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Kleinod in Klais: Das mindestens 420 Jahre alte Gotteshaus ist ab sofort in kommunaler Hand – vorausgesetzt der Krüner Gemeinderat stimmt zu.

Keine halben Sachen mehr

Klaiser Kapelle gehört bald Krün

Klais/Mittenwald - Aus zwei mach’ eins: Die malerische Kapelle in Klais geht zur Gänze in den Besitz der Gemeinde Krün über. Ihr gehörte seit längerem schon eine Hälfte des Gotteshauses. Nun wurde ihr von der Witwe von Max Baader (1932 bis 2013) auch die zweite geschenkt.

Die Kapelle dort ist nicht irgendeine“, stellte der ehemalige Mittenwalder Pfarrer Thomas Gröner (2000 bis 2013) schon 2005 mit Nachdruck fest. Denn des Klaiser Kircherl geht auf den legendären zweiten Bischof der Diözese von München-Freising, einem gewissen Arbeo (764/765 bis 783), zurück. „Das ist kirchengeschichtlich ungemein wertvoll.“ Doch geholfen hat die historische Bedeutung des legendären Kirchenfürsten nichts. Das Bistum München-Freising, die immerhin 3100 Kirchen und Kapellen ihr Eigen nennt und der deshalb pro Jahr zig Millionen Euro an Sanierungs- und Erhaltungskosten entstehen, wollte partout nicht das Geschenk von Max Baader (1932 bis 2013) annehmen. Denn dem Posthalter-Spross und langjährigen Mittenwalder Marktgemeinderat (1972 bis 1990) gehörten 50 Prozent des Klaiser Kleinods (siehe Geschichtlicher Hintergrund).

Ursula Nägel: „Mir ist wichtig, dass die Kapelle erhalten und in guten Händen bleibt.“

„Für mich ist es wichtig, dass meinen Anteil die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul bekommt“, betonte Baader zeitlebens. Doch daraus wurde nichts. So hat nun Baaders Witwe Ursula Nägel mit Köpfen gemacht. Sie schenkte kurzerhand der Gemeinde Krün, der seit 2005 die andere Hälfte gehört, ihren Anteil an dem Kircherl. „Das habe ich gerne gemacht“, betont sie. „Mir ist wichtig, dass die Kapelle erhalten und in guten Händen bleibt.“

Über die großzügige Geste der Alleinerbin freut sich natürlich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). „Notariell ist alles vollzogen“, bestätigt er. Nun also gehen die restlichen 50 Prozent ebenso in den Besitz Krüns über. „Vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt dem zu.“ Doch daran hat keiner einen Zweifel.

2017 ist der Wechsel über die Bühne gegangen

Pünktlich zu den 2017 geplanten Dorferneuerungs-Maßnahmen in dem Weiler – investiert werden soll ein stolzer siebenstelliger Betrag – ist der Wechsel über die Bühne gegangen. Und das ist gut so. Denn bevor mit den Arbeiten begonnen wird, muss erst im Frühjahr das Kircherl saniert werden – beziehungsweise viel mehr die Abdichtung im Boden. Der Rathauschef rechnet dabei mit Kosten von ungefähr 30 000 Euro. Doch das Baudenkmal, das vielleicht noch viel älter ist, ist es allemal wert. „Es ist ein wirkliches Wahrzeichen für Klais.“ Daher hält er auch die anfallende Instandhaltungssumme „für richtig und gerechtfertigt“.

Mit der Übertragung der Kirchenhälfte geht damit ein landkreisweites Kuriosum zu Ende. Der Gemeinde gehört übrigens in Klais mit der Kapelle nicht nur dieses für eine Kommune eher seltenes Gebäude. 2008 hatte das Dorf auch den dortigen Bahnhof von der DB Services Immobilien GmbH erhalten – für einen Schnäppchenpreis. Nicht einmal 150 000 Euro soll die Gemeinde damals überwiesen haben. Jetzt erhält sie knapp einen Monat vor Weihnachten noch ein Geschenk.

Christof Schnürer

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