Will „kämpfen bis zum Umfallen“: Tierschützerin Tessy Lödermann bekommt viel Applaus für ihre Rede. Foto: sehr

Kampf gegen das „Gemetzel an Rotwild“ findet viele Unterstützer

Garmisch-Partenkirchen - Gut 200 Tierschützer, Jäger und aufgebrachte Bürger haben am Sonntag gegen den Wildabschuss in Wintergattern demonstriert. Tessy Lödermann konnte dabei erste Erfolge verkünden.

Tessy Lödermann kennt man als Kämpferin, die ihren Worten Taten folgen lässt. Und wenn sie ankündigt „Ich werden bis zum Umfallen weiterkämpfen, damit in unseren Wintergattern kein Gemetzel an Rotwild stattfindet“ - dann wird die Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen das tun. Und findet dabei einen großen Kreis an Unterstützern. Ungewöhnlich ist dessen Konstellation. Lödermann, die sich seit Jahrzehnten für den Tierschutz einsetzt, hätte sich nie träumen lassen, „dass ich mal mit Jägern für eine Sache eintreten würde“. In diesem Fall sprechen die Parteien eine Sprache. Seite an Seite haben am Sonntag gut 200 Jäger, Tierschützer und aufgebrachte Bürger an der Almhütte oberhalb von Garmisch-Partenkirchen gegen den Wildabschuss in Wintergattern demonstriert.

Rotwild soll sterben, um die Tiere auf den Tuberkulose-Erreger (TBC) zu untersuchen. 73 Tiere wären im Landkreis betroffen. An einem „Ort der Ruhe und der Sicherheit“, wie Lödermann verdeutlichte. Ein Abschuss wäre ein „Verrat an den Tieren“: Sie würden unter Umständen die Winterzuflucht im kommenden Jahr nicht mehr aufsuchen. „Massive Schäden am Bergwald sind programmiert“, prophezeite Thomas Bär von der Jagdagenda 21. „Das Wild ist dann wieder der Sündenbock“, bekräftigte Lödermann.

Ihre Wut gilt dabei nicht den Bayerischen Staatsforsten, deren Berufsjäger als Wintergatter-Betreiber in Garmisch-Partenkirchen viele Abschüsse ausführen müssten. Ihre Wut gilt der Politik. Im Umweltausschuss wurden die Pläne besprochen, ein Landtagsbeschluss aber liegt noch nicht vor. Erst am morgigen Dienstag wird darüber laut Lödermann beraten. Ein Abschuss oder die Anordnung dazu entbehre also jeder rechtlichen Grundlage, betonte Bär.

Und jeder Notwendigkeit, ergänzte Hubert Hertlein vom Bayerischen Jagdverband. Wie seine Vorredner prangerte er den „überzogenen und nicht gerechtfertigten“ Aktionismus an. All das geschehe unter dem Deckmantel, die Landwirtschaft vor Rinder-TBC zu schützen. Dabei haben die Proben im Kreis in den vergangenen Jahren keinen positiven Befund ergeben.

Demo gegen das "Gemetzel an Rotwild" - Bilder

Demo gegen das „Gemetzel an Rotwild“ - Bilder

Keiner der Beteiligten stellt dabei die Notwendigkeit der Untersuchungen in Frage. Ein Ausbruch der TBC-Seuche „wäre eine Katastrophe“, unterstrich Hertlein. Doch alle wünschen sich eine andere Vorgehensweise: kein Gemetzel im friedlichen Umfeld der Wintergatter, sondern das Erlegen der Tiere im normalen Jagdbetrieb. „Das hier hat mit Jagd nichts zu tun“, sagte Bär.

Ihm und den vielen anderen Demonstranten konnte Lödermann am Sonntag erste gute Nachrichten verkünden: Sie habe Informationen aus dem Ministerium, wonach Garmisch-Partenkirchen keinen Abschuss in Gehegen anordnen müsse. Am Dienstag nach der Landtagsdebatte will sie die Sektkorken knallen lassen.

Ein Brandbrief an Umweltminister Erwin Huber hat offenbar Wirkung gezeigt: Ein Mitarbeiter meldete sich telefonisch bei Lödermann. Und sie hat ihm nach eigener Aussage klar gemacht: Sollte die Verordnung nicht zurückgezogen werden, „dann geht’s zur Sache, und die Demo hier war erst der Anfang“. Ihren Worten werden Taten folgen. (kat)

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