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Informiert die Bürger: Rathaus-Chef Anton Kölb. Ihm zur Seite steht Landrat Anton Speer mit seinen Mitarbeitern.

Üble Gerüchte im Dorf

Keine Asyl-Unterkunft in Eschenloher Turnhalle

Eschenlohe - Entwarnung für Eschenlohe: Die Turnhalle wird vorerst nicht als Asylbewerber-Unterkunft beschlagnahmt. 

Die Gefahr, dass die Eschenloher Turnhalle vom Landkreis für die Unterbringung von Flüchtlingen beschlagnahmt wird und hierfür aufwändig umgebaut werden muss, ist für die nächste Zeit gebannt. Dies hat Landrat Anton Speer (Freie Wähler) bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde zum Thema Asyl im Gasthaus „Zur Brücke“ vor rund 120 Besuchern betont.

Nachdem ein Objekt an der Heidestraße mit vier Familien belegt worden sei (von 19 Personen sind bereits 15 eingezogen) habe Eschenlohe vorerst sein Soll erfüllt. „Wir werden jetzt andere Gemeinden in die Pflicht nehmen, die noch keine Asylbewerber untergebracht haben“, sagte Speer. Nach seinen Worten leben gegenwärtig 959 registrierte Flüchtlinge im Landkreis. „Die Prognose der Regierung von Oberbayern lautet, dass wir bis zum Jahresende 2200 bis 2300 Flüchtlinge im Landkreis unterbringen müssen. Hier sind alle Gemeinden in der Pflicht.“

Speer zeigte sich „zuversichtlich, dass sich bis zum Jahresende einiges tut“, meinte er mit Blick auf die Bundespolitik. „Und dann schauen wir, wie sich die Flüchtlingszahlen bis dahin entwickeln.“ Für seine Behörde, insbesondere für das Sozial- und das Ausländeramt, sei der große Zustrom von Asylbewerbern eine „enorme Herausforderung“. Über die aktuelle Situation in Eschenlohe informierte der Leiter des Ausländeramtes, Florian Hibler. So stammten zwei der vier in der Heidestraße untergebrachten Familien aus Syrien, und jeweils eine aus Afghanistan und Aserbaidschan. Drei Familien sind schon eingezogen, eine kommt in Kürze. Insgesamt würden vier Männer – allesamt Familienväter – sechs Frauen und neun Kinder dort leben. Als Berufe der Erwachsenen nannte er unter anderem Maler, Friseurin, Ingenieur, Krankenschwester und Kinderpflegerin.

Von seinen monatelangen Bemühungen, in Eschenlohe geeignete Unterbringungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge zu finden, berichtete Bürgermeister Anton Kölbl (CSU). Mal sei ein Objekt an der Mühlstraße, mal an der Mineckstraße im Fokus gestanden. Auch sprach Kölbl die Gemeinderatssitzung im Dezember an, in deren Vorfeld Flugblätter verteilt und zahlreiche Vorwürfe der Besucher gegen die Verwaltung laut geworden waren. Er könne zwar nachvollziehen, dass sich die Bürger Sorgen machen. Aber: „Nicht ein einziger von ihnen hat bei mir persönlich vorgesprochen, um sich etwas erklären zu lassen.“ Inzwischen sei in Eschenlohe „eine Menge Unfug im Umlauf“.

Dass die Stimmung im Land seit den Silvester-Ereignissen in Köln etwas umgeschlagen sei, bedauerte der Murnauer Polizeichef, Erster Polizeihauptkommissar Joachim Loy. Er wies zum wiederholten Male darauf hin, dass ihm in seinem Dienstbereich keinerlei Übergriffe von Flüchtlingen auf die Bevölkerung bekannt seien. Vehement wehrte er sich gegen den Vorwurf eines Zuhörers, der Polizei sei in Sachen Flüchtlinge ein Maulkorb verpasst worden: „So wahr ich hier stehe, es wird jede Straftat bei uns angezeigt und an die Presse weitergegeben.“

Die Frage eines anderen Besuchers, ob die Asylbewerber Muslime seien, oder ob er sie mal zu einem Bier einladen könne, beantwortete Hibler: „Alle sind Muslime, aber ich glaube, dass ein Bier eher kein Problem für sie wäre – dafür aber der Verzehr von Schweinefleisch.“ Eine Frau forderte, dass die Gesetze endlich eingehalten werden sollten, andere Anwesende kritisierten die Bundesregierung für ihre aktuelle Politik. „Wir haben im Landkreis überhaupt keinen Handlungsspielraum, und können nur Druck von unten machen“, erklärte Hibler dazu. Für den Helferkreis, der zurzeit rund 25 Personen umfasst, war Gemeinderat Dr. Martin Hofmeister erschienen. Übersetzer und Paten seien bereits gefunden, Arztbesuche und Einkäufe organisiert worden, sagte er. Auch der Sprachunterricht funktioniere: „Er wird sehr gut angenommen.“ Im Falle irgendwelcher Probleme mit den Flüchtlingen in der Heidestraße sollten sich die Bürger an ihn persönlich wenden, bat Kölbl noch. „Somit können nicht erst irgendwelche unwahren Gerüchte entstehen.“

Heino Herpen

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