die Amphibien als „erhebliche Störung“ einstuft, wäre die Schließung eine letztlich logische Konsequenz. Denn ohne den Wasseraustausch durch die Kanker würde das Gewässer früher oder später umkippen: Fäulnis und Algenbildung nehmen zu, Bakterien reichern sich im Wasser an. Die Gesundheit der Badegäste ist in Gefahr.

Dass es soweit kommt, beabsichtige keine der beteiligten Parteien, weder die Untere Naturschutzbehörde noch die Gemeindewerke noch der Markt oder das Wasserwirtschaftsamt, sagt Scharf. „Es wird eine Lösung gesucht.“ Mitte Juli berieten und diskutierten die involvierten Behörden im Rahmen einer Ortsbegehung bereits mögliche Ideen.

„Der reine Badebetrieb stört ja  nicht“

Dem Szenario, dass das Bad geschlossen wird, stehen vermutlich vor allem Interessen des Betreibers, die Gemeindewerke, gegenüber. Immerhin wurde das Kainzenbad für diese Saison erst für eine stattliche Summe saniert. „Der reine Badebetrieb an sich stört ja auch nicht“, erzählt Brigitte Wegmann. Etwa zwischen Anfang Juni und Ende August laichen Amphibien ab. Badegäste stören diese Entwicklungsphase jedoch kaum. „Das war ja auch bisher über die Jahre kein Problem.“ Schilder auf der Liegewiese erinnern an einen achtsamen Umgang. Die Badeordnung weist allerdings nicht auf die Tatsache hin, dass es sich um einen natürlichen Lebensraum für Amphibien handelt und daraus bestimmte Verbote, wie die Entnahme der Tiere aus dem Wasser, resultieren.

Ein künstlich angelegtes Biotop ist einer der Lösungsansätze, die bei der Begehung diskutiert wurden. „Der LBV ist geneigt, Pflege und Unterhalt zu übernehmen“, sagt Riedl. Eine weitere Option ist eine Art Rechen oder Filter. „Dadurch soll das Ausspülen von Amphibien in die verrohrte Kankerüberleitung künftig vermieden werden“, erklärt Scharf. Ob eine solche Vorrichtung seine Zweckmäßigkeit erfüllt, gibt Riedl allerdings zu bedenken. „Bei Unwettern tragen Wildbäche Geäst und Unrat mit sich, ein Rechen verstopft und bringt das Gewässer zum Überlaufen.“

Lösung wird noch nicht verraten

Nach Auskunft des Landratsamtes sei eine Lösung bereits gefunden. Eine, die Bürger und Bad-Betreiber zufrieden stellt, aber auch im Einklang mit der Naturschutzbehörde steht. Welche, wird bisher nicht verraten. Nur, dass die Umsetzung dieser – nach Tagblatt-Informationen – Anfang nächster Saison vollzogen werden soll. „Der gute Wille ist auf alle Fälle da“, bestätigt Riedl.

Martina Baumeister

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erster Tunnel-Durchbruch in Oberau geschafft
Es wurde Licht: Zumindest für die Tunnelbauer in Oberau. Nach zwei Jahren Arbeit in der Dunkelheit haben sie sich nun den Weg vom Nord- zum Südportal gebahnt.
Erster Tunnel-Durchbruch in Oberau geschafft
Frau prallt mit Pkw gegen Baum
Schwerer Unfall auf der B23: Das Auto einer Frau geriet ins Schleudern, donnerte gegen einen Baum und wurde umgeworfen. Die Österreicherin erlitt Verletzungen.
Frau prallt mit Pkw gegen Baum
Handbremse vergessen: Aus einem Auto wird ein U-Boot
Kleiner Fehler, große Wirkung: Ein Wessobrunner vergaß, in seinem Auto die Handbremse zu ziehen. Die Folge: Der Wagen rollte in den Riegsee. 
Handbremse vergessen: Aus einem Auto wird ein U-Boot
Bewunderung für die Absolventen
Beim 35. Tag der offenen Tür der Schnitzschule gab es viel Lob für die Meisterstücke der Absolventen. Außerdem wurden die Pläne für den Beitrag zur Landesausstellung …
Bewunderung für die Absolventen

Kommentare