Ortstermin mit einem Kabinettsmitglied: (v. l.) Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, Landrat Harald Krün und Eon-Vertreter Georg Rembold begutachten mit Bayerns Umweltminister Marcel Huber (3. v. l.) die Krüner Fischtreppe. fotos (2): sehr

65 Kammern in die Freiheit

Krün - Durch die Fischtreppe bei Krün ist die Isar nun für Wasserlebewesen durchgängig passierbar - zumindest fast. Eine Barriere kann auch sie nicht überwinden: die Tonnen von Kies.

Ein Knopfdruck mit symbolischer Bedeutung: Die Schleusen öffnen sich, Wasser füllt erst ein Becken, dann ein zweites, bis schließlich alle 65 Kammern umspült sind. Der Weg ist frei - für die Fische. Für Bachforellen, Äschen und Koppen ist nicht mehr unterhalb des Krüner Wehrs Endstation, nun können sie bequem in den oberen Bereich der Isar schwimmen, dort nach Futter und Laichplätzen suchen.

Die Anlage sei ein Beispiel dafür, dass sich „Wasserkraft und lebendige Gewässer nicht ausschließen“, sagte Georg Rembold, bei Eon verantwortlich für den Sektor Wasserkraft in Deutschland. Das Unternehmen hatte die Fischtreppe, deren Gesamtvolumen sich auf 700 000 Euro beläuft, errichtet. Aufträge in Höhe von rund 500 000 Euro sind laut Rembold an regionale Firmen vergeben worden. Investitionen, die gerade in diesen Zeiten, „in denen es in der Energiewirtschaft hoch hergeht“, nicht selbstverständlich sind, würdigte Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber das Engagement des Konzerns.

Der gestrige Tag war für ihn nicht nur ein schöner, sondern insbesondere ein guter - vor allem für die Ökosysteme in der Region. Seiner Ansicht nach verdeutlicht die Realisierung der Aufstiegsanlage, dass ökonomische und ökologische Interessen durchaus vereinbar sind. Immerhin ist die Isar Lebensraum für Tiere, Erholungsort für Menschen und zugleich von wirtschaftlicher Bedeutung - gerade in Zeiten der Energiewende.

Denn die Wasserkraft stellt „eine wichtige Säule im Energiemix“ dar, sagte Rembold. Rund 15 Prozent des Stroms werden in Bayern auf diesem Wege erzeugt. Und nachdem im Oberen Isartal weder Windkraft noch Tiefengeothermie sinnvoll sind, setzt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) auf den Ausbau der Wasserkraft in der Region - zumindest dort, wo es umweltpolitisch vertretbar ist. Von der großen Politik erhoffe er sich dahingehend „bessere Unterstützung und mutigere Entscheidungen“, sagte der Rathauschef an den Staatsminister gewandt.

Eben solche sind auch bei der Lösung des Kiesproblems an der Isar gefragt, bei dem sich zeigt, dass ökologische Interessen durchaus mit anderen kollidieren. Während Naturschützer gerade die Entnahme verhindern wollen, ist diese nach Ansicht der Fischer eine dringend notwendige Maßnahme. Sie wollen damit das Massensterben der Fische verhindern, die qualvoll im trocken gelaufenen Isarbett verenden.

In Kürze wird laut Landrat Harald Kühn (CSU) deshalb ein Runder Tisch einberufen, wo sich alle Beteiligten nochmals mit der K-Frage auseinandersetzen sollen. Ob dieses Treffen erfolgversprechend ist, kann Hans Schanderl nur hoffen. Insbesondere seitdem sich mehrere Landespolitiker der Sache angenommen haben, „kommt langsam Bewegung in die Sache“, meint der Gewässerwart des Kreisfischereivereins, der das Anbringen eines Kiesfangs oberhalb des Wehrs als richtige Maßnahme sieht. Kühn zufolge müsse beim Kies eine langfristige Lösung gefunden werden: „Denn solange die Berge stehen, wird für Nachschub gesorgt.“ vro

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