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Keine Chance für Spekulanten: Das Karwendelbahn-Areal soll keineswegs gewinnbringend veräußert werden. Deshalb möchte der Marktgemeinderat – sozusagen zur Absicherung – einen Bebauungsplan auf den Weg bringen.

Wirtschaftskrimi in Mittenwald

Karwendelbahn: Gemeinde geht auf Nummer sicher

Mittenwald - Wie zwei Boxer im Ring belauern sich die Heidenheimer Reich-Gruppe und der Markt Mittenwald, die Hauptaktionäre der Karwendelbahn, und warten auf den nächsten Tiefschlag. 

Der Tagesordnungspunkt liest sich auf den ersten Blick harmlos: Bebauungsplan Nummer 47 „Im Schwarzenfeld/Alpenkorpsstraße“ (Sondergebiet Berg- und Wintersport). Doch der geplante Aufstellungsbeschluss birgt Sprengstoff in sich. Denn mit diesem Schritt, der am heutigen Dienstag (19 Uhr) im Rathaus auf den Weg gebracht werden soll, wird, wie es Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), der „Status Quo“ zementiert. Was nichts anderes bedeutet, dass die Parkplätze rund um die Karwendelbahn (Alpenkorpsstraße und Schwarzenfeld) das bleiben,was sie sind. Hornsteiner formuliert das so: „Dass diese Flächen für den Nutzungszweck gesichert werden.“

Der Rathauschef glaubt mit diesem Vorstoß den Marktgemeinderat auf seiner Seite. Eines bleibt dabei allerdings unausgesprochen: Mit den Festsetzungen im künftigen Sondergebiet Berg- und Wintersport wird möglichen Immobilien-Spekulationen ein Riegel vorgeschoben.

Wie die Verantwortlichen der Konsortium AG, die Hauptaktionärin der Karwendelbahn ist und zum Firmen-Konglomerat des Heidenheimer Unternehmers Wolfgang W. Reich gehört, dieses Vorgehen bewerten, darüber darf spekuliert werden. Eine Tagblatt-Anfrage blieb – wie so oft – unbeantwortet.

Aber der Bürgermeister, der mit den Heidenheimern seit Monaten im Clinch liegt, beteuert, dass mit diesem Schritt keinerlei Provokationen beabsichtigt sind. Die Gemeinde nutze bei dem für den regionalen Tourismus so wichtigen Bergbahn-Betrieb schlicht und einfach ihre Planungshoheit – geht auf Nummer sicher.

Hintergrund dafür ist möglicherweise die besorgniserregende Entwicklung bei der Frankfurter Kremlin AG, die auch zur Reich-Gruppe zählt. In einer Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens vom 4. Juli 2016 wird unter anderem mitgeteilt, „dass die Verhältnisse der Gesellschaft nach erster Sichtung nicht geordnet erscheinen. Geschäftsunterlagen konnten nur bruchstückhaft aufgefunden werden“. In einer weiteren Ad-hoc-Meldung ist davon die Rede, „dass Vermögenswerte der Gesellschaft verschoben wurden. In diesem Zusammenhang wurde eine Strafanzeige erstattet“.

Alles alarmierend und wenig vertrauensbildend für die Marktgemeinde Mittenwald, den zweitgrößten Aktionär der Karwendelbahn. Nicht wenige im Ort befürchten, dass diese ein ähnliches Schicksal wie die Kremlin AG erleiden könnte. „Wir betrachten jedenfalls mit großer Sorge, wie es da hinter den Kulissen aussieht“, bringt es Hornsteiner auf den Punkt.

Ferner kündigt er gegenüber dem Tagblatt an, zu diesem aktuellen Fall im Marktgemeinderat heute Stellung zu beziehen. Es steckt also viel mehr hinter dem so harmlos klingenden Tagesordnungspunkt Bebauungsplan Nummer 47.

Christof Schnürer

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