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Deutliche Worte von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (l.).

Volle Breitseite gegen Hauptaktionäre

Karwendelbahn-Zoff: Bürgermeister kontert

Mittenwald - Mit seinen Geschäftspraktiken hat sich Wolfgang W. Reich. im Rathaus keine Freunde gemacht. Das wurde bei der Mittenwalder Bürgerversammlung mehr als deutlich. 

„Solchen Personen gehört das Handwerk gelegt“ – deutlicher geht’s nicht. Wen der Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) damit gemeint hat, war wohl allen bei der Bürgerversammlung in der gut besuchten TSV-Halle klar. Sie saßen am hintersten Tisch und hörten aufmerksam zu: Wolfgang W. Reich und Patrick Kenntner, Ex-Vorstand und amtierender Geschäftsführer der ins Schlingern geratenen Karwendelbahn AG. Die beiden hatten sich am Mittwoch tatsächlich in die Höhle des Löwen getraut. Zu lachen hatten sie herzlich wenig. Denn der angriffslustige Bürgermeister ließ keinen Zweifel aufkommen, was er von deren Geschäftspraktiken hält. „Kann das in einem Rechtsstaat möglich sein? Ich sage nein.“ Applaus vom Publikum.

Dass der Bürgermeister bei diesem Thema seine ganze Kraft am Rednerpult bündelte, deutete sich schon zu Beginn an. Bevor er nämlich loslegte, hatte Hornsteiner seine Frau Gabriele in der ersten Reihe gebeten, ihm das schal werdende Glas Bier zu reichen. Nach einem kräftigen Zug an der Halben konnte der Generalangriff starten. Zunächst ging der Bürgermeister auf die seiner Meinung nach grenzwertigen Publikationen ein, die vornehmlich im Internet über ihn und seinen Vize Gerhard Schöner (CSU) kursieren. „Wer hat das überhaupt fabriziert?“, fragte er sich. Denn wie zuletzt üblich bei der Karwendelbahn seien solche Schreiben nicht unterzeichnet. Der Inhalt dieser Bekanntmachungen ist für den darin an den Pranger gestellten Bürgermeister, „vorsichtig gesagt, blanker Unsinn“.

Ins Reich der Fabel verwies er auch die Behauptung, die Gemeinde und die Konsortium AG (Reich und Co.) seien sich „per Handschlag“ handelseinig in puncto Aktienübernahme geworden. „Das entspricht nicht der Tatsache.“ Einen Ankauf seitens der Kommune wird es auch nicht geben, solange Reich und Co. keine Jahresabschlüsse und Geschäftszahlen auf den Tisch legen beziehungsweise Auskunft erstatten, was mit den liquiden Mitteln der Aktiengesellschaft, die Rede ist stets von 800 000 Euro, passiert ist. „Wir sind vollkommen im Nirwana.“ Nicht zuletzt deshalb, weil dem von der außerordentlichen Hauptversammlung bestimmten Sonderprüfer Christian Müller bis heute die Geschäftsräume der Karwendelbahn verwehrt werden. Als nachweisliche Rechtsverstöße“ bezeichnet Hornsteiner zudem diverse Bauten an der Tal- und Bergstation. Und das alles geschehe unter der Regie einer Person, „die strafrechtlich verurteilt ist“. Womit kein anderer als Wolfgang W. Reich gemeint sein kann, den vor zwei Jahren Justitias Bannstrahl unter anderem wegen Marktmanipulation getroffen hatte.

Eine Lanze brach Hornsteiner für Schöner, den bestellten Vertreter Mittenwalds im Kontrollgremium, der „mit einer Flut von Einladungen zu Aufsichtsratssitzungen“ überschwemmt werde. „Der kommt ja nicht“, rief plötzlich Reich aus dem Publikum Richtung Bürgermeister. Der konterte trocken: „Das Rederecht erteile ich – nicht sie.“

Plötzlich zischte einer unter den Zuschauern: „Grattler!“ Ob die Heidenheimer wissen, was und vor allem wer damit gemeint ist?

Christof Schnürer

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