Hinein ins Grüne sind die Athleten schon beim Neujahrsspringen 2015 geflogen. Für 2015 sucht der Skiclub Partenkirchen noch nach Schnee. Foto: kornatz

Kein Schnee aus Tirol: SCP-Chef wütend

Garmisch-Partenkirchen/Leutasch - Die Not ist groß. Michael Maurer bettelt vor dem Neujahrsspringen um Schnee. Doch die Tiroler Nachbarn geben nichts her - und Maurer ist stinksauer.

Echte Freunde stehen in der Not zusammen, helfen sich, sind füreinander da. Nichts von alldem aber spürt Michael Maurer derzeit. Dabei hatte er so fest auf seine Partner und - vermeintlichen - Freunde in der Olympiaregion Seefeld gehofft. „Aber in der Not erkennst Du halt Deine wahren Freunde.“ Der Chef des Skiclubs Partenkirchen ist maßlos enttäuscht.

Noch am Donnerstag hatte er sich wie ein Bub über das geheime Schneedepot - niemandem hat er das Versteck verraten - gefreut. Vor allem weil er fest davon ausgegangen war, etwas davon zu bekommen für sein Neujahrsspringen (wir berichteten). Am Freitag aber kam die Ernüchterung: die Absage. Kein Bröserl Schnee aus der Olympiaregion Seefeld, genauer aus dem Gaistal in der Leutasch, wird zur Großen Olympiaschanze gekarrt. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, sagt Maurer. Er erinnert bei der Gelegenheit an die Geschichte der Vierschanzentournee: Die Idee hatten die Mitglieder der Skiclubs Partenkirchen und Innsbruck; sie verband eine enge Freundschaft. „Die Gründungsväter der Tournee würden sich im Grabe umdrehen“, würden sie von der Entscheidung erfahren. Davon ist Maurer überzeugt. Zumal sein Skiclub den Schnee zurückgeben würde.

Auf der anderen Seite der Landesgrenze zeigt man Unverständnis für Maurers Wut. Markus Graf, Tourismusdirektor der Olympiaregion, hatte bis Freitagnachmittag noch nicht mit Maurer gesprochen, erfuhr durch Dritte von der Missstimmung - und kann sie nicht nachvollziehen. Der natürliche Menschenverstand müsse jedem klarmachen: „Bei aller Liebe: Wir können unmöglich Schnee hergeben.“

Die Region benötigt die weiße Pracht für ihre Loipen: In Seefeld messen sie Graf zufolge derzeit maximal zwei Kilometer, in der Leutasch sind’s gerade mal 500 Meter. „Von Loipe kann man also gar nicht wirklich reden.“ Mit den etwa 1000 Kubikmetern Schnee im Gaistal will der Tourismusdirektor beide Strecken verlängern, damit seine Gäste zumindest ein wenig Langlaufen können. „Ich kann die Leut’ nicht zum Nordic Walking schicken, nur weil das Neujahrsspringen stattfindet.“ Er müsse zuerst an seine Gäste und die 17 000 Betten in der Region denken - die nicht wegen der Vierschanzentournee kämen. Graf ist überzeugt: Hätte er den Nachbarn mit dem knappen Gut Schnee ausgeholfen: „Das gäbe einen Aufstand.“ Moralisch hält er das gegenüber den Vermietern für nicht vertretbar. „Da kann man doch nicht böse sein.“

Maurer ist’s - und bleibt’s wohl erst einmal auch. Zu viel steht für ihn auf dem Spiel. Die paar Hundert Kubikmeter Schnee, um die er die Leutascher gebeten hatte, hätten ihm enorm geholfen, das Skispringen wohl gesichert. Jetzt muss er auf Minustemperaturen in der Nacht auf Montag hoffen. „Höchstwahrscheinlich“ kommen die auch. Das versicherten ihm die Experten von der Wetterwarte.

Dann werden alle Schneekanonen angeworfen: in Kaltenbrunn, am Gudiberg, im Classic-Skigebiet. Hinzu kommt der Eis-Abrieb, den die Eishallen in den Nachbarlandkreisen für den SCP sammeln.

Gesetz dem Fall, die Temperaturen sinken nicht unter Null - was dann? „Dann haben wir am Montag eine andere Situation“, sagt Maurer. Noch setzt er sich nicht damit auseinander.

(Katharina Bromberger)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Baubeginn 2020: Garmisch-Partenkirchen reagiert auf Wohnungsnot
Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland knapp. In vielen Städten und Gemeinden herrscht echte Wohnungsnot – auch in Garmisch-Partenkirchen. Das will der Markt ändern. …
Baubeginn 2020: Garmisch-Partenkirchen reagiert auf Wohnungsnot
StoV-Gelände Mittenwald: Nichts Neues aus Bonn
Das ehemalige Gelände der Standortverwaltung liegt weiter brach. DieGemeinde Mittenwald, die eine Erstzugriffsoption besitzt, drängt die zuständige Bundesanstalt für …
StoV-Gelände Mittenwald: Nichts Neues aus Bonn
Uralte Tradition: Wenn die Glocken fliegen, wird in Garmisch geratscht
Sie wird heuer 100 Jahre alt, ist aber immer noch aktiv im Einsatz: Die Ratsche aus dem Hause Ostler rattert am Karfreitag ab 6 Uhr im Ortsteil Garmisch. Hinter dem …
Uralte Tradition: Wenn die Glocken fliegen, wird in Garmisch geratscht
Grainau wird vom Verkehr überrollt: CSU plant Aktion - und wählt bewusst eine spezielle Zeit
Er ist und bleibt das größte Problem in Grainau: der Verkehr in der Loisach- und Eibseestraße. Um das Ausmaß der rollendenKolonnen deutlich zu machen, wird eine Aktion …
Grainau wird vom Verkehr überrollt: CSU plant Aktion - und wählt bewusst eine spezielle Zeit

Kommentare