+
Prominenter Besuch: Bundesminister Alexander Dobrindt (r.) wird von Eike Gudat im Offiziersheim begrüßt.

Klare Positionen beim Mittenwalder Neujahrsempfang

Minister Dobrindt rüffelt EU-Partner

Mittenwald - „Die Welt wird komplizierter.“ Für Alexander Dobrindt steht das angesichts vieler ungelöster Fragen felsenfest. Er stimmte in Mittenwald nachdenkliche Worte an.

Seinen Nimbus als schwarzer Scharfmacher hat Alexander Dobrindt (45) spätestens vor zwei Jahren abgelegt – damals als er für seine treuen Dienste als CSU-Generalsekretär von Parteichef Horst Seehofer mit einem Ministeramt in Berlin belohnt wurde. Seitdem gibt sich Dobrindt bei öffentlichen Anlässen im feinen Maßanzug und Designer-Brille weitaus staatstragender. Vorbei die Zeiten als hemdsärmeliger Einpeitscher christlich-sozialer Positionen.

Doch beim Neujahrsempfang am Donnerstag im Mittenwalder Offiziersheim schlug der Verkehrsminister angesichts der ungelösten Flüchtlingskrise auch deutliche Worte an – beispielsweise in Richtung der EU-Partnerländer, die Deutschland mit dem Problem scheinbar alleine lassen. „Momentan habe ich das Gefühl, dass Solidarität in Europa eine Einbahnstraße ist“, sinnierte der Peißenberger. „Alles hat seine Grenzen“ – sei es der Wohnungs- und Arbeitsmarkt oder die Sozialsysteme der Bundesrepublik. „Dann muss auch der Flüchtlingsstrom eine Obergrenze haben“, wiederholte er eine Forderung seines Mentors Seehofer, der dafür schon viele Nackenschläge kassieren musste. Selbst ein überzeugter Europäer wie Dobrindt, der von Kindesbeinen an die Vorzüge eines geeinten Kontinents erfahren durfte, kann deshalb eine gewisse Enttäuschung über die Solidargemeinschaft nicht verhehlen. Daher müsse „Deutschland in der Lage sein, auch nationale Maßnahmen zu ergreifen“.

Auch Dobrindts Parteifreund, der Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner, bezog beim Thema Flüchtlinge klar Position: „Wir können nicht die ganze Welt bei uns aufnehmen“, verdeutlichte er bei seiner Neujahrsansprache. Den Exodus von Millionen kriegsgeplagter Menschen bezeichnete der Rathauschef als „eine Erfahrung unbekannten Ausmaßes“. Immerhin: Für die etwa 100 Asylbewerber, die momentan in zwei Mittenwalder Anwesen untergebracht sind, kann Hornsteiner vermelden: „Es läuft sehr unkompliziert“ – nicht zuletzt dank des Engagements vieler ehrenamtlicher Helfer. „Trotzdem bin ich froh, dass der Ministerpräsident die Dinge anspricht, auch wenn sie unbequem sind.“ Klare Worte zu einem hochheiklen Thema.

Intensive Gedanken über die weltpolitische Lage hatte sich auch Gastgeber Eike Gudat, der den erkrankten Kommandeur Oberst Michael Warter vertrat, gemacht. Gudat, stellvertretender Befehlshaber des Bataillons 233, erfüllt es etwa mit Sorge, dass „ein wiedererstarktes Russland“ offenbar ein Bündnis mit dem syrischen Assad-Regime einzugehen scheint. Auch der nicht zu bändigende Terror der afghanischen Taliban und des Islamischen Staates (IS) im arabischen Raum bereiten dem Oberstleutnant Kopfzerbrechen. „Das sind die wirklichen Herausforderungen, die es zu regeln gilt.“

Wie sehr die weltpolitische Lage auf Mittenwald ausstrahlt, zeigt der Auftrag der Gebirgsjäger für 2017. Ein komplettes Jahr wird das Bataillon 233 im nordafrikanischen Mali und Somalia im Einsatz sein. „Nicht zuletzt um die Sicherheitslage in diesen Ländern zu stabilisieren und den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom an seinen Ursachen zu packen“, verdeutlichte Gudat.

„Ein Punkt, bei dem wir auch über den technologischen und personellen Ausbau der Bundeswehr sprechen müssen“, ergänzte zu diesem Thema Bundesminister Dobrindt.

Die globalisierte und vernetzte Welt ist in der Tat nicht einfacher geworden. Das spürten die Besucher – trotz schmackhafter Kartoffelsuppe und dem heimeligen Zitherspiel des Bürgermeisters. Christof Schnürer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tage der Loisachbrücke sind gezählt
Es ist ein finanzieller Kraftakt, den Farchant in diesem und im kommenden Jahr stemmen muss. 3,42 Millionen Euro sind für die neue Loisachbrücke samt Verbesserung des …
Tage der Loisachbrücke sind gezählt
Ettaler Berg: Motorradfahrerin donnert gegen Felswand
Mit Verletzungen im Brustbereich musste eine Münchnerin ins Krankenhaus gebracht werden. Diese hatte sie bei einem Unfall am Ettaler Berg erlitten.
Ettaler Berg: Motorradfahrerin donnert gegen Felswand
Oberammergau darf wieder Schulden machen
Oberammergau - Um über die Runden zu kommen, braucht Oberammergau heuer einen  Kredit. Nach langer Prüfung gibt es dafür die Zustimmung der Fachbehörden. Nun braucht es …
Oberammergau darf wieder Schulden machen
Mann entführt Tochter aus Gericht
Seine einjährige Tochter hat ein Mann aus Somalia der Mutter entrissen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er das Kind verschleppen wollte. So weit kam es aber nicht.
Mann entführt Tochter aus Gericht

Kommentare