Organisator Robert Pollhammer.

700 Kilometer, -45 Grad: Robert Pollhammer organisiert härtestes Rennen der Welt

Garmisch-Partenkirchen - „Das kälteste und härteste Rennen der Welt" - so bezeichnet Robert Pollhammer den von ihm organisierten Yukon Arctic Ultra.

Bei einer Strecke von knapp 700 Kilometern und Temperaturen bis Minus 45 Grad Celsius glaubt man ihm das sofort. Dementsprechend hoch waren die Anforderungen im Februar an die 20 Teilnehmer, die sich die Maximaldistanz von 430 Meilen entlang der Route des legendären Hundeschlittenrennens Yukon Quest zutrauten. Zurückgelegt wird die Strecke entweder auf Langlaufskiern, per Mountainbike oder zu Fuß.

Pollhammer hat Rennen dieser Art schon selbst bestritten. „Man lotet seine Grenzen aus und sieht, was man erreichen kann, wenn man nur will“, schwärmt der 37-jährige Garmmisch-Partenkirchner. 70 bis 80 Prozent seien bei dieser Art von Extrem-Wettkampf Kopfsache. Die meisten Leute würden sich bei dieser Art von Freizeitbeschäftigung wohl eher an den Kopf langen. Bei dem Zeitmangel heutzutage böten Rennen wie der Yukon Arctic Ultra die Möglichkeit, eines „organisierten Abenteuers - intensiv und trotzdem sicher“, sagt Pollhammer. „Verloren haben wir noch keinen.“

Die Intensität lässt sich an der Ergebnisliste ablesen: Bei den Läufern erreichten nur sechs von 20 Startern das Ziel Der Rest musste aufgrund von Verletzungen, Erschöpfung oder den unwirtlichen Wetterbedingungen aufgeben. Darunter auch Polhammers Freund Mario Oehme. Der 38-Jährige Grainauer stieg jedoch bereits nach dem zweiten Tag mit Magenproblemen aus, er hatte die Expeditionsnahrung nicht vertragen: „Man kann sich so gut vorbereiten wie man will. Passieren kann immer etwas“, sagt er. „40 Prozent ist Vorbereitung, 60 Prozent ist Glück.“

Der Sieger bei den Läufern benötigte sechs Tage und 19 Stunden. Für Oehme spielt der Wettkampfgedanke jedoch keine Rolle: „Es zählt nur das Durchkommen. Man muss aber auch die Disziplin haben, abzubrechen, wenn es keinen Sinn mehr macht.“ Die Risiken einer solchen Extrembelastung sind allen Teilnehmern klar. Im Vorfeld des Rennens muss jeder Athlet glaubhaft nachweisen können, dass er über die nötige Erfahrung und körperliche Verfassung verfügt. Ansonsten nehmen Neulinge an einer Art Überlebenstraining teil.

Sicherheit wird auch auf der Strecke groß geschrieben. Im Verlauf des Rennens werden 15 Checkpunkte passiert. Acht Mitarbeiter begleiten das Rennen auf Schneemobilen. Die Läufer legen täglich zwischen 42 und 80 Kilometern zurück - mit 25 bis 30 Kilogramm Gepäck, das auf einem Schlitten gezogen wird. Geschlafen wird je nach Tagesform vier bis sechs Stunden, meist im Freien.

Ganz billig ist das Naturerlebnis in der Gefriertruhe aber nicht. 3000 bis 4000 Euro kostet die Ausrüstung. Spezielle Daunenbekleidung, die auch in tiefsten Minusbereichen warm hält, ist ein Muss. Hinzu kommen die Startgebühr von 1200 Euro sowie die Anreise. Für Oehme war es das Geld trotz seines Rennabbruchs wert. Vor allem die kanadische Wildnis hat ihn begeistert: „Das ist phänomenal. Das sind tiefe Eindrücke, die man hier macht.“ Und deshalb wird er auch beim nächsten Yukon Arctic Ultra am Start sein. Den organisiert Pollhammer allerdings erst wieder 2013. (tp)

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