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Unappetitlicher Fang: In den Kiemen des verendeten Karpfens haben sich tödliche Bläschen gebildet.

Fischsterben im Schmalensee

Ein tödlicher Sommer

Mittenwald - Wie jetzt bekannt wurde, musste im Sommer 2015 der Schmalensee für Angler gesperrt werden. Der Koi-Herpes-Virus ist dort ausgebrochen und hat 270 Karpfen dahingerafft.

Franz Okelmann hatte 2015 alle Hände voll zu tun. Kurz nach dem G7-Gipfel im benachbarten Schlosshotel Elmau, als alle noch über das Treffen der sieben mächtigsten Politiker der westlichen Welt sprachen, hatte der Wasserwart des Mittenwalder Fischereivereins ganz andere Sorgen. Im Schmalensee begannen urplötzlich die Karpfen zu verenden. Am 21. Juni rückten acht Mitglieder zum ersten Mal aus. „Am Ufer und an der Wasseroberfläche trieben größtenteils Spiegelkarpfen“, teilte Okelmann nun bei der Jahresversammlung des Fischereivereins im Gasthof Postkeller mit. Schon nach dem dritten Einsatz wurden der Fischgesundheitsdienst sowie die Polizei verständigt. Fünfmal sah Okelmann letztlich mit seinen Vereins-Kameraden nach dem Rechten. Am 6. Juli wurde der letzte der insgesamt 270 toten Fische aus dem flachen See geborgen. Doch was war passiert?

„Sie sind am Koi-Herpes-Virus (KHV) erkrankt“, bestätigt der Wasserwart. Genau unter die Lupe genommen hatte man die Fische unter anderem im Bayerischen Landesamt für Umwelt. Dort zeichnet Dr. Gunnar Dembek für biologische Untersuchungen von Fischsterben verantwortlich. „Er bestätigte, dass es keine Umwelteinflüsse waren“, zitiert Okelmann aus seinem Bericht. Gemeinsam mit Dr. Peter Scheinert, Fachtierarzt für Fische beim Tiergesundheitsdienst Bayern, konnten beide letztlich Entwarnung geben: „Diese Fischkrankheit ist für den Menschen ungefährlich und nicht übertragbar“, lautete Scheinerts Fazit. Über mögliche Ausbruchgründe können die Ärzte nur spekulieren. Vom Fischlieferanten liegen die erforderlichen Papiere vor. Diese bestätigen, dass die Tiere zumindest beim Einsetzen gesund waren. „Wir kontrollieren den Lieferanten regelmäßig“, erklärt Scheinert. Kerngesund, lautete das Fazit.

Eher könnte es an einem Hochwasser Anfang 2015 gelegen haben. Manche Karpfen haben sich in die Pfützen des überfluteten Weges verschwommen. Diejenigen, die noch lebten, wurden zurück in den See gebracht. „Das war eine enorme Stress-Situation für die Fische“, sagt Scheinert. Da der Herpes-Virus ähnlich wie beim Menschen in jedem Fisch von Geburt an schon im Körper steckt, wird er durch Stress wohl ausgebrochen sein. Begünstigt wurde der Krankheitsverlauf durch die hohen Wassertemperaturen aufgrund des heißen Sommers 2015. „Da haben also viele Faktoren mitgespielt.“

Das Problem ist nun, dass die Fische, welche die Epidemie überlebt haben, „stille Träger“ des Virus sind. „Ich habe dem Fischereiverein geraten, die restlichen Karpfen abzufischen“, erläutert der Fachtierarzt. Denn auch Wasserwart Okelmann weiß, dass „eine Behandlung von Fischkrankheiten mit Medikamenten in der freien Natur in den meisten Fällen nicht möglich ist“. Vor allem nicht in einem solch sensiblen Gebiet wie dem Schmalensee.

Auch wenn der KHV weder auf andere Fische noch auf Menschen überspringen kann, blieb der Schmalensee von Ende Juni bis Ende August für Angler tabu. Und das allein schon aus ästhetischen Gründen: „Es ist nicht schön, zwischen toten Fischen zu angeln“, verdeutlicht Okelmann. Der angrenzenden Fischzucht hat der Erreger nichts anhaben können. „Die Fische dort sind nach wie vor pumperl-g’sund.“ Josef Hornsteiner

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