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30 Jahre Fischerstechen

Der Kaiser und seine Königin

Seehausen - Turbulente Feierlichkeiten: 91 Stecher haben sich an zwei Tagen auf dem Staffelsee duelliert.

Bei den Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen des Seeehauser Fischerstechens ging es turbulent zu: Ausgestattet mit bunt bemalten Stechlanzen führten die 91 Teilnehmer den Wetterkapriolen zum Trotz ein zweitägiges Duell auf dem Staffelsee aus. Den Höhepunkt bildete das Kaiserstechen, wobei fünfzehn bisherige Fischerkönige gegeneinander antraten. Den Titel holte sich der Hufschmied Michael Jais aus Seehausen, der seinen Kontrahenten Leonhard Finsterwalder im Finale unter den tosenden Beifallsrufen des Publikums von der Planke stieß. Der 33-Jährige war in der Vergangenheit bereits viermal zum Fischerkönig ernannt worden – dennoch traf ihn dieser Sieg unerwartet: „Ich hätte nie damit gerechnet und freue mich riesig.“ Eine spezielle Taktik hatte er nicht: „Wichtig ist es, stets die Ruhe zu bewahren und auf das Gleichgewicht zu achten“, verriet er.

Diesen Ratschlag beherzigte seine Frau Ramona, die sich im Rahmen des Damenstechens unter insgesamt 23 Teilnehmerinnen in feschen Dirndl durchsetzen konnte. Daraufhin wurde das Sieger-Paar von den Anwesenden überschwänglich gefeiert. Die Freude war groß: „Wahnsinn, das ist der absolute Super-Gau“, scherzte Michael Jais und drückte seine Frau an sich. Harmonie pur.

Alles andere als harmonisch sah es zu Beginn des ersten Veranstaltungstages aus, wo 21 Vereine aus dem Ort mit je einem Vertreter startbereit waren. Nach dem dritten Durchgang kam ein heftiger Sturm auf, der einen weiteren Kampf unmöglich machte. Als sich aus westlicher Richtung auch noch eine schwarze Gewitterfront anbahnte, sagte Moderator Anton Daisenberger das Stechen ab: „Das sind keine regulären Bedingungen, wir müssen uns den Umständen anpassen“, meinte er. Dann kam die unerwartete Wende: Von den rund 800 Zuschauern waren einige Hartnäckige geblieben, die nach Abflauen des Windes lautstark eine Fortsetzung forderten. So kam es, dass das Vereinestechen auf Wunsch des Publikums weitergeführt wurde – lediglich das Kaiserstechen musste auf den nächsten Tag verschoben werden. „Das war völlig verrückt, so was hab ich noch nie erlebt“, sagte Daisenberger. Den ersten Platz unter den Vereinen sicherte sich Karl Widmann, Erster Schützenmeister der Seehauser Schützengesellschaft. Im Anschluss feierten alle gemeinsam im Gasthof Stern zur Musik von Dreisam.

Am zweiten Tag machten die Wetterkapriolen den 32 Seehauser Burschen zu schaffen. Das traditionelle Fischerstechen an Maria Himmelfahrt fiel regelrecht ins Wasser: Im strömenden Regen wurde Titelverteidiger Christoph Grunwald von dem Favoriten und Silber-Medaillen-Gewinner Johannes Weingand ins Wasser gestoßen. Anschließend wurden die Sieger im „Stern“ geehrt. Für die Goldmedaillengewinner gab es jeweils eine Binsenkrone. „Diese Veranstaltung hat zwar Nerven gekostet, doch im Großen und Ganzen lief alles äußerst zufriedenstellend ab“, resümierte Daisenberger, der die Zuschauerzahl an beiden Tagen auf rund 3000 schätzte.

Constanze Wilz

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