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Bei der Karwendelbahn landet vieles vor Gericht.

Verbalattacken im Arbeitsgericht 

Karwendelbahn: Akte G. geschlossen – vielleicht

Der Rechtsstreit zwischen der Mittenwalder Karwendelbahn und dem geschassten Betriebsleiter scheint beendet. Beide Parteien einigten sich vor Gericht auf einen Vergleich. Dieser beinhaltet unter anderem eine Abfindung für den ehemaligen Technikchef in Höhe von 14 000 Euro.

Mittenwald – Zwei Minuten Bedenkzeit hatten sich Patrick Kenntner und Wolfgang W. Reich erbeten. Doch daraus wurde vor dem Arbeitsgericht in Garmisch-Partenkirchen letztlich eine Viertelstunde. Am Ende stimmten der Vorstand und der Aufsichtsratschef der Mittenwalder Karwendelbahn eher zähneknirschend dem Vergleichsangebot von Richter Dr. Tobias Romeikat zu. Dessen Vorschlag im Rechtsstreit um die fristlose Kündigung des ehemaligen Betriebsleiters Hans G. beinhaltet unter anderem folgende Punkte: Das Arbeitsverhältnis endet einvernehmlich zum 30. September 2016; der Rauswurf wird in eine ordentliche Kündigung umgewandelt, zudem erhält der Kläger eineinhalb Brutto-Monatsgehälter plus eine Abfindung in Höhe von 14 000 Euro. Ferner wird G. ein wohlwollendes Zeugnis mit der Note 2 ausgestellt.

Bis dahin war’s allerdings ein steiniger Weg. „Wir sind meilenweit von einer Einigung entfernt“, stellte Romeikat schon nach den ersten verbalen Nicklichkeiten zwischen Reich und Christian Langhorst, dem Anwalt von G., fest. Der Schlagabtausch zwischen dem Heidenheimer und dem Garmisch-Partenkirchner Juristen hatte bereits die vorausgegangenen Verhandlungen geprägt, die vor knapp einem Jahr begannen.

Nuss-Debatte neu entflammt

Schon damals erhitzten ein paar Packungen Erdnüsse die Gemüter. Diese soll der geschasste Betriebsleiter im Februar 2016 entwendet haben – behaupten Reich und seine rechte Hand Kenntner, der vor der Kammer bekräftigte: „Die Nüsse sind in Heidenheim in einem Auto gesehen worden.“ Angeblich sollen sie dort hingekommen sein, weil G. sie einem früheren Aufsichtsratmitglied geschenkt habe. „Die Nüsse waren kurz vor dem Verfallsdatum“, entgegnete Langhorst. „Die wären erst am 1. Oktober abgelaufen“, zischte Reich zurück. „Soviel zu Ihrem Wahrheitsgehalt“, ergänzte der Geschäftsmann. „Aber wegen solcher Kleinigkeiten dreh’ ich Ihnen keinen Strick daraus.“

„Atompilz über Farchant“

Apropos Kleinigkeiten: Zum Thema Nüsse meldete sich auch der Kläger zu Wort. „Die ganze Story stimmt nicht“, versicherte G., „ich habe nicht gewusst, wo die Nüsse sind“. Der Vorwurf sei genauso hanebüchen wie die Behauptung, „über Farchant ist ein Atompilz hoch gegangen“.

Soviel zu dem Kündigungsgrund Nüsse. Nun zogen Reich und Co. die Revisionsfahrt vom 22. Februar 2016 aus der Schublade. „Ein erhebliches Sicherheitsthema“, wie der Aufsichtsratsvorsitzende betonte. Ihm zufolge soll G. nach einer Fehlbedienung die Talfahrt der Kabine auf Handbetrieb umgestellt haben und diese viel zu schnell (3,5 statt einem Meter pro Sekunde) nach unten gebracht haben. „Warum macht man so was?“, fragte sich Reich. „Das ist absolut unverantwortlich und ein schwerer Eingriff in den Bahnverkehr.“ Plötzlich mischte sich G’s Nachfolgerin Birgit B. lauthals und aggressiv von den Zuschauerrängen ein. Natürlich wurde der ungefragten Österreicherin mit etwas Verzögerung vom verdutzten Richter das Wort entzogen. Reden durfte der Vorgänger von B.. Dieser bestritt diese Vorwürfe vehement: „Ich habe das nicht getan.“

„Schwer verdaubare Kost“

„Erzählen Sie doch keine Geschichten“, konterte Reich. Jetzt platzte Langhorst der Kragen. „Ich habe immer noch nicht gehört, dass Ihnen Herr Kenntner Erlaubnis zum Reden erteilt hat.“ Worauf der Jurist anspielt? Auch wenn es für Außenstehende nicht den Eindruck machte: Der eigentlich starke Mann der Karwendelbahn, der vor der Kammer das Wort ergreifen müsste, wäre eigentlich qua Amt Vorstand Kenntner. Doch der fügte sich einmal mehr in die Rolle des Statisten. Nach einer Stunde konstatierte Romeikat: „Sie legen der Kammer eine schwer verdaubare Kost vor, eine gütliche Einigung kommt wohl nicht zustande.“

Widerrufsrecht

„Machen Sie doch einen Vorschlag“, sagte Reich, um sich sogleich vom Richter belehren zu lassen. „Unklarheiten gehen zu Ihren Lasten, und es gibt viele Unklarheiten.“ Zu denken gab etwa Kenntners Vortrag, dass durch G., der Skifahrer behindert haben soll, der Karwendelbahn ein wirtschaftlicher Schaden von etwa 23 000 Euro entstanden sei. „Diese Zahlen sind nicht überprüfbar“, entgegnete Langhorst – und nicht Gegenstand dieser Verhandlung.

Das sahen Reich und Co. anders, die offenbar diese in den Raum gestellte Summe mit den Forderungen von G. verrechnen wollten. Dieser Plan scheiterte jedoch. So gingen die Karwendelbahn-Vertreter auf den Kompromissvorschlag Romeikats ein – „mit Widerrufsrecht“, wie Reich bei seinem Ja eilig hinterher schob. Schließlich müssten Summen über 10 000 Euro vom Aufsichtsrat bewilligt werden. Es kann also gut sein, dass die Akte G. selbst nach einem Jahr noch nicht geschlossen ist.

Christof Schnürer

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