+
Eine Million D-Mark Schaden: Das Eisstadion-Dach wurde von dem Sturm komplett abgedeckt.

Föhnsturm vom 4. April 1987 - Ein Augenzeuge erinnert sich

Garmisch-Partenkirchen – Wie bei einer Sardinenbüchse rollte sich das Dach vom Olympia-Eisstadion auf und stürzte schließlich auf den Parkplatz – Szenen, die Frank Simon auch heute noch vor Augen hat.

„Das war mein erster Einsatz beim THW“, erinnert sich der 44-Jährige an den 4. April 1987. Fünf Stunden wütete an diesem Samstag ein verheerender Föhnsturm über dem Landkreis, insbesondere in Garmisch-Partenkirchen hinterließ er ein Bild der Zerstörung und einen Millionenschaden.

„Zunächst haben wir gedacht, dass wir das Dach noch mit Sandsäcken sichern können“, erzählt Simon, der mittlerweile Stellvertretender Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks in Garmisch-Partenkirchen ist. Als er und seine Kameraden sich dann bei heftigen Windböen – „die kamen mit 150 bis 180 Kilometern pro Stunde daher“ – nur noch flach hinlegen und ihre Helme festhalten konnten, war klar, dass sie auf dem Stadiondach nichts ausrichten würden. „Der damalige Garmischer Feuerwehr-Kommandant, Hans Baumer, hat gesagt, dass wir sofort runterkommen sollen.“ Den Einsatzkräften blieb somit nichts übrig, als das Gelände weiträumig abzusperren – und abzuwarten. Gegen 15 Uhr krachte die 6000 Quadratmeter große Blechhaut des Isolierdachs samt der gelben Wärme-Dämmplatten auf den Parkplatz vor der Halle – Sachschaden: rund eine Million D-Mark – und begrub einige Autos unter sich. Ein Augenblick, den Simons Vater zufällig mit der Videokamera festgehalten hatte.

Frank Simon erinnert sich noch gut an seinen ersten THW-Einsatz.

Einen aufmerksamen Schutzengel hatte eine Frau, die sich dem Garmischer Tagblatt zufolge zu dieser Zeit in der Nähe der Unglücksstelle befand, aber mit leichten Blessuren davonkam. Herabstürzende Teile richteten nicht nur in Garmisch-Partenkirchen, wo der Sturm etliche Häuser und auch das Clausing’s Posthotel abgedeckt hatte, schlimme Schäden an. In Unterammergau erlitt ein Mann durch herabstürzende Dachziegel schwere Verletzungen. In Schlehdorf (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) gab es sogar eine Tote.

Die Einsatzkräfte waren an diesem Wochenende vor 25 Jahren landkreisweit im Dauereinsatz, auch um zahlreiche umgestürzte Bäume zu beseitigen. „Wir mussten uns sogar erst einmal den Weg zum THW-Heim freiräumen“, sagt Simon. Betroffen waren unter anderem die Bahnstrecken nach Mittenwald und Griesen, die Wankbahn und der Adamswiesenlift am Hausberg. Auch in den Wäldern rasierte der heftige Sturm hunderte Bäume ab. Aus Sorge, dass nach dem Föhnsturm starker Regen einsetzen und zu Hochwasser führen könnte, holten Simon und seine Kameraden etliche Bäume aus der Loisach, die sich unter der Arri-Brücke in der Breitenau verkeilt hatten. „Die Stämme haben wir mit der Seilwinde rausgeholt.“

So plötzlich, wie der Orkan aufgezogen war, so schnell war er auch wieder verschwunden. Gegen 17 Uhr war der Spuk vorüber. Die Beseitigung der Schäden beanspruchte die Rettungskräfte allerdings noch wesentlich länger. „Am Sonntag haben wir dann das Dach vom Eisstadion zerkleinert“, erzählt Simon. Stücke der gelben Dämm-Matten seien aber noch lange an den verschiedensten Stellen im Ort aufgetaucht. Die Dachdecker jedenfalls hatten nach dieser Naturkatastrophe alle Hände voll zu tun: Sie mussten Dutzende Häuser im Landkreis wieder mit einer stabilen Eindeckung versehen.

Das Eishockeyspiel SC Riessersee gegen Frankfurt, das wegen des zerstörten Eisstadion-Dachs abgesagt werden musste, wurde übrigens schon zwei Tage nach dem Föhnsturm nachgeholt. Die Begegnung fand jedoch nicht in Garmisch-Partenkirchen, sondern in Füssen statt.

Tanja Brinkmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autoslalom: Unterammergau lehnt Asyl ab
Erneuerter Rückschlag für den AC Oberammergau. Bei der Suche nach einer Alternative für seinen Autoslalom wollte derVerein an die alte Stätte zurückkehren. Doch dagegen …
Autoslalom: Unterammergau lehnt Asyl ab
Pointen-Champion kommt aus Mittenwald
Toni Sponsel hat‘s drauf: Bei der Oberbayerischen Witze-Meisterschaft in Ebersberg trumpfte die Mittenwalder Stimmungskanone groß auf und holte den Titel.
Pointen-Champion kommt aus Mittenwald
Fall Sichart: Brandbrief der Verkehrsamts-Leiterinnen
Alexandra Sichart bekommt nach ihrer gescheiterten Bewerbung um den Chefposten der Tourist-Information Murnau, der sie eine Kündigung folgen ließ, Rückendeckung von …
Fall Sichart: Brandbrief der Verkehrsamts-Leiterinnen
Massive Kritik an Passions-Entscheidungen
Drei Wochen nach der Spielerwahl in Oberammergau hagelt es Kritik an Christian Stückl. Die Freien Wähler werfen ihm Ausgrenzung und Intransparenz vor. „Die wollen …
Massive Kritik an Passions-Entscheidungen

Kommentare