Einzige Ausnahme: Nur noch in dem Supermarktkomplex ist im Kemmelpark Einzelhandel erlaubt. Foto: herpen

Kemmelpark: Politik bremst Einzelhandel aus

Murnau - Auch der neue Murnauer Gemeinderat hält seine schützende Hand über die Geschäfte der Ortsmitte - und spricht sich strikt gegen weiteren Einzelhandel im Kemmelpark aus.

Mit breiter Mehrheit und ohne größere Debatte bestätigten die Volksvertreter in der jüngsten Sitzung eine Grundsatzentscheidung, die das Vorgänger-Gremium in einer Kampfabstimmung Anfang des Jahres gefällt hatte (wir berichteten). Der Markt zahlt allerdings für diesen harten Kurs einen hohen Preis: Denn er wird so manch einem potentiellen Investor einen Korb geben müssen.

Das Thema beschäftigt die Politik seit längerer Zeit: Hintergrund ist die Befürchtung, dass sich im Norden ein zweites Zentrum bildet, das Kaufkraft abzieht und die Fußgängerzone ausbluten lässt. Um im Kemmelpark das Stoppschild für den Einzelhandel aufzustellen, musste der Bebauungsplan für das ehemalige Kasernengelände geändert werden. Jetzt wurde zum Abschluss dieses Verfahrens die Satzung beschlossen.

Das neue Regelwerk lässt auf dem Wirtschaftsareal keine Verkaufsflächen mehr zu. Zuvor waren Ausnahmen möglich, wenn sie dem Ortskern nicht schadeten. Die Volksvertreter scheinen es ernst zu meinen. Auch Elisabeth Hoechners (SPD) Vorstoß, ein Hintertürchen geöffnet zu lassen, erteilten sie eine Absage. Nicht betroffen von der Einschränkung ist das Sondergebiet mit dem Supermarkt-Komplex.

Interessanterweise wurde in der Sitzung ein Vorhaben behandelt, das mit den verschärften Vorgaben kollidiert. Der Murnauer Steuerberater Dr. Ralf Schauer warb für ein dreigeschossiges Ärzte- und Bürohaus, das er mit dem Münchner Projektentwickler Klaus Ebert gerne im Kemmelpark verwirklichen würde. Der Haken an der Sache: Neben den Praxen des Fachbereichs „Muskel, Gelenk, Wirbelsäule“ und den Büros, die Schauer für seine eigene Firma nutzen würde, sind auch Geschäfte der Gesundheitsbranche vorgesehen: eine Apotheke, ein Sanitätshaus und eventuell ein Hörgeräteakustiker. Schauer stellte klar, dass man mit Blick auf die Refinanzierung der Baukosten auf diese Einzelhandelsbetriebe nicht verzichten könne. Denn diese brächten höhere Mieteinnahmen. „Das funktioniert nur, wenn wir Gewerbe in dem Objekt drin haben, das mehr bezahlt“, erklärte er.

Und wie geht es jetzt weiter? Schauer ist eher pessimistisch. „Das Konzept ist eigentlich gestorben“, sagte er auf Tagblatt-Nachfrage. Der Seehauser, der seine Kanzlei im Murnauer Obermarkt hat, fühlt sich unfair behandelt. Es sei befremdlich, ärgert er sich, dass sich das Kommunalparlament erst seine Pläne angehört und am gleichen Abend kurze Zeit später eine Regelung verabschiedet habe, die eine Realisierung gar nicht zulasse. Schauer: „Ich komme mir ziemlich verarscht vor.“ Sein „letzter Hoffnungsschimmer“: Die Volksvertreter könnten eine Art Sondergenehmigung ausstellen. Mithilfe einer Änderung des Bebauungsplanes für das betroffene Grundstück wäre dies möglich. Allerdings gilt dies als heikel: Die Gemeinde müsste schon eine schlüssige Begründung liefern, ist aus Expertenkreisen zu hören, will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen.

Unabhängig von der Einzelhandelsfrage ist gar nicht klar, ob der Gemeinderat Schauers Gewerbe-Immobilie überhaupt im Kemmelpark haben will. Die Meinungen gehen weit auseinander. Die Befürworter sehen eine attraktive Ansiedlung, die den Gesundheitsstandort Murnau stärkt und Arbeitsplätze schafft. Die Gegner befürchten, dass Ärzte aus dem Zentrum abgeworben werden und die „gute Stube“ des Marktes geschwächt wird.

Diese Position vertritt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Wir sollten nicht leichtfertig eingreifen und etwas rausziehen“, sagte der Rathauschef in der Sitzung - und warnte: „Wir schlagen der Innenstadt den Sargnagel ein.“ Gegen ein Ärztehaus sei grundsätzlich nichts zu sagen, nur passe es nicht in den Kemmelpark.

Josef Bierling (CSU) vertrat in der Debatte genau das Gegenteil: „Ich sehe das eher positiv“, erklärte er, „ein Ärztehaus ist dringend notwendig“. Eine solche medizinische Einrichtung locke Patienten und damit Kaufkraft an. Sollte man Schauer eine Absage erteilen, bestehe die Gefahr, so Bierling weiter, dass der Steuerberater mit seiner Firma Murnau verlässt und woanders ein neues Domizil baut. Auf dem Spiel stehen fast 80 Jobs. (as)

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