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Bei der Karwendelbahn geht's drunter und drüber.

Schlagabtausch vor dem Arbeitsgericht

Karwendelbahn: Ex-Vorstand wird Schlüsselfigur

Mittenwald - Die ehemalige Geschäftsführerin der Karwendelbahn hat vor dem Arbeitsgericht den suspendierten Betriebsrat Stefan S. gestützt. Dieser klagt wegen einer Abmahnung.

Die beiden sind scheinbar unzertrennlich: Auch im Gerichtssaal sitzen Wolfgang Wilhelm R. und Patrick K. einträchtig nebeneinander – wohl eine echte Schicksalsgemeinschaft. In der Öffentlichkeit treten sie als Vorstand und Aufsichtsratsmitglied der Mittenwalder Karwendelbahn auf. Und als solche durften sie am Donnerstag in Garmisch-Partenkirchen die Abmahnung von Betriebsrat Stefan S. begründen. Ihm werfen sie vor, im vergangenen Jahr unberechtigterweise Winterhosen für die Belegschaft geordert zu haben.

Eine scheinbare Bagatelle mit großer Wirkung: Rund 20 Mitarbeiter wohnten der Verhandlung bei, und auch das Bayerische Fernsehen kam zum Dreh vorbei. Nicht umsonst, denn das Aufeinandertreffen des umstrittenen Vorstands mit dem vorübergehend suspendierten Mitarbeiter hatte hohen Unterhaltungswert mit teils bizarren Zügen und massiven Anschuldigungen.

Eine Schlüsselrolle nahm dabei der ehemalige Vorstand Sabine M. ein. Die Garmisch-Partenkirchnerin, die am 31. Oktober 2015 die Aktiengesellschaft verlassen hatte, stützte voll und ganz die Argumentation des Klägers. Damit erwies sie ihrem einstigen Vorstandskollegen Reich einen Bärendienst. Richter Dr. Tobias Romeikat wird aufgrund der Faktenlage am kommenden Donnerstag (14 Uhr) bei seinem Urteil wohl zu Gunsten des Betriebsrats entscheiden.

Wie gut sich der unter anderem wegen Marktmanipulation vorbestrafte R. und seine ehemalige Vorstandskollegin mittlerweile verstehen, dokumentiert eine Aussage des Heidenheimers. Als R. vom Richter gefragt wurde, ob die Zeugin vereidigt werden solle, meinte er: „Wir brauchen die Schwierigkeiten, die Frau M. hat, nicht noch größer machen.“ Raunen im Publikum. Die Zeugin nahm diese Attacke mit stoischer Ruhe zur Kenntnis. Als sie den Gerichtssaal betreten hatte, würdigte sie R. und K. keines Blickes. Auch im Zeugenstand fixierte sie nur die Richterbank.

Als sie von Romeikat gefragt wurde, ob sie dem Kläger im Sommer 2015 den Auftrag erteilt habe, Winterhosen für die Belegschaft zu bestellen, antwortete sie mit einem deutlichen Ja. „Kann es sein, dass Herr S. gegen Sie was in der Hand hat?“, fragte daraufhin Aufsichtsrat K., ohne ins Detail gehen zu wollen. „Hier hat keiner was gegen wen in der Hand“, konterte M. kurz und trocken. Daraufhin wollte R. wissen, ob „Herrn S. außerhalb des Tarifvertrags“ Gelder überwiesen worden seien. „Das sind Dinge, die an uns herangetragen wurden.“

„Bitte konkrete Fragen“, forderte Romeikat den Karwendelbahn-Vorstand auf. Langes Schweigen. Dann sagte R.: „Ich bin noch am Überlegen, ob ich’s jetzt auf den Tisch bringe oder später.“ Auf erneutes Insistieren des Richters, doch präziser zu werden, erwähnte R. „erhebliche Unregelmäßigkeiten“ im vergangenen Geschäftsjahr. „Sie sprechen nebulös“, herrschte ihn daraufhin S. Anwältin Liliane Decker an. Ihrem Mandanten wurde es ebenfalls zu bunt. In Richtung seines vorbestraften Chefs, sagte er: „Sie sind überhaupt kein Vorstand.“

Doch R. ließ nicht ab von seiner Überzeugung. Die seiner Meinung nach verbotene Hosen-Order bezeichnete er als S. „Spielchen“. „Irgendwann reißt der Geduldsfaden“, meinte er im Hinblick auf ein mögliches Strafverfahren. „Mit Staatsanwälten haben Sie ja schon einschlägige Erfahrungen“, gab Decker ihm contra.Christof Schnürer

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