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Ausnahmsweise fand die Dauerausstellung „Die Kehrseite der Medaille“ im Skistadion zahlreiche Besucher. Im Rahmen von „Kultur vor Ort“ tauchten sie ein in die tragische Olympia-Geschichte von Garmisch-Partenkirchen im Jahr 1936.

Zu wenig Werbung für das Erinnern an Olympia 1936

Kaum Besucher in der Ausstellung "Die Kehrseite der Medaille" 

Garmisch-Partenkirchen - Nur wenige bis gar keine Besucher finden in der Regel den Weg in die Dauerausstellung "Die Kehrseite der Medaille" zu Olympia 1936 im Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Die Initiatoren suchten nun nach Gründen. 

Die Ausstellung ist interessant, lehrreich, schockierend und faszinierend – dennoch schaut sie kaum einer an. Als die Schau „Die Kehrseite der Medaille“ über die zwei Seiten der IV. Olympischen Winterspiele von 1936 im Garmischer Kurhaus beheimatet war, zählte sie zwischen 2011 und 2013 immerhin 1700 Besucher. „Jetzt jedoch ist die Zahl so gering, dass ich sie nicht einmal nennen will.“ Das sagte Initiator Alois Schwarzmüller im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Kultur vor Ort“ für Bürger und Gäste. Sie machte nun Station im Olympia-Skistadion, wo die Dauerausstellung mittlerweile untergebracht ist. Den Abend nutzten Schwarzmüller und die weiteren Autoren der Schau, Gemeinde-Archivar Franz Wörndle, Josef Ostler und Peter Schwarz auch, um nach Gründen für das geringe Interesse zu suchen – das an diesem Tag außergewöhnlich hoch war.

Generell monierte Wörndle, dass zu wenig, genauer gesagt gar keine Werbung für die Ausstellung gemacht werde. Dafür sei Gapa-Tourismus zuständig, „und für die ist anscheinend vieles wichtig, aber nicht das historische Erinnern“. Die Eintrittspreise dürften nicht Schuld sein. Die Gebühr ist mit 2,50 Euro für Einheimische nicht besonders hoch. Bei Öffnungszeiten von 10 bis 16 Uhr könnten samstags und sonntags auch Berufstätige die Schau besuchen. „Man findet ja nicht einmal den Eingang“, sagte eine Dame, die sich als Zweitwohnerin erwies und wohl einen der Nägel auf den Kopf traf: An der Osteinfahrt zum Stadion weist nur eine weiße Schrift auf dem durchsichtigen Glas einer Tür unauffällig auf die Ausstellung hin.

Unmenge an Original-Schriftstücken und informative Schautafeln

Wer doch den Weg findet, bekommt anhand einer Unmenge an Original-Stücken und informativen Schautafeln einen Einblick, wie die sportliche und organisatorische Faszination der Wintersport-Weltspiele von den Machthabern des Nationalsozialismus als Deckmantel für ihre Diktatur missbraucht wurde. „Sie bediente sich des Sports zu Propagandazwecken“, sagte Schwarzmüller. „Die runden Schilder ,Juden unerwünscht‘, die sonst überall hingen, waren nur für die zehn Olympia-Tage abgehängt.“

Im Gespräch mit SPD-Gemeinderat und Kulturreferent Peter Allmann und den Besuchern erzählte der pensionierte Geschichtslehrer von seinen Motiven für die Schau: „Mich haben immer die Schüler gefragt, ob es denn stimmt, dass hier in Garmisch-Partenkirchen das Dritte Reich praktisch nicht stattgefunden hat.“ Schwarzmüller antwortete ihnen: „Geht zu den Eltern und Großeltern und fragt die.“ In die folgenden Unterrichtsstunden brachten alle Schüler ein Ergebnis mit: „Die Eltern wissen nichts und die Großeltern sagen nichts.“ Also durchforstete er mit ihnen die Archive – und fand eine Fülle an Material.

Wolfgang Kaiser

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