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So verlief die außerordentliche Hauptversammlung

Karwendelbahn: Das Phantom taucht auf – und schweigt

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Mittenwald/München - Es war ein Frage-Antwort-Spielchen: Doch Licht ins Dunkel der Karwendelbahn AG brachte bei der außerordentlichen Hauptversammlung niemand so recht. Auch nicht Vorstand Aniko Köpf. Jetzt geht ein Wirtschaftsprüfer ans Werk.

Aniko Köpf. Der Name steht in schwarzen Buchstaben auf einem Schild auf einem Tisch im Tagungsraum im Münchner Kolpingshaus. Eine Frau, schlank, blonde Haare, Brille, weißer Blazer setzt sich an den Platz. Ihre Mimik – streng wie ihre Hochsteckfrisur. Sie ist es. Leibhaftig. Das Phantom der Mittenwalder Karwendelbahn AG. Der Vorstand, der bisher nur auf dem Papier in Erscheinung getreten ist. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Aktiengesellschaft bekam das Phantom ein Gesicht. Und trotzdem blieb es so gut wie unsichtbar.

Aniko Köpf hielt sich vornehm zurück, überließ die Protagonisten-Rolle Mitvorstand Patrick Kenntner. Bis sie von den Anwesenden aufgefordert wurde, selbst Stellung zu den Fragen zu beziehen. Es folgte eine Unterbrechung der Versammlung. Eine von vielen, während der knapp zwölfstündigen Zusammenkunft. Die Karwendelbahn-Oberen um Wolfgang W. Reich zogen sich mehrmals zu Beratungen zurück. Dann ergriff sie das Wort: „Ich mache mir die Äußerungen von Patrick Kenntner zu Eigen.“ Punkt. Mehr nicht. Sinnbildlich für die Versammlung, bei der es auf die meisten Fragen keine Antworten gab.

Rechtsanwalt der Marktgemeinde stellt viele Fragen

Dabei löcherte Kai König Kenntner und Co. förmlich. 47 Fragen hatte der Rechtsbeistand der Marktgemeinde Mittenwald, die über 30 Prozent der Aktien hält, vorbereitet. Fragen über den überfälligen Jahresabschluss für das am 31. Oktober 2015 beendete Geschäftsjahr. Den wird es nach Auskünften des Vorstands wohl so bald nicht geben, wie die Marktgemeinde in einer Pressemitteilung schreibt. Für die Presse wurde ein Zutrittsverbot verhängt, allerdings nicht von dem dazu berechtigten Versammlungsleiter, Rechtsanwalt Boris Dürr. Das untermauert dieser auf Nachfrage.

Karwendelbahn hat Gold erworben

 Unklar blieb zudem, was es mit den Gold-Beständen auf sich hat, die die Karwendelbahn von Unternehmen der Reich-Gruppe erworben hatte. Kenntner informierte lediglich darüber, dass Gewinn damit erzielt wurde. Während der Vorstand laut Mitteilung der Gemeinde ungenehmigte Baumaßnahmen einräumte, wollte er sich dafür gar nicht zur Vergütung der Vorstände aus dem Umfeld der Reich-Gruppe äußern. Den Schwarzen Peter versuchte die Reich-Gruppe indes mehrmals einer Person in die Schuhe zu schieben: Gerhard Schöner, Aufsichtsrat und Zweitem Bürgermeister. Wehren konnte sich dieser nicht. Ihm wurde das Recht zur Stellungnahme verwehrt.

Trotz des Verlaufs der Versammlung traten die Gemeinde-Vertreter, darunter Rathauschef Adolf Hornsteiner, halbwegs glücklich die Heimreise an. Zwar habe sich sein Eindruck bestätigt, dass „bei der Karwendelbahn vieles nicht mehr so läuft, wie sich das für eine Bergbahn gehört“, zufrieden ist er dennoch.

Wirtschaftsprüfer wird Karwendelbahn unter die Lupe nehmen

Mittenwald hatte eine Anordnung erwirkt, die Tagesordnung um zwei Anträge zu erweitern. So ging es nicht nur um die Neuwahl der Aufsichtsratsmitglieder – sie wurden im Amt bestätigt. Auch die der Reich-Gruppe, gegen die Stimmen des Marktes. Die Kommune verlangte eine sogenannte Sonderprüfung durch einen externen Wirtschaftsprüfer. Und bekam Zuspruch von der Mehrheit der Aktionäre. Das Stimmrecht der Personen, die von der Prüfung betroffen sind, wurde ausgeschlossen. „Das ist schon ein Erfolg“, sagt Hornsteiner. Doch er weiß, dass es „noch nicht geschafft ist“. 

Wirtschaftsprüfer Christian Müller von der Müller Treuhand GmbH nimmt nun die Tätigkeit der Vorstände und die undurchsichtigen Rechtsbeziehungen zur Mehrheitsaktionärin, der Konsortium AG, unter die Lupe. „Das wird eine intensive Zeit“, sagt Hornsteiner. Zumal die Reich-Gruppe ihm zufolge bereits angekündigt hat, bei der Hauptversammlung Ende Oktober die Satzung zu ändern, um sich noch mehr Einfluss im Aufsichtsrat zu sichern. Eine Stellungnahme seitens der Verantwortlichen – wie gewohnt Fehlanzeige. Egal, was passiert, Hornsteiner bleibt dabei: „Der Markt wird mit allen rechtsstaatlichen Mitteln darum kämpfen, dass Schaden von der Bahn und vom Markt abgewendet wird.“

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