Kampf gegen Bahnhof-Umbau

Ohlstadt - Bürgermeister und Gemeinderat von Ohlstadt gehen gegen eine Planung der Deutschen Bahn Netz AG vor. Diese will den Bahnhof im größeren Stil umbauen.

Anton Fischer kocht vor Wut. Den Zorn des Bürgermeisters (NLO) haben Verantwortliche der Deutschen Bahn Netz AG auf sich gezogen, die den Bahnhof Ohlstadt ab August im größeren Stil umbauen wollen. Doch das kurzfristig vorgelegte Konzept will Fischer nicht akzeptieren. Rückendeckung erhält er von seinem Gemeinderat. Gemeinsam werden sie die Planung anfechten. „Grundsätzlich befürworte ich, dass der Bahnhof verbessert wird“, betont Fischer. „Aber so ist das nicht das Gelbe vom Ei.“

In erster Linie beabsichtigt die DB Netz AG, die von der Deutschen Eisenbahngesellschaft (DEG) mit der Umsetzung beauftragt wurde, die Fahrtgeschwindigkeit auf der Linie München-Mittenwald von 80 auf 100 Stundenkilometer anzuheben. Um das technisch zu gewährleisten, soll der barrierefreie Bahnsteig in Ohlstadt in Richtung Süden verlagert werden. Eine irrsinnige Idee, moniert Fischer. „Das Bahnhofsgebäude liegt dann völlig dezentral, wenn der Bahnsteig erst 110 Meter davon entfernt losgeht.“

Nicht der einzige Punkt, den Fischer anprangert. Weiter schwebt der DB Netz AG vor, neben dem Bahnübergang an der Partenkirchner Straße einen zusätzlichen Fußgängerüberweg zu bauen. Dieser soll den Reisenden zum bestehenden Gleis zwei führen - sei aber „wieder dermaßen weit weg gelegen“, kritisiert Fischer. Er forderte bereits, den Überweg nördlich des Bahnhofsgebäudes zu errichten, das die DB künftig nicht mehr nutzen will, in dem aber ein Kiosk entstehen soll. Erst vor zwei Jahren wurden dort in direkter Nähe zum bisherigen Bahnsteig Auto- und Radstellplätze angelegt. „Wir haben dafür viel Geld in die Hand genommen“, beschwert sich der Bürgermeister. Im neuen Konzept seien die Plätze jedoch völlig für die Katz.

Fischers Wunsch hat der zuständige Projektleiter Joachim Krause in einer schriftlichen Stellungnahme bereits abgelehnt: Es sei aus technischen Gründen nicht möglich, den Übergang im nördlichen Bereich anzubringen.

Der Gemeinderat will verhindern, dass Ohlstadt das gleiche Schicksal ereilt wie andere Gemeinden, in denen der Bahnhof umgebaut wurde. „Dort ist es nun sehr unpraktisch und gefährlich“, meint Fischer. Gefährlich mitunter, weil die Schranken früh schließen. „Die Kinder laufen dann einfach über das Gleis“, weiß Josef Leis (CSU). Zudem wirft Nikolaus Geiger (CSU) der DB Netz AG vor, nicht die Folgen für die Anlieger im südlichen Bereich einkalkuliert zu haben. „Aus der Verlagerung ergibt sich für sie eine Wertminderung ihrer Grundstücke.“ Er pocht auf einen Schallschutz.

Von ihrem Plan abrücken wollen DEG und DB Netz AG trotz allem nicht. Im Gegenteil: Sie würden ihn Krause zufolge auch „gegen Widerstand durchsetzen“. Fischer hat den Ernst der Lage erkannt und will deshalb einen rechtlichen sowie technischen Berater Sache engagieren: „Die Gemeinde ist damit überfordert.“

Für den Umbau werden nach Angaben von Krause auf der Grundlage der derzeitigen Planung insgesamt rund 2,5 Millionen Euro investiert. Dabei würden Bundesmittel und Geld der Bahn eingesetzt.

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