Was soll im Kemmelpark angesiedelt werden? Diese Frage beschäftigt seit Jahren die Murnauer Ortspolitik. Hier ist die Zufahrt zu dem Wirtschaftsareal zu sehen, im Hintergrund der Neubau auf der „Barbarakeller“-Anhöhe. Foto: Kolb

Keine Arztpraxen im Kemmelpark?

Murnau - Im Murnauer Gemeinderat bahnt sich eine Debatte über eine weitere Verschärfung der Einschränkungen an, die in dem Gewerbegebiet Kemmelpark gelten.

Der Murnauer Gemeinderat steuert in Sachen Kemmelpark auf die nächste Grundsatzdebatte zu: Es geht um die Frage, ob in dem Gewerbegebiet die Ansiedlung von Arztpraxen weitgehend untersagt werden soll. Dahinter steckt die Befürchtung vieler Volksvertreter, dass Mediziner das Ortszentrum verlassen könnten, dieses dadurch an Attraktivität verliert und geschwächt wird.

Es ist noch nichts entschieden. Aber eine erste Tendenz wurde in der letzten Sitzung des Kommunalparlaments im abgelaufenen Jahr deutlich. Das Gremium beschloss mit breiter Mehrheit, dass in dem Neubauvorhaben „Barbarakeller“ (ehemaliges Al Castagno) Praxen tabu sind. Auf der Anhöhe, die sich in direkter Nachbarschaft zu dem einstigen Kasernenareal befindet, entsteht ein Gebäudekomplex mit einer Gaststätte und Wohnungen (wir berichteten). Es wäre konsequent, wenn diese Nutzungseinschränkung auch im Kemmelpark zur Anwendung kommt. Damit würde man die Vorgaben, die dort gelten, verschärfen. Zur Erinnerung: Der Gemeinderat hat sich bereits gegen weitere Einzelhandelsflächen ausgesprochen und dies im Bebauungsplan verankert, um Murnaus „gute Stube“ vor zusätzlicher Konkurrenz zu schützen.

Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) kündigte in der besagten Sitzung an, dass seine Fraktion möglicherweise einen entsprechenden Antrag stellen wird. Das ÖDP/Bürgerforum drängt offenbar auf einen harten Kurs. Eine Praxis werde im Schnitt von etwa 80 Patienten pro Tag aufgesucht, rechnete Guntram Gattner vor, der der politischen Gruppierung angehört und im Obermarkt eine Buchhandlung betreibt. „Das ist eine ganz wichtige Funktion für die Innenstadt.“ Denn, so sein Argument, jeder Patient bringe auch Kaufkraft mit. Sollten Ärzte abwandern, hätte dies für den Ortskern negative Folgen.

„Wir müssen etwas tun, damit das Zentrum funktioniert“, meint auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Er könne sich im Kemmelpark als Ausnahme allenfalls eine Radiologie vorstellen. Eine solche Facheinrichtung sei aufgrund der großen Gerätschaften nur schwer in den Altbauten des Zentrums unterzubringen.

Doch es gibt auch Kommunalpolitiker, die das Ganze nicht so dramatisch sehen und für medizinische Angebote im Kemmelpark, etwa in Form eines Ärztehauses, plädieren. Dazu zählt Michael Hosp (CSU). Ihm geht die restriktive Politik zu weit. „Wir tun uns nichts Gutes, wenn wir alles verbieten“, warnte er. Man wolle auf dem Gelände mit vielen freien Flächen kein lautes Gewerbe, keinen weiteren Einzelhandel und jetzt auch keine Arztpraxen. „Wir treiben das bis zum Exzess. Was wollen wir dort noch unterbringen?“, fragte Hosp in die Runde. Der Architekt gehörte auch zu den Befürwortern eines Ärztehaus-Konzepts, das im November der Murnauer Steuerberater Dr. Ralf Schauer zusammen mit einem Projektentwickler aus München vorstellte. (as)

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