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Diese Männer ziehen für ein zukunftsweisendes Radwegekonzept an einem Strang: Tobias Kipp, Teamleiter „Kommunale Mobilität“, team red Deutschland GmbH (v.l.), Bürgermeister Rolf Beuting, Rainer Lampl, Geschäftsführer green solutions GmbH, Vhs-Leiter Heinfried Barton und Patrick Fierhauser, Klimaschutzmanager der Marktgemeinde.

Informationsveranstaltung zur Mobilität in Murnau 

Kfz-Belastung in Murnau am Limit

Murnau - Die Mobilität der Menschen wird sich in Zukunft ändern. Aber wann? In 10, 15 oder 20 Jahren? Dieser Frage, und in welcher Form sie sich ändern wird, sind auf Einladung der Volkshochschule Murnau (Vhs) Experten bei einer Info-Veranstaltung unter dem Motto „Zukunft Mobilität“ nachgegangen. Das Thema sei auch in Murnau aktueller denn je, begrüßt Klimaschutz-Manager Patrick Fierhauser am Mittwochabend die Gäste im Kultur- und Tagungszentrum.

Die Mobilität der Menschen wird sich in Zukunft ändern. Aber wann? In 10, 15 oder 20 Jahren? Dieser Frage, und in welcher Form sie sich ändern wird, sind auf Einladung der Volkshochschule Murnau (Vhs) Experten bei einer Info-Veranstaltung unter dem Motto „Zukunft Mobilität“ nachgegangen. Das Thema sei auch in Murnau aktueller denn je, begrüßt Klimaschutzmanager Patrick Fierhauser am Mittwochabend die Gäste im Kultur- und Tagungszentrum.

Im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzepts, das noch in 2017 fertiggestellt werden soll, wird auch das Thema Radwegekonzept in Murnau einen Schwerpunkt darstellen, kündigt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) an. „Wir sind in Murnau mit der Kfz-Belastung am Limit angekommen und wollen Mobilität künftig anders gestalten.“ Zum wiederholten Male appelliert das Gemeindeoberhaupt dafür, im Ort mehr zu Fuß zu gehen, „damit Murnau so schön bleibt wie es ist“.

Zahlen und Fakten, vor allem aus überregionaler Sicht, wusste Referent Tobias Kipp, Teamleiter der „team red GmbH“ zum Besten zu geben. So wird die Verkehrsbelastung bis zum Jahr 2030 auf den Straßen in Deutschland um 20 Prozent zunehmen. „Neue Straßen zu bauen, ist keine Lösung, denn Angebot schafft Nachfrage“, warnt er. Derzeit warte man dringend auf die aktuelle Mobilitätserhebung für Deutschland, die nur alle acht Jahre durchgeführt werde. Die Daten von 2008 wiesen bereits einen deutlichen Anstieg der Fahrradfahrer und Fußgänger aus, Pkw stagnierten. „Die Städte ziehen schon jetzt die Notbremse und verbannen Pkw aus der Stadt“, weiß der Fachmann aus Erfahrung.

Die Zukunft gehöre Fußgängern, Fahrradfahrern – hier vor allem mit E-Bikes und Car-Sharing-Systemen. Letztere verzeichnen einen regelrechten Boom und werden sich laut Kipp kurzfristig auch auf dem Land immer mehr etablieren. „Der eigene Pkw macht oft keinen Sinn mehr, wenn es solche Sharing-Angebote vor Ort gibt“, erläutert Kipp. Leider vermisse er auf den Homepages der Kommunen insgesamt konkrete Hinweise auf Car-Sharing-Angebote. „Für den Verbraucher müssen solche Informationen schnell und unkompliziert sichtbar und zugänglich gemacht werden,“ fordert er die zuständigen Stellen auf, sich transparenter darzustellen.

Aus psychologischer Sicht sei es für den Menschen erfahrungsgemäß schwierig, Gewohnheiten aufzugeben, um sich Neuerungen zu öffnen. Deshalb müsse man attraktive und einfach umsetzbare Alternativen anbieten. „In Deutschland wird leider viel zu viel analysiert und begutachtet, bevor Änderungen gewagt und vorgenommen werden“, bedauert der Experte. Andere Länder seien experimentierfreudiger. „Warum probiert man mögliche Konzepte wie beispielsweise eine Fußgängerzone nicht einfach eine Zeit lang aus und diskutiert dann, ob es Sinn macht, diese umzusetzen? Kostet fast nichts und bringt viel“, ermutigt er die Anwesenden.

Was diese Prognosen konkret für Murnau bedeuten, weiß Rainer Lampl, Geschäftsführer der „green solutions GmbH“, zu berichten. Die Wegenetzplanung des Landkreises Garmisch-Partenkirchen sehe in erster Linie eine Asphaltierung der Verbindungswege zwischen den Ortschaften sowie eine einheitliche und durchgehende Beschilderung vor. Geschlossen werden sollen im Rahmen des neuen Radwegekonzepts auch die bisher fehlenden direkten Radverbindungen am Ettaler Berg zwischen Ettal und Oberau sowie zwischen Schwaiganger und Murnau. Außerdem seien die Fördergelder für einen Radschnellweg zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen jetzt bewilligt worden.

Den Einwand einer Besucherin, dass mit dem Bau solcher Wege das Naturschutzgebiet Murnauer Moos gestört werde, konnte Lampl entkräften. „Es wurde bereits geklärt, dass Wege in diesen Abschnitten im derzeitigen Zustand bleiben, jedoch engmaschig kontrolliert werden, um witterungsbedingte Schäden unverzüglich auszubessern.“

Nach Gesprächen mit allen betroffenen Gemeinden des Landkreises ist man sich einig, dass der starke Trend hin zu E-Bikes in die Planung der Radwege-Konzipierung einfließen müsse. Vor allem, um die Sicherheit der Radfahrer zu gewährleisten. „Hier kann mit einer entsprechenden Beschilderung und Hinweisen auf Gefahrenbereiche viel getan werden, um Unfälle – die sich mit E-Bikes nachweislich vermehrt haben – zu vermeiden“, sagt Lampl. Beim Radwegekonzept gilt es, zwei Zielgruppen zu berücksichtigen. Zum einen die Touristen und Freizeitsportler, zum anderen Einheimische und Pendler. „Letztere müssen in Murnau attraktive Radwege vorfinden, um beispielsweise rasch und sicher zum Bahnhof zu gelangen“, erklärt Lampl. Dazu gehöre auch eine entsprechende Beleuchtung sowie geräumte Wege im Winter.

Vortrag „Energieautark“

Zum Thema „Energieautark in die Zukunft – Perspektiven der Elektromobilität“ lädt die Vhs Murnau am Mittwoch, 8. März, von 19 bis 21 Uhr ins Kultur- und Tagungszentrum ein. Um rechtzeitige Anmeldung unter Telefon 0 88 41/22 88 wird gebeten.

Gabriela Königbauer 

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