Bis auf weiteres bietet der Pürschling Bergsteigern keine Möglichkeit zum Übernachten.

Brandschutz nicht gewährleistet?

Alpenverein macht Schlaflager am Pürschling dicht

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Zuerst waren es die Wanzen, jetzt der offenbar  unzureichende Brandschutz: Der Pürschling bleibt in den Schlagzeilen.

Unterammergau – Seinen Humor kann Hubert Spindler so schnell keiner nehmen: „Ich bin halt ein Grünseher.“ In Anlehnung an die Farbe grün als Zeichen für Hoffnung und als Gegenpol zum Schwarzseher. Optimismus und gute Laune sind beim „Hubbi“ Programm. Der 45-Jährige: „I reg’ mi ned über was auf, was i sowieso ned ändern ko.“ Seit siebeneinhalb Jahren führt der Unterammergauer nunmehr zusammen mit seiner Lebensgefährtin Christine Claussen das Pürschlinghaus (1566 m) über Unterammergau, doch die vergangenen Monate waren alles andere als einfach für die Wirtsleute.

Zunächst wurde im Herbst vergangenen Jahres im Bettenlager der Berggaststätte ein massiver Befall von sogenannten Bettwanzen festgestellt, was dazu führte, dass die Hütte den kompletten Winter über geschlossen wurde, um die blutsaugenden Tierchen die Nahrung zu entziehen. Auch durch die Kälte verendeten viele. Die Maßnahme fruchtete, das Nachtquartier war im Mai dieses Jahres wieder frei von Wanzen. Nachdem das Pächter-Paar durch die Schließung über ein halbes Jahr keine Einnahmen hatte, wollten Hubbi und Christine nun wieder mit Schwung den vollen Betrieb aufnehmen. Doch da plötzlich spielte die Alpenvereinssektion Bergland, der das Pürschlinghaus gehört, nicht mehr mit.

Wirt darf keine Übernachter mehr annehmen

Nach wenigen Tagen, als wieder Übernachtungen gebucht wurden, sperrte der AV das komplette Schlaflager mit insgesamt 66 Plätzen im ersten Stock. Grund dafür waren erhebliche Sicherheitsbedenken. Auf der offiziellen Homepage der Sektion Bergland werden Wanderer und Bergsteiger wie folgt informiert: „ . . . bestehen derzeit auf dem Pürschlinghaus aufgrund einer brandschutztechnischen Maßnahme keine Übernachtungsmöglichkeiten. Bis auf weiteres werden keine Reservierungen angenommen.“ Hüttenwirt Spindler traf dieses Vorgehen völlig unerwartet: „Man hat mir g’sagt, dass ich vorerst keine Übernachter mehr annehmen darf.“ Auf den Tagesbetrieb hat dies indes keinerlei Auswirkungen, er läuft ganz normal weiter. Hintergrund der DAV-Entscheidung ist wohl der Umstand, dass es am Pürschling keinen zweiten Fluchtweg aus dem Obergeschoss gibt. Sollte zum Beispiel bei einem Brand das Treppenhaus nicht mehr passierbar sein, ist nicht auszuschließen, dass es im Schlaflager zu einer Panik kommen könnte.

Dies wirft die Frage auf: Warum hat die AV-Sektion Bergland erst jetzt gehandelt hat, obwohl brandschutztechnisch seit Jahrzehnten nichts beziehungsweise wenig im Übernachtungsbereich der Hütte passierte? Hintergrund könnte ein schlimmer Vorfall in der Gemeinde Schneizlreuth sein: Dort hatte ein Event-Manager in dessen gemietetem alten Bauernhof jahrelang Urlauber übernachten lassen, ohne die Brandschutzauflagen zu erfüllen. Pfingsten 2015 kamen dort bei einem verheerenden Feuer sechs Menschen ums Leben, 18 weitere erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Pächter wurde vergangenes Jahr zu drei Jahren Haft verurteilt.

Vom Alpenverein war gestern keine Stellungnahme zu der Schließung zu bekommen. Pressesprecher Thomas Bucher verwies auf den Vorsitzenden der Sektion Bergland, Stefan Schuhbauer. Der rief trotz entsprechender Ansagen auf die Handy-Mailbox nicht zurück. Nun darf man gespannt sein, welche Auflagen bzw. Maßnahmen die Bauaufsicht im Landratsamt für einen ordnungsgemäßen Brandschutz verlangt.

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