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Wohin geht die Reise bei der Karwendelbahn?

Ärger bei der Karwendelbahn

Technik-Chef suspendiert

Mittenwald - Bei der Mittenwalder Karwendelbahn geht es wieder mal drunter und drüber: Vier Monate nach dem Ausscheiden von Geschäftsführerin Sabine Mann soll’s nun dem Betriebsleiter an den Kragen gehen. Seit einigen Tagen ist der Mitarbeiter freigestellt.

Informationen von Seiten der Führungsebene der Karwendelbahn AG fließen schon seit längerem spärlich bis gar nicht. „Kein Kommentar“ oder „Da sag’ ich nichts“ sind die Lieblingsfloskeln von Patrick Kenntner. Der Mann, den in Mittenwald niemand kennt, gilt als Statthalter von Vorstand Wolfgang Wilhelm Reich aus Heidenheim. Selbstredend sagt Kenntner auch nichts zur aktuellen Personentscheidung: der Suspendierung des bisherigen Betriebsleiters, ausgesprochen Ende Februar.

Dieser soll aus allen Wolken gefallen sein, als er von seiner Freistellung hörte. Äußern gegenüber dem Tagblatt will er sich wohlweislich nicht, schließlich steht kommende Woche voraussichtlich ein Termin vor dem Arbeitsgericht an. Betriebsrat Stefan Sellmaier bestätigt die Suspendierung, die offenbar so weit geht, dass der freigestellte Technik-Chef nicht mal mehr das Firmengelände betreten darf. Doch Sellmaier, sonst furchtloser Streiter für die Belegschaft, schweigt ebenfalls. Kein Wunder: Auch er kämpft wegen einer Abmahnung am 21. April vor dem Arbeitsgericht in Garmisch-Partenkirchen gegen die Karwendelbahn-Bosse um sein Recht. Überall Schweigen. Die Stimmung bei den Mitarbeitern soll einem Insider zufolge schon lange hundsmiserabel sein.

Zum Glück gibt es Gerhard Schöner (CSU). Der Vize-Bürgermeister vertritt seit einiger Zeit die Marktgemeinde Mittenwald im Aufsichtsrat. Kein Zuckerschlecken, was unschwer aus Schöners Worten herauszuhören ist. „Für mich ist die Entscheidung der Vorstandschaft auf gar keinen Fall nachvollziehbar“, betont der 56-Jährige. Selbstredend ist er über die jüngste Personalentscheidung der Herren aus Heidenheim nicht informiert worden. „Doch das hätte ich im Sinne guter Zusammenarbeit erwartet.“

Das Verhältnis zwischen der Gemeinde, die knapp über 30 Prozent der Karwendelbahn-Aktien hält, und Vorstand Reich, dessen Konsortium AG mit rund 40 Prozent der Wertpapiere Hauptaktionärin ist, gilt ohnehin seit Monaten als zerrüttet. Das mag wohl auch an einem aufsehenerregenden Artikel in der Heidenheimer Zeitung („Im Reich der Manipulation“, Ausgabe vom 30. Januar 2016) liegen. Darin ist unter anderem die Rede davon, dass Reich im Februar 2014 rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verdonnert wurde. „Am Ende lautete das Urteil von Mai 2013 auf unrichtige Darstellung, falsche Angaben in sieben Fällen und Marktmanipulation in 22 Fällen“, heißt es in der Heidenheimer Zeitung. Auch hierzu wollen sich weder Reich noch sein verlängerter Arm Kenntner gegenüber dem Tagblatt äußern.

Was die Sorgenfalten von Vize-Bürgermeister Schöner nicht kleiner macht. „Ich hoffe, dass eventuelle Streitigkeiten zwischen Belegschaft und Vorstandschaft nicht auf dem Rücken der Karwendelbahn ausgetragen werden.“

Eine Aktiengesellschaft, die beinahe schon chronisch unter bedenklicher Führungspersonal-Fluktuation leidet. Binnen sieben Jahren wurden vier Technik-Chefs verschlissen. Auch die Kaufmännischen Vorstände gaben sich seit 2009 die Klinke in die Hand: Erst Stefan Meider, dann Ulrich Löcherer (interimsmäßig), dann Erhard Bender und schließlich im Oktober 2015 Sabine Mann.

Eine Chefin, die dem Vernehmen nach gut mit dem jetzt suspendierten Betriebsleiter zusammenarbeiten konnte. Doch warum wurde der Mann überhaupt freigestellt und muss sogar mit der fristlosen Kündigung rechnen? Angeblich soll er für einen Gondelunfall, bei dem eine Kabine mit der Bergstation kollidierte und Fahrgäste evakuiert werden mussten, mitverantwortlich gemacht werden. Komisch nur: Dieser Vorfall liegt siebeneinhalb Jahre (Oktober 2008) zurück.

Übrigens: Trotz der überraschenden Freistellung des Technik-Chefs fährt die Mittenwalder Karwendelbahn. Momentan haben die beiden Stellvertreter des Geschassten das Sagen. Was laut zuständiger Seilbahnaufsicht (Regierung von Oberbayern) grundsätzlich möglich ist. „Ein sicherer Betrieb ist also gewährleistet“, teilt Sprecherin Michael Krem mit. Laut Gesetz muss die Bahn „einen Betriebsleiter und mindestens einen Stellvertreter bestellen.

Christof Schnürer

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