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Betroffene: Rund 30 Interessierte, meist Landwirte und Waldbesitzer, sind zu der Vorstellung des Management-Plans fürs Gebiet Im Gsott gekommen. Die den Vorträgen folgende Diskussion mit den Behördenvertretern ist sachlich und ruhig.

Natura 2000: Managementplan „Im Gsott“

„Beim nächsten Mal müsst Ihr Euch wärmer anziehen“ 

Schwaigen/Bad Kohlgrub – Es war ja „nur“ das Gsott, also harmlos, weil sich dieses FFH-Gebiet am Risskopf zum größten Teil ohnehin auf Staatsflächen befindet. Als am Donnerstag in Bad Kohlgrub der Managementplan für dieses Areal am Hörnle vorgestellt wurde, ging es somit ruhig zu. Allerdings warnten die Landwirte und Waldbesitzer vor: „Wenn es irgendwann um die großen FFH-Flächen westlich des Staffelsees geht, müsst Ihr Euch schon wärmer anziehen.“

Die Diskussion war konstruktiv, die Kritik – relativ – harmlos. Während beispielsweise in Mittenwald oder Unterammergau bei den Vorstellungen der Entwürfe der Managementpläne für die jeweiligen FFH-Flächen (Fauna-Flora-Habitat; EU-Schutzflächen Natura 2000) die Wellen hochschlugen, verhielten sich die am Donnerstagabend im Sitzungssaal der Gemeinde Bad Kohlgrub erschienen Landwirte, Grund- und Waldeigner erstaunlich ruhig. 

Kein Wunder. Denn vom Managementplan für das Bergsturz-Gebiet „Im Gsott“ am Risskopf (Hörnle-Massiv) sind sie so gut wie nicht betroffen. Rund 90 Prozent des zirka 92 Hektar großen Areals soll, so hieß es in der Runde, ohnehin in Staatsbesitz sein. Alle zu ergreifenden Maßnahmen für die gefundenen Schutzgüter in den verschiedenen Lebensraumtypen und etwaige Folgemaßnahmen haben also keine großen Auswirkungen und Einschränkungen auf die verbleibenden, wenigen Privateigner.

Während der Erstellung der so genannten Managementpläne für die bereits Anfang der 2000er-Jahre ausgewiesenen EU-Schutzflächen (FFH) seien diese Areale in den vergangenen Jahren nun kartiert, deren Zustand dokumentiert und bewertet und eventuelle Maßnahmen festgehalten worden, erklärte Thomas Eberherr, Teamleiter von Natura 2000 an der Regierung von Oberbayern. Alle Maßnahmen seien nur für Behörden verbindlich, für alle anderen freiwillig. Allerdings gelte für alle das so genannte Verschlechterungsverbot. Insgesamt sei das Gebiet „Im Gsott“ in einem guten Zustand, was nicht zuletzt der guten Arbeit der Landwirte und Waldbesitzer zu verdanken sei. 

Lob hin oder her. Ein bisschen Gegenwind bekamen die Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg (zuständig für die Kartierung der Waldflächen) und die Vertreter der Regierung von Oberbayern (zuständig für die Offenflächen) von diesen dann schon zu spüren. 

Eines der „Im Gsott“ gefunden Schutzgüter ist nämlich beispielsweise die Gelbbauchunke, die sich liebend gern in Pfützen und Fahrrillen von Traktoren aufhält. „Ja soll ich da bei jeder Pfütze absteigen und nachschauen, ob da was drin ist?“, fragte etwa Michael Gindhart, Landwirt und Gemeinderat aus Bad Kohlgrub. „Und warum kann ich nicht selbst entscheiden, wo ich in meinen Wäldern Totholz stehen lasse und wo nicht?“, fragte er. Auch Landwirt und Jagdvorsteher Anton Degele ließ die Behördenvertreter nicht ungeschoren davonkommen. „Heute ist es ruhig. Wenn es aber dann einmal um die FFH-Flächen westlich des Staffelsees geht, müsst Ihr Euch schon wärmer anziehen.“ Vor 15 Jahren sei den Landwirten diese FFH-Fläche (2526 Hektar, Anm. der Red.) einfach übergestülpt worden, dort befänden sich zu 95 Prozent Wirtschaftswälder und Grünlandwiesen für Viehfutter. So gut wie alle Einsprüche seien damals abgelehnt worden. „So geht das nicht. Wie kommt die Staatsregierung eigentlich darauf zu meinen, dass sie es besser kann, als die Landwirte, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte die Flächen schon naturnah bewirtschaftet haben?“, fragt Degele. Die jetzt auf einmal praktizierte offene Informationspolitik würde da auch nicht mehr helfen.

Dr. Alfred und Ingrid Wagner vom beauftragten Büro für angewandte Landschaftsökologie in Unterammergau stellten sodann die gefundenen Schutzgüter in den zirka 40 Hektar Offenflächen des Gebiets „Im Gsott“ vor. Als Lebenraumtypen wurden unter anderem Kalkmagerrasen, Kalktuffquellen, kalkreiche Niedermoore und Kalkfelsen festgestellt, deren Zustand von drei Bewertungsmöglichkeiten in den meisten Fällen als gut eingestuft wurden. Über 100 Rote-Liste-Arten seien gefunden worden, unter anderem die Kreuzotter die gestreifte Quelljungfer, die Helmazurjungfer, centgroße Primelgewächse oder das Sumpfglanzkraut. Mit der Wahl des richtigen Mähzeitpunktes und kleineren Offenhaltungsmaßnahmen sei für deren Fortbestand schon viel getan.

Anna Deischl vom AELF Ebersberg stellte die gefunden Lebensraumtypen im Bereich Wald und deren Zustände vor. Im Gsott gebe es den subalpinen Fichtenwald, den Waldmeister-Buchenwald, den Grauerlen- und den Schwarzerle-Eschen-Auwald. Die Zustände mussten hier teilweise mit c, also mit schlecht bewertet werden. Als Folgemaßnahmen müssten an manchen Stellen Verjüngungsmaßnahmen, Regulierungen des Wildbestandes (wegen Verbiss) und im Falle des gefundenen Frauenschuhs Besucherlenkungen angedacht werden.

Michaela Sperer

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